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Formel 3: Max Verstappen tritt in große Fußstapfen

Von: Jos Verstappen
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Guter Rat ist nicht immer teuer: Jos Verstappen und sein Sohn Max, der im Dalara-Volkswagen die Formel-3-EM aufmischt. Foto: sport/HochZwei

Maasbracht. „Auto.“ Der junge Mann stellt gleich mal seine rasche Auffassungsgabe unter Beweis und gibt die Antwort, die jetzt keine Überraschung wäre. Das Wort „Auto“ will er also als erstes in seinen Sprachschatz aufgenommen haben, noch vor „Papa“ und „Mama“, doch Max Verstappen sagt das nur, weil es so naheliegt, und grinst, Scherz.

Überliefert ist das nicht, auch der prominente Vater kann keine sichere Auskunft geben, nur so viel: „Max ist mit Autos groß geworden.“ Der Sohn von Jos (42), dem bis heute erfolgreichsten niederländischen Grand-Prix-Piloten, könnte sogar ein richtig Großer werden, rein sportlich betrachtet. Die Vita des 16-Jährigen und die Einschätzungen der Fachleute begründen jedenfalls allerbeste Perspektiven. Max Verstappen hat da für sich selbst ganz klare Vorstellungen: „Ich will Formel-1-Weltmeister werden.“

Bis zur vergangenen Saison war er im Kart-Sport unterwegs, wie einst der Vater und die Mutter Sophie Kumpen, die gegen Giancarlo Fisichella oder Jarno Trulli fuhr. Verstappen junior krönte das Jahr mit einer unglaublichen Bilanz: zweifacher Europameister, Weltmeister in der KZ-Klasse (Schaltgetriebe), WM-Dritter in der KF-Klasse (Automatik), wo er vor der letzten Veranstaltung in Führung gelegen hatte, Sieger in der WSK Euro Series, WSK Master Series und im Wintercup. „Das hat’s noch nie gegeben“, sagt Jos Verstappen.

Der Limburger führt durch die Halle in Maasbracht, nahe seines Geburtsorts Montfort, wo das gelbe Quad steht, mit dem der zweieinhalbjährige Max loslegte, das erste Kart, das zwei Jahre später folgte. Der Prüfstand, die Regale voller Motoren, die Kart-Sammlung des Teams aus der jüngeren Vergangenheit, der Truck, der im Formel-1-Paddock nicht unangenehm auffallen würde.

Eine Saison auf Top-Niveau wie 2013 kostet rund 150.000 Euro nur für die Renneinsätze – wenn nicht viel kaputt geht. Was im Etat nicht durch z.B. Sponsoren abgedeckt war, übernahm der Vater. Max stellt aber klar, dass er nie zum Motorsport gedrängt wurde: „Ich habe als kleiner Junge gefragt, ob ich Kartfahren darf.“ Mit sieben gewann er gleich sein Premieren-Rennen, die Konkurrenz sah ihn fortan nur von hinten: in den ersten drei Jahren mit einer Quote von 59 Siegen bei 60 Starts, mit einer Sammlung von nationalen und internationalen Titeln wie in einem vollgeklebten Panini-Album.

Max Verstappen hätte nun weitermachen können im Kart. „Doch was willst du gewinnen, außer das Gleiche noch mal?“, fragt Vater Jos, der seine aktive Karriere vor fünf Jahren bei den 24 Stunden von Le Mans (Ausfall im Aston Martin) beendet hatte und sich längst als Vollzeitkraft um seinen Sohn kümmert. Im Formel Renault der 2-Liter-Serie bekam Max im August letzten Jahres reichlich Testtage, der Anruf eines befreundeten Teamchefs eröffnete die Chance auf Probefahrten im der Formel 3. „Nach der ersten Runde wusste ich: In diesem Auto fühle ich mich wohl.“

Fachkundige Augenzeugen wollten es nicht glauben, dass Max Verstappen in Valencia zum ersten Mal einen Formel 3 bewegt hatte. „Dieses Auto passt zu seinem Fahrstil“, sagt Jos. „Er ist spät auf der Bremse, aber sanft genug, um schnell wieder aus der Kurve rauszukommen“ – „smooth“ und dennoch aggressiv.

Die beiden Top-Teams waren fahrerisch schon besetzt, ein Cockpit bekam Max Verstappen schließlich bei Van Amersfoort Racing, dem renommiertesten niederländischen Rennstall, bei dem einst auch Jos seine Automobilsport-Karriere begonnen hatte. Der Stammhalter meldete sich mit der nächsten Duftmarke an: Im letzten Test vor Beginn der Formel-3-Europameisterschaft brannte er auf dem Red-Bull-Ring in Österreich die Bestzeit auf den Asphalt.

Die anspruchsvolle Konkurrenz mit Piloten wie Tom Blomqvist an der Spitze, dem Sohn des ehemaligen Rallye-Weltmeisters Stig Blomqvist, bringt bis zu fünf Jahren Erfahrung in der Serie mit. Der blutjunge „Rookie“ kannte aber auch beim Saisonstart in Silverstone vor einem Monat keine falsche Bescheidenheit. Im dritten und finalen Rennen des Wochenendes verbuchte Max Verstappen als Zweiter sein erstes Podium. In Hockenheim feierte er dann seinen ersten Sieg, zuletzt in Pau gab es einen dritten Platz. Der Stadtkurs in Südfrankreich vermittelte aber auch neue Erfahrungen, wie das zum Beispiel ist, im Regen einen Monoposto zu bewegen. „Da bin ich weggerutscht, mein Fehler. Pau war ein up and down, da war ich sauer auf mich selber.“

Auf dem Hungaroring bei Budapest geht das Programm am übernächsten Wochenende weiter. Max Verstappen belegt in der EM-Gesamtwertung mit dem Dallara-Volkswagen, dessen rund 225 PS starker Motor auf dem Triebwerk des WM-Rallye-Polo basiert, Rang vier. Die Karriereplanung basiert auf einem Fundament, das als professionell zu bezeichnen ist: Den regelmäßigen Schulbesuch im belgischen Maaseik stellte Max zu Beginn letzten Jahres ein, einen Abschluss macht er bis 18 über eine Internet-Schule in Sittard, wo persönliches Erscheinen nur jeden Dienstag für drei Stunden erforderlich ist.

Um seine Fitness kümmert sich ein Trainingszentrum, das auch niederländische Olympia-Starter betreut. Eine im ganzen Land vertretene Supermarktkette ist der große persönliche Sponsor, Max schreibt Autogramme „wie noch nie in meinem Leben“ und ist begehrt bei Presse und Fernsehen. „Ich kann nur versuchen, Max die richtige Begleitung zu geben“, sagt Jos Verstappen. Druck verspüre er nicht, sagt Max. „Das Wichtigste ist: Du musst schnell sein.“ Und das wollte er schon immer.

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