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Vom traditionellen Oman zu den modernen Superlativen Dubais

Von: Rainer Höhling, dapd
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suk / oman
Weihrauch gilt zwar nicht mehr als ebenso wertvoll wie Gold, wie dies der biblischen Überlieferung von den Geschenken der drei Könige aus dem Morgenland für das Jesuskind zu entnehmen ist. Aber in Oman, in der Antike Hauptlieferant des duftenden Baumharzes, scheint seine Bedeutung ungebrochen: Auf dem Flughafen, in den hochmodernen Hotels und natürlich auch in der Großen Sultan-Kabus-Moschee der Hauptstadt Maskat duftet es nach Weihrauch. Foto: dapd

Maskat/Dubai. Weihrauch gilt zwar nicht mehr als ebenso wertvoll wie Gold, wie dies der biblischen Überlieferung von den Geschenken der drei Könige aus dem Morgenland für das Jesuskind zu entnehmen ist. Aber in Oman, in der Antike Hauptlieferant des duftenden Baumharzes, scheint seine Bedeutung ungebrochen.

Auf dem Flughafen, in den hochmodernen Hotels und natürlich auch in der Großen Sultan-Kabus-Moschee der Hauptstadt Maskat duftet es nach Weihrauch. Auf den Suks, auf denen vor allem Einheimische einkaufen, fallen Touristen sofort die Weihrauchbrenner in den vielfältigsten Formen und Materialien auf - als durchbrochene Ampel, Kästchen oder Tierfigur aus Metall oder Keramik.

Der Sultan als Initiator einer Duftnote

Weihrauch und andere Naturprodukte Omans wie Rosenwasser, Blüten verschiedener Sträucher und Kräuter bis hin zu Mineralien gehören zu den mehr als 100 Rohstoffen für eines der kostbarsten Parfüme der Welt. Es trägt den Namen Amouage und den Anstoß zu seiner Produktion gab der Herrscher des Landes, Sultan Kabus, vor einem Vierteljahrhundert selbst, wie der Besucher in der kleinen Amouage-Fabrik in Maskats Stadtteil Russail erfährt. Hier füllen 25 Männer und Frauen die Flacons ab. Mit der Parfüm-Herstellung sei eine alte omanische Tradition wieder aufgenommen worden, erzählt Fremdenführer Ahmed.

Tradition hat in Oman einen hohen Stellenwert. Dazu gehört auch die seit Jahrtausenden praktizierte Gastfreundschaft, die heute den Touristen zugutekommt. Eine Million Besucher kamen 2008 in das nur 2,8 Millionen Einwohner zählende Land im Südosten der Arabischen Halbinsel. Bis 2015 soll sich die Zahl auf fünf bis sieben Millionen erhöhen. Derzeit seien zwanzig neue Hotels in Planung oder schon im Bau, sagt Ahmed.

Maskat ist eine von sechs Teilstädten der Hauptstadtregion, die sich über 50 Kilometer entlang der Küste erstrecken und durch Schnellstraßen miteinander verbunden sind. Auffällig sind die Sauberkeit sowie die vielen Blumen und das Grün, das aufwendig gepflegt und bewässert werden muss. Der älteste Stadtteil beherbergt unter anderem den Sultanspalast und zwei malerische Festungen hoch über einer Bucht.

Auf der Fahrt in die Oasenstadt Nizwa, 170 Kilometer südwestlich von Maskat, wird die neben einem breiten Wadi zwischen östlichem und westlichem Hadschar-Gebirge stetig bergauf führende Autobahn von zahlreichen Wachtürmen und Wehranlagen begleitet. In Oman gibt es mehr als 500 Festungen, im Landesinneren meist von regionalen Herrschern, an der Küste von Portugiesen errichtet. Wohl am prächtigsten ausgestaltet ist die von Dschabrin aus dem 17. Jahrhundert. Ihr Erbauer ließ im ersten Stockwerk sogar einen kleinen Raum für sein Lieblingspferd einrichten, das über eine eigene Treppe dorthin gelangte.

