Treibgut am Strand: Im Winter auf Sylt

Von: Nicole Jankowski, dpa
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Sylts äußester Norden: Reetdachhäuser mit weißen Dächern und der Leuchtturm am Ellenbogen vor den verschneiten Dünen sind ein sehr winterlicher Anblick. Foto: dpa

Sylt. Viele Einheimische sind im Winter auf den Kanaren. Am Strand auf Sylt wird es dann schon mal ungewohnt einsam. Der Westwind kann eiskalt sein. Und die Sturmfluten setzen der Steilküste zu. Doch wenn der Sturm pfeift, ist es in den Teestuben umso gemütlicher.

Der eisige Westwind zerrt an den Spaziergängern wie die winterlichen Sturmfluten an Schleswig-Holsteins prominentester Insel. Treibgut säumt den fast menschenleeren, leicht verschneiten Strand, die Strandkörbe sind längst im Winterquartier verschwunden. Zwischen Oktober und März gönnt sich Sylt eine Atempause vom Trubel der Hauptsaison - und entfaltet seinen herben Charme jenseits von Klatsch und Klischees.

Nicht nur am Strand ist weniger los. Viele Einheimische nutzen die Wintermonate für ihren Jahresurlaub, schließen Geschäfte oder Restaurants für ein paar Tage oder Wochen. Dabei wächst die Zahl derer, die die beschauliche Seite der Nordseeinsel bevorzugen. Ein gutes Viertel aller Gäste kommt in den Wintermonaten nach Sylt. „Die Insel entwickelt sich immer mehr zur Ganzjahresdestination”, erklärt Jutta Vielberg, Sprecherin von Sylt Marketing.

Jetzt ist die beste Zeit, um tief Luft zu holen: Auf langen Spaziergängen, zum Beispiel rund um Sylts nördlichste Spitze, den Ellenbogen, pustet die steife Nordsee-Brise den Kopf frei. Das Reizklima der Nordsee stärkt die Abwehrkräfte. Wie die Naturgewalten das Leben auf der Insel prägen und geprägt haben, nimmt das Erlebniszentrum in List unter die Lupe. Sturmraum, Wellenkanal und ein übergroßer Watttunnel zeigen in der Ausstellung zum Anfassen und Mitmachen, wie Menschen, Tiere und Pflanzen den beeindruckenden Kräften der Nordsee ausgesetzt sind und damit leben gelernt haben.

Schwer vorstellbar, dass sich jemand freiwillig in die eiskalten Fluten stürzt. Doch für Hartgesottene ist das Winterschwimmen Kult. Andere bevorzugen einen Besuch der fünf Sylter Strandsaunen. Vom hölzernen Schwitzkasten in den Dünen sprintet man rund 100 Meter zum überdimensionalen Tauchbecken namens Nordsee. Doch ein wenig zu frisch? Die Sylter Welle, das Freizeitbad in Westerland, bietet Nordseeluft, salziges Meerwasser und rauschende Wellen bei deutlich angenehmeren Temperaturen.

Während der Wind um die Ecken pfeift, locken überall auf der Insel außerdem kleine Teestuben und Cafés zum Aufwärmen. Statt im weitläufigen Garten der „Kupferkanne” in Kampen sitzt man nun im verwinkelten Gewölbe des umgebauten Bunkers. In der berühmten „Sansibar” genießen Spaziergänger Glühwein oder Pharisäer - geschlossen ist hier nur an Heilig Abend. Und von Heizstrahlern gewärmt, schmeckt das Krabbenbrötchen auf der Terrasse vom „Gosch am Kliff” in Wenningstedt noch mal so gut. Panoramablick inklusive.

Viel zu sehen gibt es hier allerdings nur an Silvester. Dann feiert Wenningstedt auf der Kliffmeile fünf Tage lang das Neue Jahr mit einem bunten Veranstaltungsreigen. Für kurze Zeit erwacht die Insel aus ihrem Winterschlaf - zwischen Weihnachten und Silvester herrschen auf Sylt schon wieder fast sommerliche Verhältnisse.

Ein Höhepunkt steht Ende Januar noch mit dem alljährlichen Gourmentfestival auf dem winterlichen Kalender, bevor das Biike-Brennen am 21. Februar dann den Frühling einläutet. Mit Pauken und Trompeten setzen sich die Fackelzüge zu den Biiken - Sylter Friesisch für Feuerzeichen - in Bewegung. Holzstapel werden entzündet, deren Flammen weithin sichtbar anzeigen: Bald geht die Saison wieder los.
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