Evivo 2012: Ohne Leitwolf ohne Chance?

Von: Franz Sistemich
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Volleyball-Lehrstelle auch für den Trainer: Söhnke Hinz hat in der Bundesliga nicht mehr so viel Zeit, die Spieler zu entwickeln, wie zuvor im Junioren-Bereich. Foto: : imago/City-Press Foto: imago/City-Press

Düren. Die Wochen der Wahrheit beginnen. Noch einmal darf Volleyball-Bundesligist Evivo Düren versuchen, einen Großen der Liga zu ärgern, dann steht die Pflicht an. Sonntag erwarten die Schützlinge von Trainer Söhnke Hinz um 16 Uhr den Meister und Tabellenzweiten VfB Friedrichshafen.

Ab Mittwoch nächster Woche sind die sechs Kontrahten Gegner, die Düren besiegen muss- will es die Play-off-Runde überhaupt noch erreichen. Denn eines ist klar: Das Saisonziel Halbfinale ist kaum zu realisieren.Es geht um Schadensbegrenzung.

Wie sieht die aktuelle Situation aus?

Die Rheinländer belegen mit 8:18 Punkten den neunten Platz. Vier Siegen stehen neun Niederlagen gegenüber. Nach Minuspunkten liegt Düren gleichauf mit dem VC Gotha als Siebtem und dem CV Mitteldeutschland als Achtem. Beide haben ein Spiel mehr.

Welche Platzierung vor der Play-off-Runde wäre erstrebenswert, sollte Evivo das Halbfinale noch auf der Agenda haben?

Rang 4 ist außer Reichweite. Deshalb: Platz 5. Dann träfe Düren auf den Vierten. Es würde die Tagesform entscheiden. Platz 6 böte auch noch eine geringe Möglichkeit. Denn gegen die Recycling Volleys aus Berlin, den Tabellendritten, haben die Volleyballer von der Rur immer gut ausgesehen. Platz 7 oder 8 würden das Aus im Viertelfinale bedeuten. Generali Haching und Friedrichshafen sind einfach eine Nummer zu groß.

Warum dümpelt Evivo auf dem neunten Platz herum?

Mehrere Faktoren spielen eine Rolle. Einer ist die Heimschwäche: Nur eine Partie hat Evivo in der Arena gewonnen. Alle anderen Spiele gingen verloren. Sei es gegen Haching oder auch gegen Mitteldeutschland. Eine weiterer Grund: Die Mannschaft spielt(e) einfach nicht auf einem konstant hohen Niveau. Auch weil die Spieler immer wieder Schwächephasen einstreuen. Das Team in einem Negativ-Sog. Es gelang ihm nicht, sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen. Hinzu kamen Verletzungen. Die schwerwiegendste: Mit dem einst weltbesten Mittelblocker Stefan Hübner , dessen Vertrag jetzt vorzeitig aufgelöst wurde, fehlte seit dem dritten Spieltag der Leitwolf auf dem Feld.

Warum war gerade Hübner wichtig?

Sieben Spieler stießen vor der Spielzeit zu Evivo. Teilweise junge Akteure aus der Zweiten Liga oder Spieler wie Christian Fromm, die in ihrem Verein nur wenige Einsatzzeiten hatten. Fromm saß in Friedrichshafen in der vergangenen Saison praktisch nur auf der Bank. Ferner verlor der dreifache deutsche Vizemeister mit Diagonalangreifer Christian Dünnes den „Mister Evivo”, eminent wichtig als Punktesammler und Rückhalt. Somit blieb als große Stütze nur noch Hübner übrig. Als er wegen seiner Fußsohlenverletzung langristig ausfiel, fehlte die Korsettstange. Und eigentlich auch erfahrenere Spieler wie Tim Elsner füllten das Vakuum nicht.

Und der Trainer?

Söhnke Hinz, ein sehr ruhiger Vertreter seiner Zunft, macht(e) auch eine Lehrphase durch. Vor seinem Engagement an der Rur arbeitete der Trainer praktisch nur im Nachwuchsbereich. In Friedrichshafen baute er ebendiesen erfolgreich auf, dann coachte der jetzt 42-Jährige vier Jahre die Juniorennationalmannschaft, wurde mit ihr Vize-Europameister. Nun hat er es auch mit erwachsenen Spielern zu tun. Eine Umstellung. Außerdem: In der Bundesliga muss die Weiterentwicklung von Spielern und Mannschaft schneller erfolgen als bei den Junioren. In der Bundesliga müssen Punkte eingefahren werden. Und davon fehlen Evivo einige, um beruhigt in die letzten Saisonspiele zu gehen.

Ist denn der Kader falsch zusammengestellt? War die Erwartungshaltung zu hoch und damit auch der Druck auf Trainer und Team?

Der zwölfköpfige Kader ist zumindest in der Breite nicht ausgeglichen, ist zu unerfahren. Dies ist auch der finanziellen Situation geschuldet. Düren setzt wieder auf junge deutsche Spieler. Wenn dann ein Stefan Hübner ausfällt, gestandene Spieler nicht die Führungsqualitäten bringen, die man sich von ihnen erhofft hat, dann gibt es Probleme.

Und die Erwartungshaltung?

Die drei Vizemeisterschaften, die beiden Pokalfinals im westfälischen Halle stecken immer noch in den Köpfen. Düren hat ein enthusiatisches Publikum, aber auch überaus kritische Fans. So wäre es besser gewesen, diese Saison zumindest für die Öffentlichkeit als Aufbausaison zu deklarieren. Dann wäre der Druck auf Spieler und Trainer geringer.

Erreicht Evivo die Play-off-Runde?

Wenn das Team die Leistungen wie beim Auftaktsieg in Berlin auch gegen die Mannschaften auf Augenhöhe abrufen und in Punkte umsetzen kann, dann ja. Allerdings..

Allerdings...

... dürfen keine weiteren Probleme hinzukommen. So fällt Sonntag gegen Friedrichshafen und kommenden Mittwoch bei Netzhoppers Königs Wusterhausen mit Joe Deimeke (Fußverletzung) bereitsder zweite von vier Annahmespielern aus. Eine gute Nachricht gibt es aber trotzdem: Als dritten Mitblocker und Nachfolger von Stefan Hübner hat Evivo den Rottenburger Tibor Filo verpflichtet.
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