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Borussias Erfolg zwischen eiskalt und emotionslos

Von: Roman Sobierajski
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„Bitte, recht freundlich“: Peniel Mlapa und Granit Xhaka „verewigen“ den Doppeltorschützen Igor de Camargo und Patrick Herrmann (von links) für das Fotoalbum der Borussia. Foto: imago/Revierfoto

Mönchengladbach. Lucien Favre hatte den wesentlich einfacheren Job, nachdem seine Mannschaft mit dem 2:0-Sieg über AEL Limassol den vorzeitigen Einzug in die Runde der letzten 32 der Europa League geschafft hatte. „Borussia ist durch“, verkündete der Gladbacher Trainer weit über eine Stunde nach Spielende.

 „Und das nach 16 Jahren.“ Eine sportliche Analyse des 55-Jährigen zu diesem sportlichen wollte zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon niemand mehr hören.

Ungleich schwerer hatte es da schon Sportdirektor Max Eberl, der kurz nach Abpfiff einen Einblick in sein gequältes Seelenleben gab, als sich die Erkenntnis über das Erreichte noch nicht endgültig im früheren Verteidiger gesetzt hatte. „Ich bin froh über den Sieg und ärgere mich über die Art und Weise, wie er zustande gekommen ist“, sprudelte es aus dem 39-Jährigen heraus in die Reportermikrofone. „Ich hätte mir mehr Herz gewünscht und bin enttäuscht wie wir begonnen haben, wie wir das Spiel bestritten haben. Das ist alles ohne Emotionen abgelaufen, und wir haben uns durch unsere eigenen Fehler verrückt machen lassen.“ Ohne Emotionen? Eine machte Eberl auf jeden Fall aus: „Die Mannschaft hat einfach sehr viel Angst gehabt.“

Nur ein Fakt stimmte den Sportlich Verantwortlichen der Borussia halbwegs fröhlich: „Es ist gut, wenn man solch einen eiskalten Vollstrecker von der Bank bringen kann“, rollte Eberl den roten Teppich für Igor de Camargo aus, der drei Minuten nach seiner Einwechslung erst den Führungstreffer nach Vorarbeit von Harald Nordtveit markierte (79.) und in der Nachspielzeit per Kopf – diesmal nach Flanke von Patrick Herrmann – das Endresultat herstellte. „Igor hat nicht zum ersten Mal gezeigt, dass er der Mann für die wichtigen Treffer ist. Das hat er in der Relegation gegen Bochum gezeigt, und da schließt sich heute ein wenig der Kreis.“

Die Akteure auf dem Rasen hatten dagegen einen ungleich besseren Eindruck als ihr Vorgesetzter, der „unter Rauch und unter Dampf“ (Eberl) das Geschehen von der Trainerbank aus verfolgt hatte.

ManCity als Wunschgegner?

„Wir haben uns schon ein bisschen schwer getan“, räumte Patrick Herrmann ein, der es geschafft hatte, die entscheidende Lücke in die Reihen der bis dahin gut geordnet stehenden Limassoler zu reißen: Sein Gegenspieler Luciano Bebe konnte den Richtung Tor stürmenden Herrmann nur noch durch ein Foul an der Strafraumgrenze bremsen und wurde dafür vom Platz gestellt (75.). „Das war eine klare Rote Karte, und ich bin fast sicher, dass ich den Ball anschließend reinschiebe“, bewertete Herrmann die Situation. Sein anschließender heftiger Protest untermauert diese Aussage, brachte dem 21-Jährigen aber auch die dritte Gelbe Karte im Wettbewerb und damit die Sperre für den letzten Auftritt in der Gruppenphase bei Fenerbahce Istanbul ein. Aber ansonsten habe man „vor allem in der zweiten Halbzeit Riesenchancen gehabt und verdient gewonnen“.

Nach der Riesenchance von Alexander Ring, der mit seinem Volleyschuss kurz vor dem Seitenwechsel AEL-Torwart Degra in Verlegenheit brachte, den Versuchen von Herrmann (47. und 57.) und Arango (54. und 56.) hatte Gladbach zwar gute Chancen, die Weichen frühzeitig auf Sieg zu stellen, aber keineswegs die restlos zwingenden.

Und der als Gruppen-Underdog gehandelte Gegner? Der zeigte keinen Fußball aus der Feinkost-Abteilung, profitierte aber durch die vielen Gladbacher Fehlpässe und die Fehler im Spielaufbau vor allem in den ersten 45 Minuten und setzte sich zeitweise regelrecht in der Mönchengladbacher Hälfte fest, allerdings ohne den letzten, entscheidenden Pass in der Roten Zone zustande zu bringen und für Torgefahr zu sorgen.

Stürmer Mike Hanke – eine Viertelstunde vor Schluss für den eiskalten Vollstrecker de Camargo ausgewechselt – brachte es als Erster fertig, einen Strich unter die Partie zu ziehen und nach vorne zu blicken. Auf die Frage, ob vielleicht Manchester City der Wunschgegner für die K.o.-Runde sei, lieferte Hanke bewusst oder unbewusst eine Einschätzung des sportlich Erreichten: „ManCity muss als Gruppenletzter in der Champions League doch erst einmal den Einzug in die Europa League schaffen“, meinte Hanke grinsend – und richtete den Blick lieber auf die sofort anstehenden Herausforderungen für die Mannschaft. „Am Sonntag“, so Hanke, „steht die wichtige Partie in der Bundesliga in Augsburg an, wo wir etwas für unser Punktekonto tun müssen.“

Befürchtungen, dass er nach den beiden Treffern aus drei Torchancen durch de Camargo für das Spiel in Augsburg nur noch zweite Wahl für die Startformation sein könnte, zeigte Hanke nicht: „Spielt Igor und macht die Tore, klatsche ich genauso, als würde ich selbst spielen.“

So könnten sie spielen: ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Dominguez, Wendt - Nordtveit, Marx - Rupp, Arango - Herrmann, Hanke

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