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Ania Fucz und der Kampf ihres Lebens

Von: Bernd Schneiders
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„Ich wollte den Kampf unbedingt. Auch ohne Kameras und Öffentlichkeit, an jedem Ort der Welt, im allerletzten Hinterhof:” Ania Fucz bereitet sich im Moment in Herzogenrath auf die Auseinandersetzung mit Dr. Christine Theiss vor. Foto: Wolfgang Birkenstock

Herzogenrath. Christine Theiss tanzt. Geschmeidig umkreist die Kickbox-Weltmeisterin ihre Herausforderin Ania Fucz. Blitzartig, aber locker, schnellt ihr Bein hoch, Richtung Kopf der Kontrahentin. Die Aachenerin ist ihr auf den Fersen, sucht die Nahdistanz und knallt ihre Schläge auf den Körper von Christine Theiss.

Doch der ist gut geschützt durch Pratzen und hat nicht viel Ähnlichkeit mit der schlanken Vorzeige-Kämpferin aus München. Diese Christine Theiss hat auch keine langen blonde Haare, sie ist kahl geschoren, stämmig und heißt Uwe Göbke. Trainingsarbeit im Mujoken-ki in Herzogenrath.

Trainer Uwe Göbke mimt Dr. Christine Theiss, Weltmeisterin der WKA (World Kickboxing Association). Er hat genau studiert wie sich Frau Doktor bewegt, wie sie tritt, wie sie schlägt, wie sie ausweicht. Und spielt das Double für den größten Kampf in der Karriere seiner Schülerin: Am Freitag, 18. Mai, steht in der Münchner Eissporthalle das Duell von Christine Theiss mit seiner IKBF-Weltmeisterin Ania Fucz an. Sat 1 überträgt live.

Hartnäckiger Trainer

Uwe Göbke kann es immer noch nicht fassen. Keiner hatte mehr damit gerechnet, dass sich das Management von Christine Theiss wirklich auf diesen Kampf einlässt. Doch der Trainer aus Herzogenrath blieb hartnäckig, provozierte und stichelte mit allen medialen Möglichkeiten, die ihm gegeben waren. Videobotschaften, Facebook-Herausforderungen und -Diskussionen. Und schließlich die Überraschung: Sat 1 und das Theiss-Management gaben grünes Licht. „Wir sind überglücklich”, sagt Göbke. Und muss nun aber, nachdem er ihn während seiner Provo-Tour zwanghaft weit aufgerissen hat, den Mund halten - ansonsten würde es glitschig werden auf der Trainingsmatte. Der 41-Jährige musste viele Kröten schlucken. Verdaut hat er sie noch nicht, wohl aber akzeptiert. Der Kampf findet nicht nach Muay Thai oder K1- sondern nach den Regeln der Münchnerin statt: keine Low-Kicks, Tritte nur oberhalb der Hüfte, keine Ellbogen, keine Knie und als Nachzügler des Kleingedruckten kam auch noch das Verbot von Dreh-Schlägen. „Unser Chancen stehen 30:70”, sagt Göbke. „Es ist ihr Regelwerk, ihr Ort, es sind ihre Ringrichter.” Nach Punkten hat seine Kämpferin keine Chance, ihre einzige Möglichkeit, in der Höhle der Münchner Löwin zu gewinnen, heißt für ihn: „Knock-out!”


Ania Fucz schätzt Christine Theiss. „Sie ist ein Aushängeschild, hat viel für unseren Sport gemacht.” Und ist ihrer Gegnerin dankbar, dass sie sich stellt: „Alle Kampfsport-Freunde wollen dieses Duell sehen. Sie hat Mut bewiesen.” Doch im Ring wird sich Christine Theiss kaum stellen. Die Münchner Ärztin ist es gewohnt, nach WKA-Regeln zu boxen. Und ist besonders froh darüber, dass diese Low-Kicks, also Tritte auf die Beine, verbietet. Sie möchte ihre langen, attraktiven Beine nicht in allen Regenbogenfarben schillern sehen. Theiss arbeitet bevorzugt mit hohen Kicks, „wie beim Taekwondo”, beschreibt Fucz die Kampfweise der Sat 1-Kämpferin. Keine Tritte gegen die Beine, ein Muay Thai-Kämpfer empfindet diese Einschränkung etwa so, als wenn man einem Fußballer das Schießen verbieten würde. Für Ania Fucz aber bedeutet dies ex-trem viel Technikschulung. Nicht eine Sekunde ließen all die Auflagen die Sparkassen-Angestellte zögern, den Deal zu akzeptieren. „Ich wollte den Kampf unbedingt. Auch ohne Kameras und Öffentlichkeit, an jedem Ort der Welt, im allerletzten Hinterhof.”

Soviel Ehrgeiz überrascht im ersten Moment. Doch für die 30-Jährige ist es vor allem eine Frage der Ehre. „Nach dem letzten Kampf hat ihr Trainer gesagt, dass sie gegen die besten Kämpferinnen der Welt angetreten ist. Das stimmt so nicht. Ich habe in Korea und Thailand gekämpft und weiß, dass es dort ganz andere Kaliber gibt.” Uwe Göbke hatte diese Einschätzung weit drastischer ausgedrückt. „Das soll hohes Tempo gewesen sein? So lasse ich Ania 50 Runden kämpfen und schicke sie anschließend zum Joggen.”

Vorbereitung auf die Treibjagd

Um die Kondition und die Kraft seiner Kämpferin muss sich Göbke keine Sorgen machen. Doch wie kommt Fucz mit der Version Kickboxen light klar? „Ich trete härter und schlage härter als all ihre bisherigen Gegnerinnen”, erklärt die IKBF-Weltmeisterin. Und die Technik-Umstellung „ist eine totale Herausforderung und macht mir tierisch Spaß.” Wahrscheinlich auch, weil ihr Trainer Christine Theiss „super nachmacht”. Der würde sich für die Vorbereitung auf den großen (Freitag-)Abend in gut zwei Wochen sogar eine blonde Perücke aufsetzen. Er weiß, dass seine Kämpferin nur eine Chance hat, wenn sie die WKA-Weltmeisterin in die Enge treibt.

Ein bisschen Zeit bleibt noch, die Treibjagd vorzubereiten. Und schon in der letzten Woche wird es ein Training unter verschärften Bedingungen. Sat 1 verlangt die vorzeitige Anreise nach München. Fernsehaufnahmen und PR-Termine stehen an. Neuland für das Kraftpaket aus Aachen, das Konzentration und Kampfvorbereitung beinträchtigen könnte. „Das machen wir schon”, glaubt Improvisations-Meister Uwe Göbke. Doch jenseits aller Akribie bleibt ein Restrisiko. Und so ist es nicht verwunderlich, wenn Fuczs Trainer gesteht: „Der Kampf wird selbst für mich ein Überraschungsei.”
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