FC-Torhüter: „30 Gegentore sind die Grenze“

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Hüter der Abwehrfestung Köln: FC-Torwart Timo Horn vor der Eigelsteintorburg. Foto: imago/Eduard Bopp
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Eigentlich soll der 1. FC Köln erst nach der kommenden Zweitliga-Spielzeit wieder aufsteigen. Doch plötzlich winkt der Relegationsplatz. Im nächsten Spiel geht es für die Mannschaft von Trainer Holger Stanislawski gegen Kaiserslautern. Foto: dpa

Köln. Nach 27 Spieltagen ist der 1.FC Köln nach schwachem Start erstmals auf den Relegationsplatz in der Zweiten Liga geklettert. Die Stabilität der Defensive hat dabei großen Anteil an der positiven Entwicklung. Vor der wegweisenden Partie in Kaiserslautern sprach Günter Kirschbaum mit dem Kölner Torwart Timo Horn.

Wie fühlt es sich an, hinter einer der besten Abwehrreihen im Tor zu stehen?

Horn: Es ist manchmal schwer, die Konzentration hoch zu halten, wenn man über weite Strecken des Spiels nichts zu tun bekommt und dann in der einen entscheidenden Szene hellwach sein muss. Aber ich habe das bisher gut hinbekommen und habe es lieber so, als unter Dauerbeschuss zu stehen.

Ihre Aufgabe ist also nicht zu undankbar...

Horn: Es ist natürlich als Torwart dankbarer, wenn man sich öfter auszeichnen muss. Das sieht man auch an Manuel Neuer, der in Schalke viel aufs Tor bekommen hat, sich häufiger auszeichnen konnte und jetzt bei den Bayern in einer ähnlichen Lage ist wie ich in Köln zurzeit. Das ist sicherlich schwieriger, aber nicht undankbarer, wenn man dann sieht, dass man in der Tabelle höher steht als die Torhüter, die viel aufs Tor bekommen.

Die Dinge um den 1. FC Köln herum waren im Verlauf der Saison aber nicht immer so positiv.

Horn: Auch da haben wir das Spiel bestimmt, aber unsere Torchancen meistens nicht genutzt. Da gab es auch den einen oder anderen Fehler im Spiel, durch den wir dann Gegentore kassiert haben. Da haben wir dann unentschieden gespielt oder knapp verloren. Wir mussten uns in dieser Phase auch erst mal an die unteren Tabellenplätze gewöhnen. Dass wir noch einmal so zurückkommen würden, damit hat keiner gerechnet.

Auch die Mannschaft nicht?

Horn: Wir haben immer an uns geglaubt, aber nicht ständig den Gedanken im Kopf gehabt, noch einmal um den Relegationsplatz mitzuspielen. Es war vor der Saison auch schwer, eine Zielvorgabe zu formulieren. Wir hatten viele Transferbewegungen, eine junge Mannschaft. Es brauchte Zeit, bis wir uns gefunden haben.

Der einzige Mannschaftsteil, in den vor der Saison auch in Erfahrung investiert wurde, war in Form von Dominic Maroh die Abwehr. Wie wichtig ist Erfahrung in der Defensive?

Horn: Erfahrung ist schon extrem wichtig, weil die Abwehr unter anderem für den Spielaufbau verantwortlich ist. Es ist wichtig, dass man Spieler wie Maroh oder Kevin McKenna in der Abwehr hat, die meist den richtigen Weg finden. Zudem ist McKenna unglaublich kopfballstark und mit fünf Treffern unser zweitbester Torschütze.

Haben Sie Kevin McKenna bewusst im Zusammenhang mit dem Spielaufbau genannt?

Horn: Ich meinte, dass solche Spieler die Erfahrung haben und wissen, wann sie einen Ball schnell nach vorne tragen und wann sie das Spiel beruhigen müssen.

Wie erleben Sie ein Spiel aus dem Strafraum heraus?

Horn: Das ist eine völlig andere Perspektive als ein Spieler sie hat. Man muss als Torwart zu 100 Prozent konzentriert sein. Und wenn wir als Torhüter so viele Fehler machen würden wie die Feldspieler, dann wären wir ganz schnell wieder aus dem Tor raus. Das ist eine ganz andere Situation. Man lernt als Torwart von klein auf, 90 Minuten lang voll konzentriert zu sein, auch wenn man nicht immer am Spielgeschehen beteiligt ist. Man hat das Spielfeld vor sich und muss die Spieler dirigieren, weil man einfach die bessere Übersicht hat.

Sie werden immer mal wieder kritisiert, nicht laut genug zu sein.

Horn: Ja, es ist schon in den Jugendmannschaften so gewesen, dass die Trainer lieber Torhüter hatten, die emotionaler agierten als ich. Diese Kritik habe ich angenommen und versuche mich zu verbessern. Ich bin aber der Meinung, dass es besser ist, der Mannschaft eine gewisse Ruhe zu vermitteln. Wenn man jede Aktion kommentiert und bewertet, dann ist das nicht immer so fördernd, als wenn man ab und zu die Ruhe bewahrt. Es hilft manchmal mehr, einem Spieler gut zuzureden, als ihn anzuschnauzen.

Ist die Partie in Kaiserslautern auch für Sie ein besonderes Spiel oder nur eines von 34?

Horn: Es ist ein besonderes Spiel, weil der Dritte beim Vierten spielt. Ich persönlich gehe aber ins Spiel wie in jedes andere auch. Ich bin nicht nervöser oder fokussierter. Der Aufstieg wird in diesem Spiel nicht entschieden, insofern gehen wir locker daran.

Wie ist die Stimmung in der Mannschaft?

Horn: Die ist gut. Gerade nach dem letzten Spieltag. Wir konnten ja nicht unbedingt damit rechnen, dass Kaiserslautern in Sandhausen nur unentschieden spielt. Die Ausgangslage ist dadurch natürlich viel besser geworden und die Mannschaft ist selbstbewusst.

Wie viele Tore darf Timo Horn in dieser Saison kassieren, damit der FC am Ende Dritter ist?

Horn: Ich glaube, 30 Gegentore sind die Grenze (aktuell 24 Gegentore, Anm. d. Redaktion).

Wo stehen Sie in Ihrer Entwicklung?

Horn: Ich möchte in der Bundesliga spielen, am liebsten mit dem 1. FC Köln, und in der nächsten Saison zum Stamm der U-21-Nationalelf gehören.

Voraussichtliche Aufstellung: Horn - Brecko, Maroh, McKenna, Eichner - Strobl, Clemens, Matuschyk, Bröker - Maierhofer, Ujah

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