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Kerkrade droht Abstieg: „Mister Roda“ und das Drama um seinen Klub

Von: Klaus Schmidt
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Bereit, wieder auf die Bühne zu treten: Nol Hendriks hat sich Roda Kerkrade schon einiges kosten lassen. Foto: sport/VI Images

Kerkrade. Willem van Hanegem gehört zu den Menschen, die ihre Sicht der Dinge auch nach dem Ende ihrer Karriere publik machen. Der ehemalige Haudegen von Feyenoord Rotterdam und Vizeweltmeister 1974 hat eine Kolumne in „AD“, einst „Algemeen Dagblad“, zu Wochenbeginn beschäftigte er sich mit Roda Kerkrade.

„Der Klub ist alles für die Menschen. Aber auf dem Feld sieht man Gäste in einem Roda-Shirt, die überhaupt keine Verbindung mit dem Klub haben. Das finde ich skandalös.“ Und weiter schrieb van Hanegem: „Das sind alles Freunde von Freunden von Freunden. Bah!“

Es steht in der Tat schlecht um den einstigen Europacup-Teilnehmer, selbst die Fans scheinen die Hoffnung aufgegeben zu haben. Eine eigenartige Atmosphäre herrschte am Sonntag im Parkstad Limburg Stadion, dabei ging es gegen RKC Waalwijk fast schon um alles. Trainer Jon Dahl Tomasson hatte martialisch verkündet: „Wir müssen diesen Krieg gewinnen.“ Roda verlor 0:1, fast teilnahmslos wohnte das Publikum bei. Vier Spieltage vor Ende der Punkterunde ist Kerkrade als Tabellenletzter dem direkten Abstieg aus der niederländischen Ehrendivision dramatisch nähergekommen.

Ende letzten Jahres hatten sie Ruud Brood nach nur zwei Punkten aus sechs Spielen entlassen. Man kann nicht behaupten, dass das vermeintliche Allheilmittel gewirkt hätte. Tomasson startete zwar gut mit einem Remis und einem Sieg, aber dann: neun Niederlagen in zehn Spielen.

Die Mannschaft kommt alles andere als eine Gruppe daher, die ein gemeinsames Ziel verfolgt. Mitchell Donald, dessen Vertrag ohnehin nicht verlängert worden wäre, trug seinen Ärger über die Auswechslung gegen Waalwijk dermaßen zur Schau, dass der Chefcoach den Mittelfeldspieler „wegen seines Benehmens und seiner negativen Haltung“ bis Saisonende suspendierte.

Tomasson, der ehemalige Dänen-Star, beschwört zwar weiter die Chance, sich noch in die Relegations-Duelle retten zu können, doch das klingt von Woche zu Woche immer weniger überzeugend. Auch Nol Hendriks mag nicht mehr an ein Happy End glauben.

Der Textil-Unternehmer aus Heerlen und langjährige „Mister Roda“ will seinem Klub wieder unter die Arme greifen – unter der Voraussetzung, dass Marcel van den Bunder seinen Stuhl räumt. Den Hauptgeschäftsführer mit großer Machtfülle auszustatten, bezeichnet Hendriks als „totalen Fehlschlag“. Van den Bunder sei der Hauptverantwortliche für die Misere, Roda brauche einen „guten Raad van Commissarissen, der absolute Kontrolle über den Klub hat und in dem sich jedes Mitglied um einen Bereich kümmert, wo der Verein zulegen kann“.

Nol Hendriks ist zuzutrauen, dass er auch noch die Abfindung für van den Bunder erübrigen würde. „Wenn Roda absteigt, bin ich bereit, für drei bis dreieinhalb Millionen Euro zu garantieren“, sagt Hendriks. Damit wäre das Loch im Etat gestopft (derzeit 10,5 Mio., in der Zweitklassigkeit sieben Mio.) und Kerkrade nicht gezwungen, Spieler zu verkaufen; man könnte den direkten Wiederaufstieg anpeilen. Allerdings hat der potenzielle (alte neue) Geldgeber da noch eine Bedingung: Er möchte bei den Zugängen mitreden – der Arbeit von Sportdirektor Leon Vlemmings. Und damit haben sie Probleme bei Roda.

Am Sonntag (16.30 Uhr) kommt AZ Alkmaar, es ist der Auftakt zur Kampagne „Route 42“. Im 41. Jahr spielt Roda ohne Unterbrechung in der Ehrendivision, 2009 und in der vergangenen Saison schaffte der Klub den Klassenerhalt noch in den Play-offs. Nun ahnt Kapitän Mark-Jan Fledderus: „Je länger die Uhr tickt, umso schwieriger wird es für uns.“

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