„Borussia Gummersbach“ ist chancenlos

Von: Heribert Förster
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Geschlagene Gladbacher: Martin Stranzl (von links), Granit Xhaka, Filip Daems, Marc-André ter Stegen, Christoph Kramer und Alvaro Dominguez nach dem Elfmetertor von Stefan Kießling zum 1:0 für Bayer Leverkusen. So schlichen die Borussen am Ende auch vom Platz. Foto: Dieter Wiechmann

Leverkusen. „Das darf uns nicht passieren“, sagte einer, „es gibt einiges zu verbessern“, der nächste, „sieben Gegentore in drei Spielen, das ist viel zu viel“, der dritte. Martin Stranzl fasste am Sonntag auf Borussia Mönchengladbachs Homepage kurz und knackig die Reaktionen seiner Mitspieler zusammen: „Wir müssen schneller spielen, einfacher spielen, Risiko vermeiden und ruhiger bleiben.“

Mit 2:4 hatte die Borussia am Samstag in der Fußball-Bundesliga bei Bayer Leverkusen verloren und nach dem so schön herausgespielten 3:0-Sieg eine Woche zuvor gegen Hannover 96 schnell wieder den Boden der Tatsachen erreicht. Leverkusen hatte nicht nur das überragende Sturm-Duo Stefan Kießling und Sydney Sam in seinen Reihen, die Gastgeber spielten auch taktisch hervorragend, während die Borussen in manchen Phasen naiv agierten. Hier die abgeklärte „Werkself“, dort die noch längst nicht ausgereifte „Fohlen-elf“. Selten passten diese Inschriften im Kragenbund so gut wie bei diesem für die Zuschauer fein anzusehenden Spiel.

Wie einst Jeff Strasser

Bayer-Trainer Sami Hyypiä hatte mit der Bundesliga noch lange nichts am Hut, als die Borussia vor vielen Jahren einmal in Kaiserslautern antrat und der FCK dem damaligen Gladbacher Verteidiger Jeff Strasser viel, viel Platz ließ. Weil sie wussten, Gefahr entsteht über Strassers Seite nicht wirklich. Diese Taktik wählte auch Hyypiä, denn auf Gladbachs rechter Angriffsseite hatten Patrick Herrmann und speziell Tony Jantschke allen Platz der Welt (siehe auch: „Vier Fragen an...“). Doch aus Jantschke, nominell Verteidiger, am Samstag jedoch oftmals ein klassischer Rechtsaußen, wird in diesem Leben kein Flankengott mehr.

Mit dieser Maßnahme wurde es auf Gladbachs linker „Schokoladenseite“ richtig eng, nichts ging im Spiel nach vorne. Doch nicht nur dieser Schachzug gelang den Gastgebern. Sie hatten Respekt vor Borussias Konterstärke und ließen die Gäste das Spiel gestalten, wobei gestalten für viele Situationen die falsche Wortwahl ist. Man schob sich den Ball hin und her, vor und zurück, meist quer, und es erinnerte phasenweise an eine andere Sportart. „Bis zum 16er sah das aus wie Handball, und dann fiel uns irgendwie gar nix mehr ein“, urteilte Jantschke. Wie wahr, denn eine Lücke fand „Borussia Gummersbach“ in Halbzeit eins kein einziges Mal.

Die Geduld der Leverkusener dagegen wurde nach 23 Minuten erstmals belohnt. Stefan Kießling verwandelte einen Handelfmeter zu seinem 100. Bundesligator. Es war ein Strafstoß, der wieder zu vielen Diskussionen führte. Kein Gladbacher warf Schiedsrichter Felix Brych eine Fehlentscheidung vor, das meist gebrauchte Wort lautete: „Grauzone“. Genau dort ist das Handspiel Juan Arangos anzusiedeln, denn Ömer Toprak köpfte den Ball nach einem Eckstoß von hinten an den ausgestreckten rechten Arm des Venezolaners.

Lucien Favre, Borussias Trainer, schwang sich zum Verteidiger der Schiedsrichter auf („den Job möchte ich niemals machen“), denn „so, wie die Regel jetzt ist, finde ich sie katastrophal und unfair. Für Schiedsrichter ist es ganz schwierig zu entscheiden, ob ein Handspiel vorliegt oder nicht.“ Brych pfiff, und das Spiel, das die Borussia bis zu diesem Moment im Griff hatte, bekam seine Wendung. „Wir wollten zu viel“, fand Favre, und gegen ungeduldige Gladbacher kam Bayer nun spielerisch leicht zu vielen Chancen, und die Gäste durften froh sein, dass nur noch Sam nach Kießlings feiner Vorarbeit traf (28.).

Statt mit einem möglichen 0:4 kam die Borussia nur mit einem 0:2-Rückstand aus der Kabine und nutzte Bayers „Zehn-Minuten-Periode, in der wir die Konzentration verloren haben“ (Sami Hyypiä). Stranzl traf nach Herrmanns einzig gutem Pass in diesem Spiel, dem mit Max Kruses Pass das einzige Überraschungsmoment an diesem Tag vorangegangen war (54.). Und nur drei Minuten später staubte Arango nach Kruses harmloser Flanke und Bernd Lenos schwerem Patzer zum 2:2 ab.

„Wir hätten uns nun neu ordnen müssen“, analysierte Kruse, stattdessen durfte Sam wieder nur 180 Sekunden später den Pass von Kießling an der Strafraumgrenze annehmen und ungestört von drei Borussen das 3:2 erzielen. „Bitter ist das“, fand Jantschke und schloss in diese Einordnung auch Gonzalo Castros finales Tor per 22-Meer-Schuss zu Bayers saisonübergreifend achten Liga-Sieg in Serie mit ein (72.).

Eine bittere Niederlage war besiegelt, die Lucien Favre aber nicht deprimierte. „Wir sind dennoch auf einem guten Weg. Es braucht halt Zeit, es ist ein Lernprozess, der noch lange dauern kann.“ Nächste Schritte sollten aber am Samstag gegen Bremen schon zu sehen sein.

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