Wandern für Grenzgänger: Kammweg lädt ins Erzgebirge und Vogtland

Von: Andrea Löbbecke, dpa
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Wandern für Grenzgänger: Kammweg lädt ins Erzgebirge und Vogtland
Nach links oder nach rechts? Beim Wandern im Erzgebirge geht es schnell hoch auf Höhen um 1000 Meter. Der neue Kammweg ist eine Alternative für Wanderer, die die Grenzregion erkunden wollen. Foto: dpa

Oberwiesenthal. Hölzerne Pfeifenmännchen, Schwibbögen, bemalte Engelchen. Dies sind die Bilder, an die beim Erzgebirge viele gleich denken. Skilangläufern dürfte noch die Gegend um Oberwiesenthal und Annaberg-Buchholz ein Begriff sein mit ihrem gut ausgebauten Loipennetz.

Aber dass man in dem ostdeutschen Mittelgebirge an der Grenze zu Tschechien auch sehr gut wandern kann - das können Urlauber künftig auf dem neuen Kammweg auskundschaften. Der 289 Kilometer lange Weitwanderweg durch Erzgebirge und Vogtland verbindet die Länder Sachsen und Thüringen - Abstecher nach Tschechien und Bayern inklusive.

Und das alles mit Auszeichnung: Denn seit Januar trägt die Route das Gütesiegel Qualitätsweg des Deutschen Wanderverbands. Das bedeutet unter anderem: viele naturbelassene Wege und Pfade, wenig Asphalt und eine abwechslungsreiche Route durch Wiesen und Wälder - häufig auf den Höhen. Der Start am östlichen Ende liegt in Geising. Auf der Einstiegsetappe bietet das Erzgebirge gleich die ersten schweißtreibenden Herausforderungen für Wanderer, etwa den 905 Meter hohen Kahleberg. Kurz darauf wird es auf dem böhmisch-sächsischen Gebirgskamm bereits international: Am Grenzübergang Neurehefeld kann man eine Stippvisite in Tschechien machen.

Allerdings gibt es hinter dem Länderwappen nur ein paar baufällige Häuser und mehrere Billigsupermärkte, die auf den Verkauf von Alkohol, Zigaretten und Klamotten setzen. Dann doch lieber weiter wandern - zunächst auf einer ehemaligen Bahntrasse in Richtung Holzhau und Sayda und schließlich in das bekannte Spielzeugdorf Seiffen. Hier sind die typischen Holzfiguren allgegenwärtig: Dutzende Werkstätten gibt es in dem kleinen Ort, aus jedem Schaufenster schauen Engel, Tiere und Pfeifenmännchen heraus.

Der Kammweg verlässt das bunte Dorf in Richtung Olbernhau, wo das große Freilichtmuseum Saigerhütte die Arbeitsschritte der Buntmetallurgie zeigt. Vom 16. Jahrhundert an wurde hier erst Silber und schließlich Kupfer verarbeitet. Nach Rübenau und Kühnheide führt die Route weiter durch das romantische Tal der „Schwarzen Pockau”. Der Weg verläuft hier entlang eines künstlichen Kanals aus dem 17. Jahrhundert. Er brachte einst Wasser als Energiequelle zu Bergbaugruben.

Weiter geht es über den 890 Meter hohen Hirtstein mit - bei gutem Wetter - großartiger Fernsicht, nach Jöhstadt und in die „Skispringerstadt” Oberwiesenthal auf den 1215 Meter hohen Fichtelberg. Hinter Johanngeorgenstadt geht es raus aus dem Erzgebirge und Richtung Vogtland - Gastgeber für rund ein Drittel des Weges. Erst wird der sächsische Teil durchquert, dann der thüringische. Spätestens wenn die Route kilometerlang auf den ehemaligen Kolonnenwegen der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze führt, wird hier die jüngste Geschichte greifbar.

Viele Befestigungen sind noch erhalten, im kleinen Dorf Mödlareuth ist sogar noch ein Stück des gefürchteten früheren Todesstreifens an der Mauer zu sehen. Hier verläuft seit Jahrhunderten die Grenze zwischen Bayern und Thüringen als Bachlauf mitten durch den Ort - und in den Zeiten der DDR trennte die fast unüberwindbare Mauer die Bewohner auf beiden Seiten. Ein Museum zeigt die bewegte Geschichte von „Little Berlin”, in dem Freiluftareal sind neben etwa 50 Metern Mauer noch Wachtürme, Grenzzaun und der ehemalige Todesstreifen mit Hundefreilaufanlage zu sehen.

Noch eine Etappe, dann ist das westliche Ende des Kammwegs erreicht, Blankenstein. Der Ort ist ein wahres Drehkreuz des Wanderns, hier treffen auch Rennsteig, Frankenweg und Fränkischer Gebirgsweg aufeinander. Für den Kammweg sollte man feste, knöchelhohe Wanderschuhe schnüren und stets Proviant im Rucksack dabei haben - bei einigen Etappen gibt es tagsüber keine Möglichkeit zum Einkehren. Die Strecke ist auch für Wander-Einsteiger geeignet - vielleicht am besten in einer organisierten Tour oder mit Gepäcktransport.

Da sich die Tagesetappen teilweise zusammenlegen lassen, kann der Weg aber auch erfahrene Wanderer herausfordern. Er führt sie dabei durch Gegenden, in denen man mit sich, dem Weg und der Natur oft über Stunden allein ist.

Wem das auf Dauer zu einsam ist, der kann seine Tage auch anders einteilen und Abstecher in eines der vielen Museen am Wegesrand machen. So gibt es beispielsweise das Nussknackermuseum in Neuhausen mit dem größten funktionsfähigen pneumatisch betriebene Nussknacker der Welt. Die Macher des „Guinness-Buches der Rekorde” haben nachgemessen: 5,87 Meter. In Rechenberg-Bienenmühle lädt das sächsische Brauereimuseum zu einem Gläschen ein, wer in Seiffen noch mehr Holzengel sehen möchte, der geht am besten ins Spielzeugmuseum. Man sieht: Zum Wandern ist der Kammweg ideal, aber wer mal eine Wanderauszeit braucht, bekommt auch einiges geboten.
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