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Alemannia: „Monsterchance“ vergeben: „Na und?“

Von: Christoph Pauli
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Überflieger? Abedin Krasniqi sucht bei Alemannia Aachen noch nach der imposanten Torquote, die er in den vergangenen Jahren immer erreichte. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Im Fernsehen hat Jörg Dahlmann, der wohl auch ein „Monsterreporter“ ist, von einer „Monsterchance“ gesprochen, die Alemannias Abedin Krasniqi da gerade vergeben hatte. Seine Mannschaft lag 0:1 in Krefeld zurück, der flinke Rafael Garcia hatte aufgelegt, sieben Meter Entfernung, leeres Tor – und doch kein Treffer.

„In 99 von 100 Fällen ist das Ding drin“, sagt Krasniqi. Die Kameras zoomten nach diesem einen Fall gleich das Gesicht des Kosovo-Deutschen heran, doch der wirkte so entspannt wie nach einem falschen Einwurf. „Nach einem Hattrick schaue ich genauso“, sagt Krasniqi. Okay, Chance vertan, weiter geht es. Andere Stürmer hätten instinktiv nach so einem Frank-Mill-Gedächtnis-Moment die Hände vors Gesicht geschlagen. Krasniqi machte einfach weiter, als wenn nichts geschehen wäre, auch wenn ein paar hunderttausend Zuschauer ihn beim Fehlschuss ungläubig beobachtet hatten.

„Für mich ist es kein Unterschied, ob ich vor zehn oder 10.000 Zuschauern spiele“, sagt der Stürmer. „Es geht doch immer weiter.“ Zweifel will er nicht zulassen. „Wenn ich meinen Instinkten nicht mehr vertrauen kann, kann ich auch aufhören“, meint er. Die Belohnung folgte später, als ihm noch das 2:2 gelang.

„Er ist erfahren genug, dass er diesen Momenten nicht nachtrauert. Er bleibt konzentriert, weil er weiß, dass die nächte Gelegenheit bald schon kommt“, sagt Peter Schubert. „Das ist eine Qualität.“ Alemannias Trainer weiß natürlich, dass er seine Stürmer an ihren Höhen und nicht an ihren Tiefen messen muss. Schubert sagt aber auch, was er über fast jeden Spieler bislang sagen kann. „Ihm fehlt noch Konstanz, er deutet seine Klasse an, aber macht das noch nicht so nachhaltig.“

Der beste Techniker im Team

Krasniqi gilt als einer der Wunschspieler beim Verein, der erst verspätet mit der Kaderplanung beginnen konnte. Der wuselige Mittelstürmer hat eine imponierende Trefferquote in den Regionalligen (19, 8, 13, 16 Treffer in den Vorjahren). Der Ball ist ein enger Freund, Krasniqi ist vielleicht sogar der beste Techniker im Team. Aber so richtig haben weder er noch die Mannschaft bislang seine Stärken eingebunden. Auch das ist ein Grund für die Tor-Magersucht. „Wir wachsen noch zusammen, das braucht Zeit.“

Der Angreifer weiß, dass seine Spielweise polarisiert, die Zuschauer, vielleicht auch die Kollegen. Er nimmt gerne das Risiko, sucht häufig den direkten Weg zum Tor, auch wenn das manchmal nur Beulen einbringt. Krasniqi will immer spielen, selbst für eine Auswechslung nach drei Treffern in der 90. Minute kann er sich nicht begeistern.

Weiter geht es zum Beispiel am Samstag gegen den Fußballsportverein Velbert. Das Team des alten neuen Trainers Lars Leese ist auswärts noch punktlos, steckt als Vorletzter knietief im Abstiegssumpf. „Wir sollten und wollen, die müssen gewinnen“, sagt Schubert vor dem Anpfiff. Der Trainer will wenig verändern, das Team war gut unterwegs, kam zweimal nach Rückständen zurück.

Die einzige Änderung könnte schon der Trainer sein. Peter Schubert kann wieder an der Linie stehen, statt dick eingepackt und verschnupft am Ende der Bank zu sitzen. Dem 47-Jährigen fehlen Samstag neben Florian Abel nur zwei Innenverteidiger. Hackenberg ist noch nicht fit, Thackray kann in zwei Wochen ins Teamtraining zurückkehren.

Natürlich soll auch Krasniqi auflaufen, um die „Monsterchancen“ zu verwerten. Die Zeit in Aachen ist für den erfolgsverwöhnten Angreifer nicht sonderlich rund gelaufen: monatelange Torflaute nach dem Treffer im Auftaktspiel, erster Platzverweis seiner Karriere, Niederlagenserie, kleine Verletzung. „Etwas ungewohnt“, sagt er über diese Zeit, „aber kein Grund zu resignieren und nicht Vollgas zu geben. Es geht immer weiter.“

Mögliche Aufstellung: Löhe – Schumacher, Ajani, Opper, Stevens – Marquet, Neppe, Lejan, Dowidat – Krasniqi, Garcia

Schiedsrichter: Sören Storks (Velen)

Bilanz: Premiere im Pflichtspiel

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