Südostarabien war erstes islamisches Herrschaftsgebiet

Auch wenn zwischen den omanischen Stämmen längst Frieden herrscht, tragen manche Männer einen Krummdolch in dem um ihre Dischdascha, das hemdartige, knöchellange Gewand, geschlungenen Gürtel und auf dem Suk in Nizwa scheint es sehr einfach zu sein, ein Gewehr zu erwerben. Die Waffenabteilung ist deutlich stärker frequentiert als die Fisch- oder die Gemüseabteilung. Frauen sind selten zu sehen. Beim freitäglichen Viehmarkt gleich neben dem Suk feilschen sie aber kräftig mit, um einen guten Preis für ihre Ziege oder das Zebu-Rind zu erzielen. Sie tragen die für Südostarabien typischen Gesichtsmasken und an der Farbe ihrer Kleidung ist der Stamm zu erkennen, dem sie angehören.

Von den hohen Mauern der Festung von Nizwa, der bedeutendsten Omans, blickt der Besucher über einen ausgedehnten Palmenwald. Nizwa liegt klimatisch günstig etwa 450 Meter hoch am Fuße des Grünen Berges. Im Inneren der Festung informiert eine eindrucksvolle Ausstellung über die Geschichte des Landes. Mit besonderem Stolz wird auf die Kopie eines Schreibens verwiesen, das der Prophet Mohammed im Jahr 630 an das im Gebiet des heutigen Oman herrschende Brüderpaar Dschaifar und Dschulanda richtete. Es forderte sie - erfolgreich - dazu auf, mit ihren Leuten zum Islam überzutreten.

In dem Oman benachbarten Emirat Dubai glaubt man sich auf einem anderen Stern. Dabei gelten in der Glitzerwelt Dubais, das kaum größer ist als Berlin, Bremen und das Saarland zusammengenommen, ähnliche, den Traditionen verpflichtete Verhaltensregeln. Dies erläutert Nasif Kayed im Zentrum für kulturelle Verständigung seinen Zuhörern.

Das Zentrum ist in einem traditionellen Wohnhaus mit Windturm im Stadtteil Bastakiya untergebracht und soll Menschen aus anderen Kulturen die arabisch-islamische Lebensweise nahe bringen. Der gigantische Boom der vergangenen Jahrzehnte hat Bauleute, Ingenieure, Techniker, Gastronomen und Hilfskräfte aus rund 180 Nationen angezogen.

Dubais romantische Partie

Bastakiya am Creek, der mehrere Kilometer langen, flussartigen Meeresbucht, liegt etwa dort, wo sich vor rund 180 Jahren die heute noch herrschende Familie Maktoum niederließ. Dort begann auch Ende der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts der von einem Rekord zum anderen jagende Bauboom. Inzwischen gilt dieser Teil der Stadt mit seinen am Ufer vertäuten Dhaus und den liebevoll restaurierten Häusern aus dem Ende des 19. Jahrhunderts als romantischer Ausgleich zu den baulichen Superlativen. Neuerdings kann man sich hier vollklimatisierte Wassertaxis für einen Ausflug auf dem Creek oder dem Golf mieten.

Das Zentrum der Bautätigkeit hat sich nach Süden an die Sheikh-Zayed-Straße verlagert und als jüngste Glanzleistung das höchste Bauwerk der Welt, den 828 Meter hohen Burdsch Khalifa, hervorgebracht. Doch Dubai verfügt auch über die mit 1200 Geschäften größte Einkaufsmall und die mit 52,1 Kilometern längste führerlose Metro der Welt, die erste Indoor-Skihalle und den größten Wassererlebnispark des Nahen Ostens sowie die höchste Wasserrutschbahn außerhalb der USA.

Nach mehrmonatiger Unterbrechung werden die Bauvorhaben nun wieder mit größtem Tempo vorangetrieben. Schon im August 2011 soll die nächste Metrolinie von 23 Kilometer Länge in Betrieb genommen werden. Die Stadt verändert sich so schnell, dass selbst die Einheimischen sich über neue Straßen wundern, wenn sie ein Viertel einige Wochen lang nicht besucht haben, wie Stadtführer Mounir versichert.
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