Jeder Kölner Schuss ein Treffer

Von: Roman Sobierajski
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Eher riesige Erleichterung als unbändiger Jubel: Doppel-Torschütze Marcel Risse (Mitte) lässt sich von seinen Teamkollegen feiern. Foto: sport/mika

Köln. Alois Schwartz rückte auf dem Podium der Spieltags-Pressekonferenz erst die Limonadenflaschen und dann die Dimensionen zurecht: „Man muss das Kräfteverhältnis berücksichtigen. Allein das Stadion. Stellt man das auf Sandhausen, sieht man von Sandhausen nichts mehr.“

Und tatsächlich war der Trainer des Tabellen-16. der Zweiten Liga in den 90 Minuten zuvor bei der 0:2-Niederlage seiner Mannschaft beim 1. FC Köln Zeuge von einigen seltenen Superlativen geworden: Alle Kölner Schüsse aufs Tor gingen auch ins Tor, das Team von Trainer Peter Stöger kam auf überragende 71 Prozent Ballbesitz, und für Matthias Lehmann auf der Drehscheiben-Position vor der Abwehrkette wurden von den Statistikern 107 Ballkontakte gezählt.

Doch was sich auf den ersten Blick wie das Abbild drückender Überlegenheit liest, ist tatsächlich Zahl gewordener Ausdruck Kölner Hilflosigkeit. „Wir haben nichts von dem umgesetzt, was wir vorher besprochen hatten“, ärgerte sich Kölns österreichischer Coach. „Keine Spielverlagerung, kein Spiel in die Tiefe, keine Bälle hinter die gegnerische Viererkette.“

Große Erleichterung

Vor allem im ersten Durchgang rannten die offensiv aufgestellten Kölner ideenlos und vergeblich gegen den Sandhäuser Abwehrriegel an. Zwar zappelte der Ball nach 20 Minuten im Netz der Gäste, doch Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus verweigerte vor 39 000 Zuschauern dem Treffer von Miso Brecko wegen Abseitsstellung zurecht die Anerkennung. „Das war recht zäh in der ersten Halbzeit“, räumte Mittelfeldspieler Marcel Risse im Anschluss ein. „Aber wir wussten, dass wir im zweiten Durchgang besser ins Spiel kommen würden, weil Sandhausen viel Laufarbeit zu leisten hatte.“

Es war dann Risse selbst, der mit seinem ersten Doppelpack in einem Pflichtspiel dem FC den ersten Saisonsieg nach drei Unentschieden bescherte. Nach Zuspiel des gerade für Maurice Exslager ins Spiel gekommenen Yannick Gebhardt zog der 23-Jährige aus 25 Metern vom Strafraumeck ab, und der Ball segelte über SV-Torwart Manuel Riemann hinweg ins lange Eck (55.). „Natürlich habe ich ganz klar gesehen, dass der Torwart einen Schritt zu weit vor dem Kasten steht“, flachste Risse nach der Partie und räumte ein, dass die Erleichterung größer war als die Freude über den schönen Treffer. „Wir standen schon unter Druck, das Tor hat der gesamten Mannschaft gutgetan.“

Die Hausherren taten sich in der Folge nicht mehr ganz so schwer, auch weil Sandhausen erst die Wagenburg ein wenig öffnen musste und sich in der letzten Viertelstunde dann auch noch selbst dezimierte: Jonas Hector fädelte nach Pass von Anthony Ujah bei seinem Gegenspieler Tim Kister ein, und weil der Abwehrspieler zuvor bereits den gelben Karton gesehen hatte, zückte Bibiana Steinhaus Gelb-Rot und zeigte auf den Elfmeterpunkt. Risse schnappte Kacper Przybylko den Ball weg und vollendete souverän ins linke untere Eck (78.): „Ich habe schon im Pokal einen Elfmeter verwandelt, warum sollte ich den nicht schießen wollen?“ Dass sich die FC-Minimalisten vor allem in den ersten 45 Minuten und zur Halbzeit ein Pfeifkonzert vom Publikum gefallen lassen mussten, nahm der gebürtige Kölner Risse dem Anhang nicht krumm. „Ich war ja früher selbst oft genug als Zuschauer im Stadion, wenn es gegen einen kleinen Gegner 0:0 steht, muss man damit rechnen.“ Rechnen konnte im Anschluss auch Trainer Peter Stöger vor der Partie bei Spitzenreiter Greuther Fürth am kommenden Samstag: „Wir haben jetzt den Anschluss geschafft, und nach dem Fürth-Spiel sind wir entweder ganz oben dabei, oder es tut sich wieder ein Loch auf.“

Zugleich bat der 47-Jährige um etwas, das man nirgendwo auf der Welt und in Köln erst recht nicht kaufen kann. „Hier ist es schwierig, mit dem Faktor Zeit zu spielen. Niemand kann erwarten, dass genau auf die Sekunde alles klappt“, warb der Entwicklungshelfer auf der Trainerbank. „Wir haben nicht viele Spieler, die mit permanenten Erfolgen auf ihren Visitenkarten gesegnet sind.“

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