Aachen - Alemannia: Wirtschaftsbeirat löst sich auf

Alemannia: Wirtschaftsbeirat löst sich auf

Von: Christoph Pauli
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Da war die Laune noch gut: Thomas Deutz (von links), Michael Nobis und Tim Hammer vor ein paar Monaten, als sich der Wirtschaftsbeirat gegründet hatte. Foto: A. Steindl

Aachen. Einmal will der Wirtschaftsbeirat noch zusammenkommen, ein letztes Treffen. Das Gremium, das sich im späten Herbst gefunden hat, wird sich auflösen. Die Männer wollen nicht mehr, sie sind desillusioniert. Sie verstanden sich als die Zukunft des Vereins, wollten Alemannia Aachen wieder aufbauen – wenn denn diese grausame Insolvenz endlich vorbei ist.

„Wenn die Mitglieder es wollen, wird sich in unseren Reihen der Präsident und der Vorsitzende des Aufsichtsrats finden“, hatte Tim Hammer gesagt. Den Satz würde er heute nicht mehr so uneingeschränkt wiederholen. Der Spediteur, Bäckermeister Michael Nobis, Bauunternehmer Helmut Kutsch, Mercedes-Benz-Niederlassungsleiter Jochen Dimter und Thomas Deutz, Geschäftsführer beim Vermögensverwalter Creutz & Partner, gehen wieder von Bord dieses Gremiums, das es formal gar nicht gibt.

Das Minimalziel ist erreicht, die Mannschaft hat bis zum Ende der Saison „überlebt“, das schon, aber die Herrenrunde hatte weiterführende Pläne. Sie wollte gestalten – hatte dafür aber kein Mandat. Die Weichen stellen der Interimsgeschäftsführer Michael Mönig und vor allem Sachwalter Rolf-Dieter Mönning.

Die Gemeinsamkeiten sind aufgebraucht. Den Räten fehle es an Respekt, „an einem vertrauensvollem Miteinander“, sagt Thomas Deutz. Schlicht: Sie fühlen sich nicht ernst genommen von den Juristen.

Die Gruppe hat mit den Sanierern den Patienten Alemannia an die Herz-Lungen-Maschine gehängt, hat dafür gesorgt, dass er noch atmet. 2,5 Millionen Euro wurden seit dem Herbst, als die Zahlungsunfähigkeit öffentlich wurde, in den Kreislauf gepumpt. Der Sport hat gewaltig gespart. Der Wirtschaftsbeirat hat das Benefizspiel gegen die Bayern mit initiiert, den Aachen-Cup organisiert, hat neue Sponsoren wie Streetscooter überzeugen können und die Verhandlungen mit einem Vermarkter (Infront) forciert. Abwanderungswillige Sponsoren wurden vom Gegenteil überzeugt. „Wir haben Vertrauen zurückgewinnen können“, sagt Nobis.

„Wir haben die Hälfte der Arbeit von Herrn Mönig übernommen“, sagt Hammer. Das sorgt für zusätzlichen Ärger, denn der Fachanwalt aus Münster, den der Aufsichtsrat als letzte Amtshandlung im November bestellte, kostet der insolventen GmbH eine Menge Geld, dazu kommen die Rechnungen, die Mönigs selbstständige Dienstleister stellen.

Im Wirtschaftsbeirat sind zunehmend Fragen aufgetaucht, Antworten hat es selten gegeben, sagen sie. Die Herren Mönig und Mönning sind den Klubförderern auch keine Rechenschaft schuldig. Warum wurde ein Kredit beim DFB beantragt? Wie ist tatsächlich die finanzielle Situation? Wie geht es weiter? „Geschieht alles wirklich zum Wohl der Alemannia?“, fragt Deutz, den Sport-Geschäftsführer Uwe Scherr als seinen „wichtigsten Ansprechpartner“ im Verein bezeichnet hat. Die Kaufmannschaft fühlt sich nicht mehr sonderlich ernst genommen, nicht gut informiert. Von einer gewissen „Machtlosigkeit“ spricht Michael Nobis. „Vielleicht waren wir auch zu naiv.“ Das Sagen haben andere.

Der Wirtschaftsbeirat hat andere Ideen als die Sanierer, hält nichts davon, dass Uwe Scherr auch den kaufmännischen Part übernimmt. Aber Mönig und Mönning entscheiden ohne Rücksprache. „Der Elan, gemeinsam die Hindernisse wegzuräumen, hat nachgelassen“, sagt Hammer in Richtung der Juristen.

Schon bald wird die Insolvenz eröffnet. Dann wird Sachwalter Rolf-Dieter Mönning schon von Amts wegen alleine das Sagen haben. „Wir werden uns vorläufig nicht mehr einmischen“, sagt Nobis. Eine Opposition im Verein wird es nicht geben. Nobis will die Türe nicht mit einem Knall zuschlagen, es geht immer noch um die gute Sache. „Ich bin unverändert am Wohl der Alemannia und einem guten Verhältnis zu Herrn Mönning interessiert“, sagt er. Aber die Geschäftsleute mit ihrem Netzwerk werden ihr Engagement einstellen. Das ist das nächste bedrückende Signal für den Klub. „Ich finde das schade, kann es aber nicht ändern“, sagt Helmut Kutsch, der dem Verein als Vize-Präsident und Aufsichtsrat erhalten bleibt.

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