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Aachener Ultraläufer André Collet ist Weltmeister in seiner Altersklasse

Von: Helga Raue
Letzte Aktualisierung:
Collet
Sendet Grüße als frischgebackener M 45-Weltmeister: Der Aachener André Collet feiert in Südspanien seinen größten Erfolg. Foto: privat

Los Alcázares/Aachen. So weit die Füße tragen – genau 100 Kilometer waren das bei André Collet. „Mein Kopf ist der einzige Teil meines Körpers, der nicht wehr tut“, sagt der Aachener lachend. Doch schmerzende Muskeln, Knochen und selbst die Blasen an den Füßen können auch am Tag nach dem großen Coup seine Euphorie nicht dämpfen: 6:44:53 Stunden benötigte er für die 100 Kilometer.

Das bedeutet in der Altersklasse M 45 deutschen Rekord, Gold bei den Weltmeisterschaften im südspanischen Los Alcázares und Platz 13 in der Gesamtwertung unter über 130 Ultraläufern aus der ganzen Welt.

6:45 Stunden hatte sich André Collet zum Ziel gesetzt, er blieb noch ein bisschen darunter und unterbot den deutschen Rekord von 1983 um rund fünf Minuten! Persönliche Bestzeit war das ohnehin. „Die Konkurrenz war stark. Vor vier Jahren wäre ich mit der Zeit Gesamt-Sechster gewesen. Aber ich bin auch so überglücklich“, so Collet. Anno 2016 hätte er noch zwei Minuten schneller sein müssen, um in die Top 10 zu laufen.

„Auf den letzten Kilometern habe ich noch einmal richtig Pace gemacht“, berichtet Collet von einem tollen Zieleinlauf. Die Konkurrenz, darunter Top-Läufer aus Afrika und Japan, war riesig. „Nach dem Start waren ungefähr 30, 35 Läufer vor mir. Die sind abgegangen – unglaublich“, so der 44-Jährige, der geplant hatte, nach dem Start bei den Top 20 mitzulaufen. Florian Neuschwander (Neunkirchen) setzte sich mit dem Startschuss an die Spitze. „Das war vielleicht sein Fehler“, vermutete Collet, denn der 35-Jährige musste bei Kilometer 70 aussteigen, womit der Traum von der möglichen Teammedaille zerplatzte.

„Silber wäre drin gewesen, vielleicht sogar Gold“, so Collet, der leise Kritik am Teamkollegen anklingen lässt. „Aber man muss die richtige Psyche mitbringen, wenn es beginnt, weh zu tun. Und es tut weh. Aber Charakter überwindet den Schmerz.“

Die Ultraläufer mussten zehn Mal einen zehn Kilometer langen Rundkurs, der drei Kilometer am Strand entlang und dann durch den Ort führte, bewältigen. „Die Strecke war sehr kurzweilig und abwechslungsreich. Nur die Wendepunkte waren schwierig, sie waren eng und fast eine 180-Grad-Wendung. Da hatte man Pause – eine halbe Sekunde. Da hat man sich fast schon drauf gefreut“, sagt Collet lachend. „Ich habe mich auf der Strecke sehr wohl gefühlt, nur der starke Regen am Vormittag war etwas unangenehm.“

2014 wollte Collet seine Karriere eigentlich beenden. Doch die für ihn nicht gut gelaufene WM in Doha sollte dann nicht der Schlusspunkt sein. So ließ er sich 2015 auch noch die zweite Ferse operieren. Nach längerer Verletzungspause qualifizierte er sich im Sommer als Deutscher Meister für die WM. Ist die nun der Schlusspunkt? Collet grinst: „Ich kann dazu nichts sagen, momentan bin ich noch zu euphorisch. Ich weiß es wirklich nicht.“

Mögliche Ziele hat der 44-Jährige noch genug: „Ich habe schon über Etappenrennen nachgedacht.“ Da wäre zum Beispiel der Transalpine-Run über sieben Etappen durch die Alpen oder der Marathon des Sables, der sieben Tage lang über 250 Kilometer durch die Sahara führt. Letzterer gilt als härtester Lauf der Welt. „Reizen würde mich das schon, aber das ist nicht ohne Sponsoren zu stemmen“, bedauert Collet, der bisher keine Unterstützung erhielt und im „richtigen“ Leben als Steinmetz arbeitet. Nun sind erst einmal ein paar Urlaubstage angesagt. Mit Lebenspartnerin Beate ging es von Los Alcázares nach Mallorca. Dort wird nicht gelaufen. Collet lacht: „Ich werde entspannen und vielleicht in den Bergen wandern. Das ist gut zur Regeneration.“

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