Bei Alemannia beginnt jetzt der Ausverkauf

Von: Christoph Pauli
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Schwer zu ertragen: Aachens Trainer René van Eck beim Saisonfinale in Osnabrück. Foto: osnapix

Osnabrück. Und dann war die furchtbarste Saison seit Gründung von Alemannia Aachen vorbei. 0:4 endete die Partie beim VfL Osnabrück. Der letzte Eindruck, den Alemannia im Profi-Fußball hinterließ, war desolat. Mit den Worten von René van Eck: „Es war eine Frechheit, was hier einige geboten haben. Das hatte mit Leistungssport nichts zu tun.“

Mit der Körperspannung von Whirlpoolnutzern nahmen die Gäste diese letzte Liga-Herausforderung an. Sie wurden schlicht überrannt. Die Gastgeber hatten den verspäteten Gästen extra eine Polizeieskorte entgegengeschickt, weil die sich nur von Stau zu Stau hangelten. Dann waren die Aachener endlich da, „aber einige waren noch im Bus“, beobachtete der Trainer. Die aufgedrehten Osnabrücker schafften schnell klare Verhältnisse durch Marcus Piossek (10.) und Claus Costa (18.), die jeweils unbedrängt Zuspiele von der linken Seite verwandeln durften. Alemannias Abwehr stand nicht nur bei den Treffern brav Spalier.

Das Team war an diesem Tag schlicht überfordert. „Wir haben Schülerfehler gemacht“, gestand Abwehrchef Sascha Herröder ein, der schon in der Woche „wenig Feuer im Training“ beobachtet hatte. Dem Innenverteidiger geht es wie den meisten Kollegen, das Saisonende wird herbeigesehnt. „Einmal noch Gas geben gegen Fortuna Köln, und dann bin ich froh, dass alles vorbei ist. Das verleidet die Lust am Fußball.“ In Osnabrück war es ein ungleicher Kampf. Die Aachener liefen minutenlang so hilflos umher wie kleine Jungs, die von ihren großen Brüdern geärgert werden.

Nach 20 Minuten tauschte der Trainer Robert Wilschrey gegen Timo Brauer aus. In der Pause verhinderte nur das DFB-Statut eine größere Wechselorgie. „Ich hätte alle runternehmen können“, schäumte van Eck. Die Wahl fiel schließlich auf Oguzhan Kefkir, „weil der Ajani den Fußball erklären wollte statt bei den eigenen Fehlern anzufangen“. Bis dahin war die Partie bereits entschieden. Die aufgepuschten Gastgeber führten mit 3:0, weil sie dem frenetischen Publikum noch einmal ihr Erfolgsrezept vorführten. Unbedrängt, als leide er unter einer ansteckenden Krankheit, durfte wieder Piossek einen Ball von der linken Seite einschieben (38.).

Damit war auch Aachens beste Phase abrupt beendet. Die wilden Osnabrücker verloren in ihrem Elan zuweilen die Ordnung, die Gäste konnten mit den Räumen nur selten etwas anfangen. Thieles Flanke verpasste Marquet nur um Stollenbreite im Fünfmeterraum. Dann drosch Strujic aus dem Rückraum den Ball aufs Tor, Keeper Manuel Riemann konnte nur kurz abwehren, doch Thiele scheiterte mit dem Abpraller am Kapitän der Gastgeber (21.) Und fast wäre Thieles Eckball direkt ins Tor geflogen, doch in letzter Sekunde rettete Timo Beermann (33.).

Mehr war nicht. Im Gegenteil, die Aachener verabschiedeten sich mit einer letzten Pointe: Der A-Jugendtorwart Marcel Simon musste ins Tor, nachdem Mark Flekken einen überflüssigen Ausflug mit einem ruppigen Foul gegen Simon Zoller beendet hatte. Der Platzverweis war eine harte Entscheidung, das Foul passierte fernab vom Tor.

Damit verlor der VfL endgültig das Interesse an dieser Partie, der Fokus lag mehr beim Spiel in Heidenheim. Simon, Aachens fünfter Keeper in dieser Murks-Saison, machte seine Sache gut. „Ich bin ein bisschen stolz, dass ich für meinen Verein zum Einsatz gekommen bin“, sagte der 18-Jährige. Er ließ sich nur noch von Timo Staffeldt aus spitzem Winkel überwinden (84.). Der Torschütze musste erleben, dass auch das Ausziehen der Hose mit einer Gelben Karte geahndet wird. Die kleine Episode verblasste, denn nach Heidenheims Remis feierte der Traditionsverein ausgelassen die unerwartete Zulassung für die Relegation gegen Dynamo Dresden.

Flekken wechselt in 2. Liga

Das Team des anderen Traditionsvereins wird zerfallen, niemand besitzt einen Vertrag für die Regionalliga. Inzwischen hat Uwe Scherr mit allen Spielern gesprochen. Die ersten Tendenzen: Mark Flekken wechselt mit nicht konkretisiertem Ziel in die 2. Liga, hat er mitgeteilt. Er schließt sich wohl Greuther Fürth an. Bei Thiele, Herröder, Erb, Kefkir, Schumacher und Brauer stehen die Zeichen auf Trennung sagt der Manager. Es gäbe aber Anlass zu vorsichtigem Optimismus bei den beiden besten Feldspielern der Rückrunde: Sowohl Sascha Marquet als auch Kristoffer Andersen hätten positive Signale nach den Gesprächen gesendet, so Scherr.

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