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Der „verrückte Auftritt“ von Gladbachs Branimir Hrgota

Von: dpa/fö
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Die beiden überragenden Borussen: Mike Hanke (links) war an allen vier Treffern beteiligt und herzt „liebevoll“ Branimir Hrgota, der erstmals in der Liga in der Startelf stand und gleich drei Mal traf. Foto: Daniela Kruck

Mainz/Aachen. Ein Gladbacher Fan meint, seine Frau habe mal einen Kerzenständer aus einem schwedischen Möbelhaus mit diesem Namen besessen. Was eher unwahrscheinlich ist, denn Hrgota ist kein skandinavischer Name. Aber einer, den man sich vielleicht merken sollte. Denn ein Hrgota, Branimir mit Vornamen, hat sich auf der Bühne Fußball-Bundesliga bemerkbar gemacht. Und wie!

Einerseits ziemlich dreist, andererseits fast schon genial, denn beim spektakulären 4:2-Erfolg von Borussia Mönchengladbach beim FSV Mainz 05 war der 20-jährige Branimir Hrgota, geboren in Zenica in Bosnien-Herzegowina, aufgewachsen in Schweden und mit schwedischer und kroatischer Staatsbürgerschaft, der Mann des Tages.

Dieser Tag hätte für den dreifachen Torschützen aber auch schmerzhaft enden können, Sportdirektor Max Eberl sagte klipp und klar: „Ich hätte ihm den Kopf abgerissen.“ Wenn nämlich schief gegangen wäre, was gut ausging. Denn nachdem in Borussias nicht guter Anfangsphase die Gastgeber durch Shawn Parkers Tor (12.) in Führung gegangen waren, pfiff Schiedsrichter Dr. Felix Brych Elfmeter, weil Bo Svensson mit den Armen Mike Hanke gehalten hatte.

Den Strafstoß sollte Martin Stranzl schießen, so die klare Absprache und auch Anweisung von der Bank, doch Hrgota drängelte sich vor. Stranzl, für den auf der Bank sitzenden etatmäßigen Elfmeterschützen Filip Daems auch Kapitän, nahm es gelassen. „Er hat gesagt, er macht ihn rein. Da habe ich gesagt: Gut, mach ihn. Wenn sich ein Spieler so sicher ist, warum soll man ihm die Möglichkeit nicht geben?“, erklärte der Österreicher. Ihm dürfte aber ganz anders geworden sein, als Hrgota dreist wie einst der Tschechoslowake Antonin Panenka im EM-Finale 1976 gegen Deutschland den Ball in die Mitte des Tores „schnippelte“ – knapp über die Hand des in die Ecke fliegenden Mainzer Torhüters Heinz Müller... Wäre das schief gegangen, Max Eberl wäre zur Tat geschritten.

Im Nachhinein fand Hrgota („Ein wenig überrascht war ich schon, dass ich in der Startelf war.“) auch Gnade bei Trainer Lucien Favre, der den vom Zweitligisten Jönköpings Södra IF vor der Saison gekommenen Stürmer dank bester Trainingsleistungen und aus einer Eingebung heraus erstmals von Beginn an aufgeboten hatte. „Das war verrückt, aber schön“, urteilte der Schweizer über seinen respektlosen Stürmer, der schon bei seiner Präsentation im Borussia-Park aufgefallen war. Durch gesundes Selbstvertrauen, seine Stärke benannte er damals so: „Ich bin ziemlich cool vor dem Tor.“ Dass er dies erstmals am 33. Spieltag beweisen konnte, erklärte Favre. Nach einigen Einwechslungen zu Saisonbeginn sei er in „ein Loch“ gefallen. Überbewerten will der Trainer den Auftritt natürlich nicht. „Er muss noch sehr viel lernen, aber das war heute schon gut.“

Und das nicht nur beim Elfmeter, denn beim zweiten Tor bewies er nach Mike Hankes Kopfball an die Latte Qualitäten als Abstauber, bei seinem dritten Tor ließ der Schwede, der sich in 39 Spielen für Söda mit 28 Treffern empfohlen hatte, seine technischen Fähigkeiten aufblitzen. Der Lupfer von der Strafraumgrenze nach Hankes genialem 50-Meter-Pass genau in den Lauf war schon feinste Fußballkunst. Der ganz stark aufspielende Hanke hatte zuvor nach Patrick Herrmanns Lattentreffer zum 1:3 abgestaubt.

Ein schöner Sieg, in Halbzeit zwei eine zum Teil berauschende Leistung – auch wenn die Gegenwehr abnahm. Dennoch war die Stimmung nicht ausgelassen: Die Chance auf einen Platz in der Europa League ist nur noch minimal. In Zahlen ausgedrückt beträgt sie für Max Eberl vor dem finalen Spiel am Samstag gegen Meister München 0,5 Prozent. Da wird auch nicht helfen, eine Kerze anzuzünden. Selbst nicht in einem Kerzenständer namens Hrgota...

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