Whatsapp Freisteller

Jahrhunderspiel: Die Motivation stark, die Holländer stärker

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
5833382.jpg
Seine Torjäger-Qualitäten noch nicht verloren: Oliver Neuville netzt gegen den niederländischen Torhüter Oscar Moens zum 2.3 ein. Foto: Andreas Steindl

Aachen. „Jetzt im Moment tut das sehr weh“, sagte Oliver Neuville, als er den Innenraum des Aachener Tivolis verließ. Der 69-fache deutsche Nationalspieler meinte damit weniger die 3:4-Niederlage im sogenannten Jahrhundertspiel gegen die Niederlande auf dem Tivoli. Er meinte seine Knochen, die schmerzten, als er sich bücken musste, um unter einem Absperrband hindurchzuschlüpfen.

90 Minuten Vollgas – diese Belastung kennt der Körper des ehemaligen Stürmers nicht mehr. „Die Niederlage ist ärgerlich. Aber ich denke das können wir verkraften.“ Ärgerlich, weil die deutschen Alt-Internationalen zu spät wach geworden waren und die Partie nach der starken Drangphase der Niederländer in Halbzeit eins nicht mehr drehen konnten. Dabei hätten sie gekonnt, wenn der Schiedsrichter sie gelassen hätte. Aus Sicht von Lothar Matthäus, Mario Basler und Oliver Neuville verwehrte Schiedsrichter Jürgen Jansen den Deutschen in Durchgang eins einen Elfmeter.

In der zweiten Halbzeit soll der niederländische Unparteiische Mario van der Ende das vermeintliche 4:4 von Neuville kurz vor dem Schlusspfiff mit einem unberechtigten Abseitspfiff vereitelt haben. „Da hat man gesehen, wie motiviert die Deutschen waren. Von wegen Sommerfussball“, erklärte Mark van Bommel, der beste Mann im Oranje-Trikot, den Ärger der Deutschen, der allerdings schnell verraucht war. „Das ist doch klar. Wenn wir dieses orange Trikot sehen, dann steigt die Motivation ungemein“, verdeutlichte der ehemalige Dortmunder Michael Schulz, dass der Spaß seine vom sportlichen Ehrgeiz gesetzten Grenzen hatte.

Die Halbzeitbilanz von 1:2 war aus deutscher Sicht mehr als schmeichelhaft. Die Oranje-Auswahl hätte mit drei oder vier Toren Vorsprung führen können. Das Chancen-Übergewicht lag eindeutig bei den Gegnern aus dem Nachbarland. Teil eins des gebrauchten Tages von Manfred Binz passierte in Minute 13, als der Ball nach Querpass von van Bommel von seinem Knie unhaltbar für Butt im deutschen Tor landete. Teil zwei war seine Auswechslung wegen einer Verletzung mit Verdacht auf Achillessehnenriss (35.).

Den Pass zum 1:1 von Neuville spielte Lothar Matthäus (38.). Dann foulte Hansi Pflügler den Oranje-Stürmer Michael Mols, und Erwin Koeman vollstreckte mit feinen Fußgefühl den Freistoß aus 17 Metern zum 1:2 (44.). Die deutsche Auswahl tastete sich erst allmählich in Richtung gegnerisches Tor vor. Großen Anteil daran hatte Mario Basler, der Herr des ruhenden Balls, auch dann, wenn das Spiel gerade läuft. In der 49. erhielt er Szenenapplaus für seinen Sturmlauf über 50 Meter, der allerdings mit einem Schüsschen endete. In der 55. Minute vollstreckte van Bommel zum 1:3, Neuville verkürzte zum 2:3 (63.).

Nur eine Minute später war Baslers nächster Sturmlauf von Erfolg gekrönte. Er legte quer auf Maurizo Gaudino, der zum 3:3 einschob. Die Laola schwappte durch den Tivoli. Bis zur 87. Minute. Da versetzte Rob Witschge der Stimmung einen Dämpfer, weil er den verdienten 4:3-Siegtreffer für die Niederlande markierte. „Die nächste Woche wird mir alles weh tun. Die Figur ist nicht mehr so wie früher. Mein Körper verkraftet so ein Spiel nicht mehr so einfach. Vor allem, wenn wir gegen Holland verlieren“, sagte Mario Basler auf dem Weg zur Zigarette danach.

Leserkommentare

Leserkommentare (4)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert