Warschau - Warschau: Geheimtipp für eine Städtereise

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Warschau: Geheimtipp für eine Städtereise

Von: Nils-Eric Schumann, ddp
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Bei Staedtereisenden gilt Warschau noch eher als Geheimtipp. Wer noch nie dort war, kann mit der polnischen Hauptstadt wohl kein markantes Bild verbinden. Und tatsaechlich praesentiert die Metropole an der Weichsel den Besuchern erst auf den zweiten Blick ihre Schoenheiten. Foto: dpa

Warschau. Bei Städtereisenden gilt Warschau noch eher als Geheimtipp. Wer noch nie dort war, kann mit der polnischen Hauptstadt wohl kein markantes Bild verbinden. Und tatsächlich präsentiert die Metropole an der Weichsel den Besuchern erst auf den zweiten Blick ihre Schönheiten.

Ein Besuch allerdings lohnt sich und ist ab vielen deutschen Regionen mit dem Flugzeug sogar als Tagesausflug möglich. Nach der Landung führt die Fahrt zunächst vom modernen „Frédéric-Chopin-Airport” über verstopfte Straßen Richtung Innenstadt. Ankommende fragen sich, ob sich die Reise hierher wirklich gelohnt hat.

Aber das ist in Teneriffa-Süd oder Keflavik auf Island genauso. Bald tauchen futuristisch anmutende Hochhäuser auf, Warschau baut sich derzeit eine Skyline am Rande seines Zentrums. Vorbilder sind London oder Frankfurt am Main, sagt eine Gästeführerin stolz.

Nicht ganz so stolz sind die Warschauer auf das markanteste Bauwerk ihrer Stadt: Der Kultur- und Wissenschaftspalast, mit gut 230 Metern das höchste Gebäude Warschaus, ist ein Geschenk Stalins, berichtet die Fachfrau für Fremdenverkehr. Bis heute haben viele Polen noch immer ihr Problem mit diesem „Geschenk” des früheren Sowjetdiktators.

Der Palast im typisch stalinistischen Zuckerbäckerstil würde besser zu den sogenannten sieben Schwestern nach Moskau passen, aber der umstrittene Machthaber aus dem benachbarten Riesenreich wollte seinerzeit offenbar unbedingt auch in Polen seine Spuren hinterlassen. Der 1955 eröffnete himmelhohe Prunk- und Protzbau mit 3300 Sälen und Räumen auf einer Gesamtfläche von 150 000 Quadratmetern ist inzwischen ein Denkmal.

Kurz nach der politischen Wende stand noch dessen Abriss zu Debatte. Im Innern scheint ein Hauch von Sozialismus durch die Gänge zu wehen, viele Wärter und Verwalter des Kulturtempels sind offenbar mit „ihrem” Haus gealtert und zeigen voller Stolz die Statuen und Wandgemälde aus Zeiten der untergegangenen Volksrepublik.

Ganz anders und fast schon gemütlich präsentiert sich hingegen die nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg originalgetreu wieder errichtete Altstadt vom Schlossplatz bis hinaus zum Neustädter Markt. Bausünden gibt es hier nicht.

Über dem Schlossplatz thront auf einer Säule der König Sigismund III. Wasa, der im 16. Jahrhundert die Hauptstadt von Krakau nach Warschau verlegt hatte. Urige Gasthäuser mit Sommerterrassen laden zum Verweilen ein. In den Häusern rings um den Altstadt-Markt können Appartements kurzzeitig, etwa für Feierlichkeiten oder auch für ein verlängertes Wochenende, gemietet werden.

Ein Denkmal ist der kleinen Warschauer Seejungfrau - polnisch Syrenka - gewidmet, dem Wahrzeichen der Stadt. Die Figur ist auch im Stadtwappen zu sehen. Ihre genaue Herkunft der im 14. Jahrhundert erstmals erwähnten Jungfrau mit dem Fischschwanz ist unklar. Gern erzählen die Warschauer aber eine Legende, wonach zwei Meerjungfrauen aus dem Atlantik in die Ostsee geschwommen sein sollen.

