Volterra/Pitigliano - Von Volterra nach Pitigliano: Es muss nicht immer Florenz sein

Von Volterra nach Pitigliano: Es muss nicht immer Florenz sein

Von: Hanns-Jochen Kaffsack, dpa
Letzte Aktualisierung:
volterra / pitigliano
Typisch Toskana: Den Blick über die Dächer von Lucca kennen viele deutsche Italien-Urlauber.

Volterra/Pitigliano. Die Toskana ist für viele die Medici- und Renaissance-Hochburg Florenz und das gotisch geprägte Siena mit seinem bekannten Palio-Festival.

Dann ganz sicherlich das imposante „Manhattan des Mittelalters” San Gimignano und vielleicht noch die einladende Puccini-Metropole Lucca mit dem nicht so weit entfernten schiefen Turm von Pisa. Wer aber die Städte meidet oder sowieso die sanfthügelige Landschaft mit den Weinbergen, Olivenhainen und aufgereihten Zypressen vorzieht, der stößt auf kleinere Orte mit viel Charme und Anziehungskraft. Es muss also nicht immer Florenz sein.

In der zweiten Reihe der urbanen Juwelen vergangener toskanischer Blüte sticht als Erstes das trutzige Volterra heraus. Südwestlich von Florenz und unweit von San Gimignano fällt es schon bei der Anfahrt durch einen starken Kontrast auf: Abweisender kann ein Städtchen, umgeben von etruskischen und mittelalterlichem Mauerwerk, kaum von der Höhe auf eine dermaßen liebliche Gegend blicken.

Doch innerhalb der massiven Mauern läuft auf der Piazza dei Priori mit seinen Palazzi das friedliche italienische Alltagsleben ab. Während der Cappuccino serviert wird, fallen die vielen Schaufenster mit glänzenden hellen Alabasterfiguren auf - dafür ist die Stadt bekannt.

Das frühe kulturelle Wirken der geheimnisvollen Etrusker zieht sich noch heute wie ein roter Faden durch die ansonsten mehr vom späteren Mittelalter geprägte Toskana. So manche Stadt hat sich mit dem, was der Boden nicht nur für die Bauern als Schätze bereithält, einen Namen gemacht.

Volterra beispielsweise zieht mit einem Alabaster- und einem Etrusker-Museum die Reisenden an. Auf der Rundfahrt im Herzen der Toskana kommt man bald von Volterra aus in den weitaus kleineren Ort Colle di Val dElsa.

Die historische Altstadt liegt wie ein mächtiges Schiff auf einem Tuffhügel. Eine kleine Straße ist die Attraktion des Ortes: Die dunkle Via delle Volte hat auf ihren mehr als 100 Metern Länge eine geschlossene Decke antiker Bögen und Gewölbe zu bieten. „Non è tutto oro quel que riluce.” Dass nicht alles Gold ist, was glänzt, gilt gerade auch in Colle di Val dElsa. Denn was für Volterra der Alabaster ist, das ist hier das Kristall.

In Colle di Val dElsa führen Kunsthandwerker das nahezu ein Jahrtausend alte Metier fort, geben dem Spezialglas den letzten Schliff. Das Museo del Cristallo lädt dazu ein, die Kristallwerke der Meister zu bewundern.

Doch nicht jedes sehenswerte Städtchen dieser von der Kultur wie von der Natur verwöhnten mittelitalienischen Region hat seinen Ruf in einen harten Werkstoff gemeißelt. Südlich von Siena liegt über dem Orcia-Tal das 5000-Seelen-Städtchen Montalcino mit seiner Festung und der Panorama-Aussicht auf das umliegende Land.

Am schönsten ist es, Montalcino von Osten her auf der landschaftlich bezaubernden Strecke über Chiancino Terme und Montepulciano anzusteuern. Was Montalcino weltweit bekanntgemacht hat, nicht zuletzt auch in den USA, das ist sein kräftiger Roter: 20 oder 30 Euro, das ist nichts für einen Brunello, der Qualität und Image daraus zieht, einem hochwertigen Sangiovese-Klon zu entstammen. Wer sparsamer sein will oder muss, der ersteht in einer Enoteca den etwas günstigeren Rosso di Montalcino.

Auf dem Weg nach Süden werden die Augen nicht müde, die Bergstädte des Mittelalters zu bewundern. Nahe der Südspitze der Toskana und der bei den Römern beliebten Maremma-Region sticht Pitigliano mit seinen Grotten und Tuff-Felsen hervor. Wie die Sardinen in der Büchse drängen sich die Häuser aneinander, die Gassen und Sträßchen führen zur Piazza Garibaldi und einem Viadukt, zum Palazzo Orsini aus dem 13. Jahrhundert und dem Dom mit seiner barocken Fassade.

Reisende streben nicht zuletzt das wieder aufgebaute „Ghetto” von Pitigliano an, auch „Klein Jerusalem” genannt. Eine kleine Synagoge und ein Museum erinnern daran, dass in „Piccola Gerusalemme” einstmals jüdische Religion und Kultur florierten.

Aber es ist ein anderer historischer Faden, der in und um Pitigliano wieder aufgenommen werden muss. Schon am Fuß des Felsens, auf dem Pitigliono in den Himmel ragt, haben die Etrusker jede Menge Gräber in den Tuff geschlagen. Das ist jedoch nichts gegen die Nekropole, wie man sie auf der Rundfahrt in die Nachbarorte Sovana und Sorano kennenlernt.

Auf den Spuren der von den Römern verdrängten Etrusker gehen all jene, die sich für deren spektakuläre Höhlenwege „vie cave” begeistern. Das sind schmale, tief in den Felsen gehauene und bis zu einen Kilometer lange Gassen, oder besser Schluchten. Es bleibt ein geheimnisvoller Gang in die Geschichte: Als sie einst von der Bildfläche verschwinden mussten, nahmen die Etrusker auch die Erklärung für ihre seltsamen „Höhlenwege” mit.

Nach so ausgedehnten Streifzügen durch die toskanische Kultur und das Kunsthandwerk wäre ein Bad im See die ideale Erfrischung. Dafür bedarf es allerdings einer Grenzüberschreitung. Am hübschen Lago di Bolsena, der in Latium liegt, hat schon mancher Reisende, etwa auf dem Weg nach Rom, eine Verschnaufpause eingelegt.

Kleinstädte der Toskana

Anreise: Der beste Weg ins Herz der Toskana führt über Florenz. Die Hauptstadt der Toskana wird von vielen deutschen Städten wie München, Frankfurt/Main, Hamburg oder Berlin aus direkt angeflogen. Wer nicht mit dem eigenen Auto über Norditalien anreist, kann auf dem Flughafen Amerigo Vespucci ein Fahrzeug für die Rundfahrt mieten. An Hotels und Bed & Breakfast-Unterkünften fast aller Preislagen mangelt es nicht.

Informationen: Fremdenverkehrsamt Emilia Romagna (E-Mail: touristinfo@aptservizi.com); Italienische Zentrale für Tourismus, Neue Mainzer Straße 26, 60311 Frankfurt (Tel.: 069 - 23 74 34).
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