Der Comedian mit den zwei Gesichtern

Von Amien Idries 20.09.2010, 12:00

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Aachen. Wenn man Malte Pieper persönlich trifft, ist der erste Gedanke: «Wie um alles in der Welt will dieser kleine, schmächtige Junge auch nur eine Minute auf einer Comedybühne überstehen?»


Zu schüchtern, zu unbeholfen wirkt der 18-Jährige, als dass man ihm die inzwischen 80 Auftritte auf zahlreichen Kleinkunstbühnen der Republik zutrauen würde. Hätte man sich nicht im Vorfeld via Internet einen seiner TV-Auftritte angeschaut - auch die hat er bereits vorzuweisen - würde man Malte Pieper als aufstrebenden Comedy-Newcomer ins Reich der Fantasie einordnen. Oder gibt es unter Umständen zwei Malte Piepers?

Im Gespräch mit dem Gymnasiasten wird schnell klar, dass der Comedian Pieper mindestens in zwei unterschiedlichen Modi funktioniert. Da gibt es den Auftrittsmodus, der bei dem inzwischen versierten Bühnenprofi nur noch in Ausnahmesituationen mit feuchten Händen und Achseln verbunden ist. «Ich bin vor den Auftritten zwar in gewisser Weise angespannt, richtig nervös werde ich aber nur bei vielen Zuschauern oder Fernsehaufzeichnungen.»

Untrennbar mit diesem Auftrittsmodus ist der Beobachtermodus verbunden. In Piepers Augen eine Art Berufskrankheit. «Ich beobachte gerne Menschen», sagt der mit dem Bus zum Treffpunkt Angereiste und schaut sich um, als wolle er das eben Gesagte unterstreichen. Er wirkt nun ein wenig wie jemand, der auf Beute lauert. Comedy-Beute.

Das ist das Komische, Witzige und Kuriose in Alltagssituationen, das er aufsaugt, zuspitzt und auf der Bühne wieder auswirft. Man beginnt zu verstehen, dass ein lauter Mittelpunktmensch, für solcherlei Streifzüge eher ungeeignet ist.

Pieper bleibt lieber unauffällig, hält die Klappe und schaut zu. «Ich ertappe mich manchmal dabei, dass ich mich in Situationen, an denen ich selbst beteiligt bin, gewissermaßen nach draußen stelle und beobachte.» Pieper nennt das «das dritte Auge».

«Ich bin kein Klassenclown»

Genau eine solche Alltagssituation war es auch, die ihm Stoff für den ersten ernsthaften Auftritt lieferte. Pieper wollte in einem Elektromarkt ein Gerät umtauschen und wurde wie eine Figur aus einem Kafka-Roman vom Infopoint an die Kasse, von dort zum Servicecenter und wieder zurück geschickt. Eine Situation, die jeder schon einmal erlebt hat, die aber kaum jemand auf ihre komische Essenz verdichten kann.
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