Von Braveheart zum Da Vinci Code: Auf „Filmspuren” durch Schottland

Von: Hubert Thielicke, ddp
Letzte Aktualisierung:
schottland
Blick auf das Edinburgh mit Edinburgh Castle. Foto: ddp

Edinburgh. Schottland - wer denkt da nicht an Whisky oder Nessie? Der nördliche Teil Großbritanniens beeindruckt durch seine einmalige Landschaft - Berge, Täler, Seen und Inseln.

Auf Schritt und Tritt begegnet man auch der reichen Geschichte und den vielen sich um sie rankenden Mythen. „Braveheart” William Wallace, König Robert the Bruce oder der edle Räuber Rob Roy werden heute noch verehrt. Dargestellt in großartigen Filmen, erlangten sie weltweite Bekanntheit. Aber wer weiß schon, dass die spektakuläre Szenerie schottischer Landschaften auch in Filmen über James Bond, Harry Potter, Sherlock Holmes, ja selbst Asterix und Obelix zu sehen ist?

Eine Autotour ist sicher die beste Möglichkeit, diese Orte kennenzulernen. Per Fähre gelangt man über Nacht bequem in den Norden Großbritanniens. Ab Schiff heißt es dann aufpassen, denn nun herrscht Linksverkehr. Im Vergleich zum hektischen London macht Edinburgh einen eher ruhigen, um nicht zu sagen gemütlichen Eindruck. Ein „Must” ist das Schloss hoch auf dem Felsen, die meistbesuchte britische Touristenattraktion außerhalb Londons. Einen Eindruck davon bekommt man im Film „Reise zum Mittelpunkt der Erde” (1959), als Professor Lindenbrook, dargestellt von James Mason, in eine Zeitung vertieft, durch ein farbenprächtiges Dudelsack-Orchester hindurch läuft. Die großen Filmschauplätze liegen jedoch außerhalb der schottischen Hauptstadt.

Nur wenige Kilometer entfernt findet man Rosslyn Chapel, ein Kleinod des dekorativen gotischen Stils. Die Kapelle soll dramatische Geheimnisse bergen, so ist es zumindest in Dan Browns Thriller „Sakrileg” zu lesen, dessen Verfilmung „Da Vinci Code” mit Tom Hanks als Robert Langdon den Ort weltberühmt machte. Hier finden Langdon und Sophie (Audrey Tautou) heraus, dass letztere von Maria Magdalena abstammt, deren Überreste hier versteckt waren, und sie damit eine Nachkommin von Jesus Christus ist.

Ob man nun an Dan Browns Story glaubt oder nicht, die Kapelle ist immer eine Reise wert. Sie wurde schon früher mit dem Heiligen Gral, den Tempelrittern, Freimaurern und ihren Geheimnissen in Verbindung gebracht. Allerdings gibt sie wirklich manches Rätsel auf. So findet man in der Mitte des 15. Jahrhunderts gebauten Kirche bereits die Darstellung eines Maiskolbens. Die Pflanze gelangte aber erst einige Jahrzehnte später, also nach der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus, nach Europa.

Weiter im Norden bietet die Gegend um Stirling historische Glanzpunkte. Hier schlugen 1297 die schottischen Aufständischen, angeführt von William Wallace, die englische Armee. Fast zwei Jahrzehnte später besiegten bei Bannockburn die Schotten unter König Robert the Bruce erneut ein riesiges Ritterheer der Engländer und erlangten damit wieder ihre Selbständigkeit. An beide Ereignisse erinnert Mel Gibson in seinem historischen Monumentalfilm „Braveheart”, in dem er selbst William Wallace verkörpert. Immerhin gilt die Darstellung der Schlacht von Stirling Bridge als eine der größten Kampfszenen der Filmgeschichte. Allerdings wurden diese nicht hier, sondern in Irland gedreht, wo sich irische Armeereservisten in schottische Highlander verwandelten. Der 1996 mit fünf Oscars ausgezeichnete Film weckte in der ganzen Welt großes Interesse an Schottland und seiner Geschichte.

