Japanische Fußballer zieht es nach Düren

Von: Bernd Schneiders
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Nur die Ruhe bewahren: Nationaltrainer Gert Engels bei einem Testspiel seiner Mannschaft von Mosambik gegen Namibia im vergangenen Jahr. Foto: imago/Jan Huebner

Düren. Natürlich hat sein Fußballer-Herz gelacht, als er die Champions-League-Spiele der Bayern gegen den FC Barcelona und von Dortmund gegen Real Madrid gesehen hat. Doch die grandiosen Siege gerade der Münchner sind für Gert Engels viel mehr als eine optische Delikatesse. Die Triumphe über die vermeintlich beste Mannschaft der Welt stehen nun auf seiner Visitenkarte – unsichtbar.

Der 56-jährige Ex-Profi betreibt seit drei Jahren eine Fußballschule in Düren und rekrutiert seine Schüler vor allem in Japan. Dort muss er nicht mit Engelszungen auf potenzielle Interessenten einreden. Der Rheinländer besitzt immer noch einen großen Namen im Land der aufgehenden Sonne. 18 Jahre lang arbeitete er dort als Trainer. Ein Pfund, mit dem er wuchern kann.

Das erhält nun durch die Erfolge der Bayern und Dortmunder noch mehr Gewicht: Deutschland katapultierte sich in der Tabelle der meist geschätzten Fußball-Großmächte ganz nach oben. Die Japaner haben traditionell eine feine Antenne dafür, wo sie am besten lernen können. Und so ist ein rein deutsches Champions-League-Finale eine optimale Reiseempfehlung.

In seiner Fußballschule in Düren beherbergt er einzelne, überwiegend junge Fußballspieler. Gert Engels betreut aber auch Aufenthalte kompletter Mannschaften, organisiert Trainingslager und trainiert die Teams. „Früher zog es die Japaner überwiegend nach Brasilien und dann Frankreich.“ Deutschland aber hat nachgezogen. Auch in Japan ist Soccerlife beheimatet und aktiv. Doch Trainingslager auf der Insel sind extrem kostspielig. Und Japaner lieben es zu reisen und sich zu verbessern – die perfekte Kombination, um mit einer Fußballschule diese Bedürfnisse zu befriedigen.

Doch Soccerlife ist kein Karriere-Automat: Talente rein – Profis raus! Gert Engels geht es um viel mehr: um Weiterbildung, natürlich Verbesserung der sportlichen Fähigkeiten, aber auch um das Kennenlernen deutscher Kultur und des Alltags, um das Gewinnen von Auslandserfahrungen, um das Vermitteln und Aufzeigen von Kontakten und Möglichkeiten. Das funktioniert nur, wenn man sich tiefe Kenntnisse der japanischen Kultur angeeignet hat, sie respektiert und sich selbst Respekt erarbeitet hat.

Das ist nicht unbedingt der Standard bei deutschen Fußball-Trainern im Ausland. Gert Engels ist dies in einer nicht gerade als einfach zu erschließenden Kultur wie die der Japaner gelungen, diese Erfahrungen nutzen ihm bei seinem derzeitigen Job als Nationaltrainer in Mosambik – in erster Linie der Respekt vor Menschen. Die vertraglich zugesicherten Heimaturlaube ermöglichen die direkte Arbeit mit den Schülern in Düren. Falls sein afrikanischer Job ihn daran hindert, sorgt er für fußball- und lebenserfahrenen Trainer-Ersatz. Japaner wollen und akzeptieren nur Qualität.

Starter-Paket

In der Regel quartieren sich die Fußball-Lehrlinge für zwei, drei Monate bei ihm ein. Oft sind es Studenten, die ihre Semesterferien dafür opfern. Dann ist die Rückkehr Usus. Drei Monate sich nur auf den Fußball zu konzentrieren – das bringt die Gäste unabhängig vom eigenen Niveau ein mächtiges Stück nach vorn. Aber es gibt auch Kandidaten, die bleiben wollen. „Am liebsten ist es mir, sie entwickeln sich hier sportlich, knüpfen Beziehungen, werden spielberechtigt und sind dann auf sich allein gestellt.“ Das haben schon viele geschafft, spielen etwa in oberen Amateurklassen, biegen in eine Trainerlaufbahn ab oder schlagen einen ganz anderen Weg ein. Soccerlife als Starter-Paket.

Natürlich aber geht es auch noch immer darum, ungeschliffene Diamanten etwa in japanischen Schulmannschaften zu entdecken und hier zum Glänzen zu bringen. „Das ist vor allem noch in den japanischen Schul- und Universitätsmannschaften möglich“, erklärt Gert Engels. Mit ihnen betreibt der ehemalige Mönchengladbacher Profi persönliche Entwicklungshilfe und organisiert Probetrainings bei Profi-Vereinen. Nicht ausgeschlossen dabei, dass „Sensei“ Engels Spieler mit Potenzial auch zurück zu einem japanischen Profi-Klub empfiehlt. Das Gros aber findet einen Platz in den Amateurligen. Häufig nach der für sie überraschenden Erkenntnis: „Sie wussten nicht, wie weit runter in Deutschland noch guter Fußball gespielt wird“, beschreibt Gert Engels. „In Japan sind in der fünften Liga nur noch Hobby-Fußballer aktiv.“

Um all das gestemmt zu bekommen, hat der Dürener sich ein Netzwerk aufgebaut. Wesentlicher Bestandteil sind etliche Amateurklubs aus der Region wie Germania Dürwiß und der FC Niederau. Nicht nur als potenzielle Klubs, für die seine Zöglinge kicken können. Auch für die Teilnahme am Training oder um ihre Trainingsanlagen zur Verfügung zu stellen.

Inhaltlich soll Soccerlife noch ausgebaut und weiterentwickelt werden. Ursprünglich angedacht als „zweites Standbein und für meine Rente“, könnte in naher Zukunft das Angebot auch als Entwicklungshilfe für deutsche Jugendliche erweitert werden.

Die Verweildauer ausländischer Nationaltrainer in Afrika tendiert gegen maximal zwei Jahre. Zwar ist Gert Engels beseelt von seiner Vision, Mosambiks Olympiamannschaft zu den Spielen in Rio de Janeiro 2016 zu führen. Doch ob die ehrgeizigen Funktionäre, für die die Teilnahme an Africa-Cup und WM im Vordergrund steht, dazu Geduld aufbringen, ist zumindest fraglich. Umhauen würde das Gert Engels nicht: Such is life - Soccerlife!

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