München - Heynckes: „1965 war es traumhaft, es war die schönste Zeit“

Heynckes: „1965 war es traumhaft, es war die schönste Zeit“

Von: Maik Rosner
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Der Jubilar: Jupp Heynckes im Jahr 2013. Foto: imago/Contrast

München. Die Geschichten von seinem ersten Bundesligaspiel haben schon ziemlich viel Staub angesetzt, und das ist aus seiner Sicht auch ganz gut so. Denn Jupp Heynckes hat das 1:1 mit Borussia Mönchengladbach bei Borussia Neunkirchen am 14. August 1965 in keiner sonderlich guten Erinnerung behalten.

Das Bemerkenswerteste an dieser Partie war ja, dass ein gewisser Hans-Hubert Vogts, besser bekannt als Berti, gleich viermal auf der Torlinie rettete. Von den beiden Halbstürmern Heynckes und Günter Netzer ist überliefert, dass sie bei ihren Sonderbewachern Dieter Schock und Gerd Peehs ziemlich untergegangen sind.

Wischt man den Staub dieser Geschichten ein wenig beiseite und sieht Heynckes nicht in den schwarz-weißen Bildern von damals, sondern am Tag vor dem heutigen Spiel des FC Bayern gegen Werder Bremen in seinem quietschbunt-jugendlichen Kapuzenpullover, bekommt der Rückblick auf jene Anfangsjahre einen anderen Anstrich. Heynckes sagt über sein Aufstiegsjahr 1965 in die Bundesliga: „Ich hatte einen 160-Mark-Vertrag im Monat. Wir haben zum Spaß gespielt. Das war traumhaft, das war die schönste Zeit.“

Seither sind 48 Jahre vergangen, die Bundesliga ist zu einem bestens ausgeleuchteten Unterhaltungsbetrieb geworden, in dem Halbstürmer und Sonderbewacher genauso ausgestorben sind wie das manchmal romantisch verklärte Halbprofitum. Jupp Heynckes aber ist immer noch dabei, und das sehr erfolgreich, obwohl sich der Fußball „kolossal verändert“, wie er herausstellt. Heute wird der 67-Jährige sein 1000. Bundesligaspiel erleben, nun als Trainer des einsamen Tabellenführers aus München. Dass dabei Arjen Robben und voraussichtlich auch ein paar andere Reservisten von Beginn an auflaufen dürfen, ist fast schon nebensächlich. Das gilt auch für das Jubiläum des Bremer Trainers Thomas Schaaf, der vor seinem 750. Bundesligaspiel steht. Im Mittelpunkt wird natürlich Heynckes stehen, und die Vereinsführung wird ihn mit einer Ehrung bedenken. Vorstand Karl-Heinz Rummenigge findet, die Zahl 1000 allein zeuge „von einer ganz großen Klasse. Er hat es sich verdient, dass wir ihn da auch mal besonders feiern.“ Und es passe ja, dass Heynckes als „absolutes Kind der Bundesliga“ sein Jubiläum in deren 50. Saison begehen kann.

Genau genommen hätte es schon längst so weit sein können, denn Heynckes hat als Fußballlehrer auch viele Jahre im Ausland verbracht, in Spanien und Portugal bei Athletico Bilbao, CD Teneriffa, Real Madrid und Benfica Lissabon. Nun also steht für ihn „erst“ das 631. Trainerspiel in der Bundesliga an. Aktuell ist er bereits zum dritten Mal in München im Amt, zuvor stand er in zwei Amtszeiten auch bei Mönchengladbach sowie in jeweils einer bei Eintracht Frankfurt, Schalke 04 und Bayer Leverkusen als Coach an der Linie. Zuvor waren zwischen 1965 und 1978 als Spieler 369 Einsätze für Gladbach und Hannover 96 zusammengekommen – und 220 Tore.

Auch manche Enttäuschung

Heynckes hat am Freitag einen kleinen Abriss seiner Karriere gewagt und dabei schon ein wenig nach Abschied geklungen, als er sagte, er könne auf eine „sehr erfolgreiche Zeit zurückblicken, aber auch auf manche Enttäuschungen, sportliche und menschliche“. Zum mutmaßlichen Ende seiner Karriere im Sommer hofft er nun, seine Titelsammlung erweitern zu können. Weltmeister ist er 1974 geworden, zwei Jahre zuvor bereits Europameister. Den Uefa-Pokal gewann Heynckes 1975 mit Mönchengladbach, hinzu kamen vier deutsche Meistertitel als Spieler, „der erste 1971 mit Gladbach war der schönste“. Der Trainer Heynckes gewann unter anderem mit Real Madrid 1998 die Champions League und zwei deutsche Meistertitel mit den Bayern.

Das Datum für sein letztes Bundesligaspiel scheint schon festzustehen. Am 18. Mai, neun Tage nach seinem 68. Geburtstag, mit dem FC Bayern am heimischen Niederrhein bei Borussia Mönchengladbach, „mein Verein“, wie er sagt. 1011 Spiele werden dann zu Buche stehen, und es gilt als sehr unwahrscheinlich, dass er nach seinem Vertragsende noch welche hinzufügen wird. Otto Rehhagel dürfte also seinen Rekord behalten. Der langjährige Bremer Trainer hat es auf insgesamt 1037 Bundesligaspiele gebracht. Wobei Heynckes findet, dass er Rehhagel irgendwie auch übertroffen hat. Rekordhalter, sagte er gestern, „bin ich doch schon. Ich habe ja auch 302 Mal im Ausland auf der Bank gesessen, also brauche ich mir darüber keine Gedanken zu machen.“ Er grinste. Mit dem quietschorangefarbenen Kapuzenpullover sah er im gleißenden Scheinwerferlicht der Bundesliga in diesem Moment ziemlich jugendlich aus.

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