Eine der Schwestern blieb in Kopenhagen, die andere schwamm über Danzig, die Weichsel hinauf, bis Warschau. Ausgerüstet mit Schwert und Schild fungiert die Warschauer Meerjungfrau auch als Schutzpatronin der Stadt.

Kutscher warten am Rande der Altstadt auf Fahrgäste, die Polizei ist mit kleinen Elektrofahrzeugen auf dem historischen Pflaster in der autofreien Zone unterwegs. Schwenkt man in die kleinen Gassen links und rechts der Flaniermeilen, entgeht man vorübergehend dem Trubel. Die Altstadt ist von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt worden.

Wer mehr über die wechselvolle Geschichte Polens und speziell Warschaus erfahren möchte, sollte sich einen der zahlreichen deutschsprachigen Gästeführer buchen. Vorbehalte gegenüber Deutschen sind in der polnischen Hauptstadt übrigens nicht spürbar. Mehr Schwierigkeiten haben die Polen sowieso mit den Russen.

Aus Moskau gab es bisher nur halbherzige Entschuldigungen für Besatzung und Unterdrückung in der Vergangenheit, klagen die Warschauer. Neben einem Besuch in einer der zahlreichen Kirchen bleibt noch etwas Zeit für einen kurzen Spaziergang auf dem Warschauer Königsweg, der mit seinen zehn Kilometern als eine der längsten Repräsentationsstraßen der Welt gilt.

Für die vielen Paläste und Palais ist ein Tagesausflug allerdings zu kurz. Pflastermüde können sich eine kleine Auszeit im Sächsischen Garten gönnen. Der weitläufige Park wurde im 18. Jahrhundert nach französischem Vorbild errichtet. August der II., Kurfürst von Sachsen und König von Polen, - besser bekannt als August der Starke - hatte sich 1713 ein Palais nahe dem Königsplatz gekauft und in den Folgejahren nach seinen Vorstellungen umbauen lassen.

Die deutsche Wehrmacht zerstörte 1944 das Sächsische Palais und verwüstete den Garten. Pläne für den Wiederaufbau des Palais scheiterten bisher an der Finanzierung, einen Eindruck von der Anlage geben deshalb nur noch einige übrig gebliebene Arkaden. Tagesgäste sollten immer die Uhr im Blick haben: Eine zügige Fahrt zurück zum Flughafen scheitert am Verkehrschaos und an Kreisverkehren mit Ampelschaltungen, deren Logik sich bei nur einem Tag in Warschau nicht ergründen lässt.

Es gibt nur eine Metrolinie in der Stadt, Busse und Straßenbahnen bewältigen den Großteil des öffentlichen Nahverkehrs. Im Stau ergeben sich immer wieder neue Ausblicke auf die entstehende Skyline des neuen Warschaus. Nahezu alle internationalen Hotelketten haben hier Häuser ihrer Fünf-Sterne-Marken gebaut, deren Ambiente ist trotz aller Details zum Verwechseln gleich.

Typisch Polnisches sucht man in diesen Häusern vergeblich, dafür gibt es Sushi, italienische Nobelpasta oder ein bayerisches Oktoberfest. Kongresse sorgen regelmäßig für ausgebuchte Betten zu stolzen Preisen. Und auch immer mehr Stars finden den Weg nach Warschau: Madonna war schon da, und Michael Jackson gab ebenfalls Konzerte, erzählen die Hotelmanager.

Warschau hatte schon immer einen guten Ruf als Kulturmetropole, dem früher Picasso oder die Rolling Stones folgten. Und selbst Frédéric Chopin, gebürtiger Pole, kehrte regelmäßig in seine Heimat zurück, um hier damals viel beachtete Konzerte zu geben. Warschau hat heute eine Oper, eine Operette, eine Kammeroper, eine Philharmonie, fast 30 Theater, 35 Museen und rund 60 Kunstgalerien.
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