Auch das Schloss Stirling Castle selbst diente als Filmkulisse. Im Vorhof, neben dem Ticketschalter, entstanden die Schlussszenen von „Die Entführung des David Balfour” („Kidnapped”, 1971) mit Michael Caine in der Hauptrolle. In dem nach einer Erzählung von Robert Louis Stevenson gedrehten Film kämpft der junge David im 18. Jahrhundert um sein Erbe und gerät in die Auseinandersetzungen zwischen Engländern und Schotten.

Mit dem Auszug des traditionsreichen Regiments Argyll and Sutherland Highlanders aus Stirling Castle beginnt der Film „Gefangen in der Hölle” (2001), der die grauenhaften Erlebnisse amerikanischer und schottischer Offiziere in einem japanischen Kriegsgefangenenlagers des Zweiten Weltkriegs und schließlich ihre Befreiung schildert.

Über Inverness, den Hauptort der Highlands, geht es an die Nordküste Schottlands. Meilenweit trifft man hier kaum auf Menschen. Ab Durness führt die Straße nach Süden in die westlichen Highlands. Die Weite der Landschaft und die Einsamkeit des Ortes inspirierten die Filmemacher von „Asterix und Obelix gegen Cäsar” zur Eröffnungsszene: Römische Soldaten reiten den Strand entlang.

Was wären die Highlands wohl ohne Loch Ness? Aber selbst vom Turm der romantisch am See gelegenen größten schottischen Burg Urquhart Castle ist Nessie nicht zu sehen. Der sagenhafte Dino tauchte eben nur im Film auf. In Billy Wilders „Privatleben des Sherlock Holmes” (1970) entdeckt Watson zwar ein „Seeungeheuer”, es wird jedoch von Holmes als eine Art Fahrzeug identifiziert. Bald stellt sich heraus, dass es ein für Testfahrten getarnter Prototyp eines britischen U-Bootes ist. In „Nessie - Das Geheimnis von Loch Ness” (1996) kommt das Monster gleich in doppelter Ausfertigung, denn mit Hilfe der kleinen Isabel sichtet Dr. Dempsey ein Paar Plesiosaurier und fotografiert sie sogar.

Statt in dem ziemlich verfallenen Urquhart Castle wurden Szenen des Films auch in dem weiter südwestlich gelegenen Eilean Donan Castle gedreht. Diese auf einer Insel im See aufragende wohl schottischste aller Burgen diente als Drehort unzähliger Filme. Von Errol Flynn über Sean Connery und Pierce Brosnan bis Catherine Zeta Jones und Kate Blanchett - viele Weltstars waren hier, ob in „Elizabeth - das goldene Königreich” (2007), „Highlander” (1986) oder in dem James-Bond-Thriller „Die Welt ist nicht genug” (1999).

In der Nähe laden herrliche Täler - auf Gälisch „Glens” - zum Verweilen ein. Kein Wunder also, dass diese Gegend das Interesse vieler Regisseure fand. In Glen Coe und Glen Nevis kämpfte Liam Neeson als Volksheld „Rob Roy” vor dem beeindruckenden Hintergrund der Berge um sein Recht. Die Vorlage für das Drehbuch lieferte Sir Walter Scott mit seinem gleichnamigen historischen Roman.

Selbst in den Harry-Potter-Filmen ist die spektakuläre Kulisse der Täler nicht zu übersehen. In „Harry Potter und die Kammer des Schreckens” fliegt das Auto der Weasleys in einem der Nachbartäler über das riesige Glenfinnan Viaduct. Und bei aller Satire wollte man auch in „Monty Python und die Ritter der Kokosnuss” (1976) nicht auf die typisch schottische Szenerie des Glen Coe verzichten.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert