Alemannia: „Leidtragender ist der Spieler“

Von: Klaus Schmidt
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Darf auch kein Kleingeld mehr aus den Taschen holen, um neue Spieler zu verpflichten: Alemannias Sportdirektor Uwe Scherr. Foto: imago/Eibner

Dortmund/Aachen. Am Dienstag hatte Nils Zander zum ersten Mal in seiner vermeintlich neuen sportlichen Heimat trainiert, am Mittwoch war er selbstverständlich vor Ort, als zukünftiges Mitglied im Kader von Alemannia Aachen. Gut, die Spielberechtigung lag noch nicht vor für die Nachholpartie bei Borussia Dortmund II (0:0), doch bis Samstag zur nächsten Reise nach Offenbach sollte die Formalie erledigt sein.

Und nun das: „Ich habe nach dem Spiel mit Nils gesprochen, der Junge war sehr deprimiert. Er tut mir unheimlich leid“, sagte Trainer René van Eck.

Zanders Wechsel von Schalkes U 23 an den Tivoli ist geplatzt, überhaupt darf Alemannia auf dem Transfermarkt nicht aktiv werden, so lange die Liquiditätslücke von 1,2 Millionen Euro nicht geschlossen ist. Also auch kein Andreas Ibertsberger (jetzt wie der Ex-Aachener Sascha Dum zum MSV Duisburg) in Schwarz-Gelb und keine Rückkehr von Tom Moosmayer (zuletzt Wuppertaler SV) in die „Zweite“ – denn die gehört zur Pleite-GmbH.

Zu Wochenbeginn schien auch für Uwe Scherr „noch alles klar zu sein“. Aus der DFB-Zentrale in Frankfurt/Main hatte Aachens Manager keine Hinweise erhalten, dass die Transferauflagen (stets griffbereit auf dem Schreibtisch) eine Verpflichtung Zanders ausschließen würden. „Normalerweise ist das okay, wenn ein Spieler nachweislich fremdfinanziert wird“, sagt Scherr.

„Alemannia hätte keinen müden Cent bezahlen müssen, ein Sponsor hätte monatlich 450 Euro Spritgeld dazugetan.“ Am Donnerstag nahm Scherr nochmal Kontakt mit dem Deutschen Fußball-Bund auf, doch es blieb beim Veto. „Keine Chance. Der Verband beruft sich auf die Liquiditätslücke. Da zog auch das Argument nicht, dass der Spieler uns nichts gekostet hätte.“

Manuel Hartmann, beim DFB zuständig für das Zulassungsverfahren Dritte Liga, gab sich auf Anfrage zugeknöpft: „Wir machen zu wirtschaftlichen Dingen keine Auskünfte. Das ist ein zu sensibler Bereich und eine vertrauliche Angelegenheit zwischen Verein und DFB.“ In dieser „Angelegenheit“ argumentierten die Frankfurter laut Uwe Scherr auch mit dem Hinweis auf eine „Wettbewerbsverzerrung“, wenn ein Klub, der kein Geld hat, dennoch einen auswärtigen Spieler hole und ein Schlupfloch nutze, während andere Klubs sich an die Auflagen halten würden.

So recht kann das auch René van Eck nicht nachvollziehen: „Leidtragender ist der Spieler. Er hatte eine Lösung mit Schalke gefunden, und wir wollten ja keinen Star holen. Hier ging es ja nicht um Millionen.“ Nils Zander ist immerhin noch schnell woanders untergekommen, beim Regionalligisten FSV Frankfurt II.

„Wir müssen das Beste aus der Situation machen und unsere eigenen Spieler stark reden“, sagt Uwe Scherr, und: „Bei mir wird kein Spieler mehr das Gelände betreten, so lange der Vertrag nicht durch alle Unterschriften rechtskräftig ist. Diese Lehre ziehe ich aus der Geschichte.“

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