Zur Walpurgisnacht wird Harz zum Hexenkessel

Von: Sabrina Gorges, dpa
Letzte Aktualisierung:
Walpurgisnacht
Als Hexen verkleidete Frauen und ein Mann als Teufel posieren im Vorfeld der Walpurgisnacht 2009. Harzer Brockenhexen laden auch in diesem Jahr wieder zur traditionellen Walpurgis-Feier in der Nacht vom 30. April zum 1. Mai ein. Mehrere zehntausend Besucher werden erwartet. Traditionell gibt es auf dem Hexentanzplatz bei Thale und im Wernigeröder Stadtteil Schierke die meisten Attraktionen. Foto: dpa

Thale/Schierke. In der Walpurgisnacht wird der Harz zum Hexenkessel: Zu den ausgelassenen Feierlichkeiten in der Nacht zum 1. Mai werden in vielen Harzorten mehrere zehntausend Besucher erwartet. Traditionell gibt es auf dem Hexentanzplatz bei Thale und im Wernigeröder Stadtteil Schierke die meisten Hexennasen, Zauberhüte und Teufelshörner zu sehen. Allein Schierke rechnet mit 10.000 Partygästen, ebenso viele werden auf dem Hexentanzplatz erwartet.

Laut Harzer Verkehrsverband (HVV) ist die Walpurgisnacht ein Stück Tradition und Brauchtum, an dem Jung und Alt gleichermaßen teilhaben. Jedes Jahr reisen auch viele Auswärtige in den Harz, um die Walpurgisnacht zu feiern, die es in dieser Form nur im Harz gibt.

Gefeiert wird eine mystische Legende, deren Ursprung bis heute nicht eindeutig geklärt ist: Hexen sollen in der Walpurgisnacht auf den Blocksberg - eigentlich Brocken - geritten sein, um mit dem Teufel Orgien zu feiern.

Viele sehen in dem Fest die Vertreibung des Winters. Berühmt wurde die Walpurgisnacht durch Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), der in seinem „Faust” das gruselig-wilde Treiben auf dem Brocken beschrieb.

Früher pflegten die Menschen Bräuche, um sich gegen Verwünschungen böser Hexen zu wehren. Zum Schutz des Viehs wurden Kräuterbüschel an Stalltüren gehängt und es gab Peitschenknall, Glockengeläut und Walpurgisfeuer.

Heute ist die Harzer Walpurgisnacht ein Spaß- und Tourismusfaktor. Die Furcht vor mystischen Zauberwesen ist der Lust auf reichlich Alkohol, laute Musik und nackte Haut gewichen. Der Veranstalter auf dem Hexentanzplatz spricht von einer „aufwendigen Show”, in der auch der alte Goethe bedacht wird. „Wir spielen den "Faust" auf einer Bühne mit vier Türmen, auf denen Schauspieler, Tänzer und Musiker agieren”, sagt Mario Jantosch, Direktor des auf dem Hexentanzplatz gelegenen Harzer Bergtheaters. Doch um zu begeistern, müssen längst auch Feuerspucker, Seilartisten und Stelzenläufer engagiert werden.

Ob nun Brauchtum oder Event - Karl Born, Professor für Tourismusmanagement an der Hochschule Harz in Wernigerode, sieht in den Veranstaltungen zur Walpurgisnacht viele positive Effekte. „Man hat es verstanden, die Menschen zu begeistern”, sagt Born. Davon profitiere der Harz-Tourismus.

Für den Historiker Uwe Lagatz von der Magdeburger Otto-von- Guericke-Universität geht es dabei nur ums Geldverdienen. „Mit den traditionellen Walpurgisfeiern Ende des 19. Jahrhunderts hat das alles nichts mehr zu tun”, sagt Lagatz, der im Harz wohnt. Damals wanderten die Menschen auf den Brocken, um sich dort unterhalten zu lassen und eine Hexenzeremonie zu feiern. Heute schlössen sich mittlerweile auch kleinste Harzorte dem „Walpurgis-Boom” an, es gebe aber qualitative Unterschiede. „Nicht jedes Dorffest ist eine gelungene Walpurgis”, sagt der Historiker.

In Schierke hat das allzu wilde Treiben der vergangenen Jahre die Veranstalter zum Umdenken bewegt. Die Kurverwaltung verfolgt ein neues Konzept und will eine Qualitätssteigerung. Schon ist vom „schönsten Fest des ganzen Harzes” die Rede. Angestrebt werden künftig anspruchsvolle Musik- und Tanzdarbietungen statt Negativschlagzeilen über betrunkene Besucher. So sollen in der Nacht zu diesem Freitag Hexen, urige Tavernen, Spielleute und Gaukler Schierke am 1142 Meter hohen Brocken in eine Walpurgis-Party verwandeln, die um Mitternacht mit einen Feuerwerk endet.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert