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Die Task Force Dressur testet in Aachen ihre Ideen

Von: Ute Steinbusch
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Unter der Lupe: Die Internationale Reiterliche Vereinigung will der Dressur ein Stück Subjektivität nehmen. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Keine andere Pferdesportart ist für den Laien so schwer verständlich wie die Dressur. Das liegt an höchsten Anforderungen für Pferd und Reiter, die für das unkundige Auge oft kaum erkennbar sind. Das liegt aber auch an den Richtern, deren Wertungen in eine gemeinsame Schlussnote einfließen.

Die Internationale Reiterliche Vereinigung (FEI) hat in den vergangenen Monaten eine „Task Force Dressur” damit beauftragt, die gängige Praxis unter die Lupe zu nehmen und mögliche Verbesserungsvorschläge in Form eines Reports zusammenzustellen.

In Aachen fand nun eine Testveranstaltung unter Wettkampfbedingungen statt, bei der ausschließlich das Thema Richten auf dem Prüfstand war. „Wir haben uns zuvor angeschaut, wie das Richten beispielsweise im Eiskunstlaufen oder im Turnen abläuft”, erklärt Katrina Wüst, früher selbst Dressurreiterin, heute Richterin und Mitglied der Task Force. Der Blick über den Tellerrand hat sich gelohnt.

Denkanstöße wie ein „Supervisory Panel” wurden in der Task Force zunächst kontrovers diskutiert und nun im Dressurstadion des ALRV ausprobiert. „Die Idee ist, dass drei anonyme Richter beispielsweise prüfen, wenn es große Unterschiede in den Wertnoten gibt, die die einzelnen Richter für einen Ritt vergeben. Zu Hilfe kann das Supervisory Panel zum Beispiel Videoaufzeichnungen nehmen”, sagt Wüst.

Insgesamt nahm sich die Task Force drei Themenkomplexe vor: die Anzahl der Richter, die Positionierung der Richter und den Prozess des Richtens, also das Notensystem und die Notenfindung. „Wir haben zum Beispiel ausprobiert, anstatt mit fünf Richtern mit sieben zu arbeiten, von denen die beiden zusätzlichen beiderseits des Bahnpunkts A platziert werden”, schildert Wüst. Genauso exerzierten die beteiligten Richter eine Platzierung nur auf der langen bzw. nur auf der kurzen Seite durch, um zu prüfen, ob sich erkennbare Auswirkungen ergeben.

In Sachen Noten stand zum Beispiel die Vergabe von Halbnoten auf dem Prüfstand. Zwar wies ALRV-Geschäftsführer Frank Kemperman, der der Task Force vorsitzt, darauf hin, dass zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Ergebnisse oder Auswertungen vorliegen, aber ihre persönliche Einschätzung äußerte Katrina Wüst etwa in Bezug auf die Noten: „Mir haben die Halbnoten gut gefallen. Es ist durchaus hier und da so, dass man einen guten Eindruck von dem Ritt hat, man aber nicht gleich eine volle Note höhergehen kann. Da ist die halbe Note eine schöne Möglichkeit, das auszudrücken.”

In vier bis sechs Wochen wird die Task Force ihren Report für die FEI fertigstellen. „Wir arbeiten alle daran, dass die Dressur weniger subjektiv wird”, erklärte Katrina Wüst. „Mit dieser Testveranstaltung haben wir eindringlich unter Beweis gestellt, dass wir offen für Modernisierung in unserem Sport sind.

Wir möchten auch den Reitern mehr Hilfestellung und Anhaltspunkte geben, warum so gerichtet wird, wie gerichtet wird. Daran wollen wir uns messen lassen.” Sie sieht zudem, dass viele Ideen, sollte die FEI sie international übernehmen, auch national nachvollziehbar sind. „Warum sollte man nicht auch national mit Halbnoten arbeiten, falls man sich international darauf einigt? Dagegen wäre beispielsweise die Aufstockung der Richter von fünf auf sieben wohl ausschließlich auf Championate zu begrenzen.”
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