Travemünde - Travemünde: Dicke Pötte und weite Strände vor den Toren Lübecks

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Travemünde: Dicke Pötte und weite Strände vor den Toren Lübecks

Von: Elke Gersmann, dapd
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Entspannen vor den Toren Lübecks: Das Seebad Travemünde. Foto: dapd

Travemünde. Ganz langsam schiebt sich die Nils Holgersson auf der Trave vom Fährhafen in Richtung Ostsee. Vorbei an der Vorderreihe, der Flaniermeile des Seebades, wo in den Cafés und Restaurants so mancher Fotoapparat gezückt wird, um das Schauspiel festzuhalten.

Ein immer wiederkehrendes Schauspiel, hat Travemünde doch den größten Fährhafen Europas. Von hier aus geht es zwar nicht wirklich in die große weite Welt, aber wer Skandinavien mag, der schaut den Schiffen recht sehnsüchtig hinterher. Trelleborg, Malmö, Helsinki, aber auch Riga sind die Zielhäfen, die von den Fähren angesteuert werden. Auf die Urlaubsatmosphäre im Ort hat der Fährhafen keinen Einfluss: Betriebsamkeit herrscht nur hinten am Skandinavienkai. Schon im daran anschließenden Fischereihafen geht es ganz ruhig zu. Wer zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, kann dort fangfrischen Fisch direkt vom Boot kaufen. Für alle anderen gibt es immerhin leckere Fischbrötchen.

Backstein aus dem 16. Jahrhundert

Travemünde gehört zu Lübeck und hat eine über 200-jährige Tradition als Seebad. Davor war es schon lange für die Überwachung der Travemündung in die Ostsee zuständig. Davon zeugt noch die Alte Vogtei beim Fischereihafen, wo die strengen Vögte unter anderem Zölle erhoben. Heute ist das Mitte des 16. Jahrhunderts erbaute Backsteinhaus ein Treffpunkt für Einheimische und Touristen, mit Ausstellungen, Veranstaltungen, einer Weinstube und einem Restaurant.

Als ältestes Gebäude von Travemünde gilt die Alte Vogtei dennoch nicht: Das steht an der Jahrmarktstraße 13, ein Fischerhaus mit Fachwerk und wohl einige Jahre früher gebaut. So ganz genau weiß man es dann doch nicht. Bei der Kirche St. Lorenz ist man sich dagegen ganz sicher, sie wurde 1558 nach einem Brand neu aufgebaut. Ebenso beim Alten Leuchtturm, der 1972 nach 433 Jahren seinen Dienst quittieren musste. Seine Aufgabe hat ein Gebäude übernommen, das ihn bei weitem überragt: das Maritim Hotel. Dort im 36. Stock brennt nun das Leuchtfeuer und weist den Schiffen den Weg in die Trave.

Ein bisschen Luxus und viel Natur

Lange haftete dem Urlaubsort vor den Toren Lübecks der Charme vergangener Jahrzehnte an. Doch inzwischen hat Travemünde sich schick gemacht. Aus dem denkmalgeschützten ehemaligen Kurhaus ist mit dem A-Rosa Resort vor einigen Jahren ein Fünfsternehotel geworden, das zweite im Ort, es gibt zwei Sternerestaurants und die neue Strandpromenade ist auch fertig. Trotzdem herrscht noch ein gutes Maß an Bodenständigkeit, herausgeputzte Leute sieht man eher selten. Dafür viele mit festen Schuhen, denn sie zieht es zum Brodtener Steilufer, das im Norden gleich hinter den letzten Häusern Travemündes mit einem Wäldchen beginnt.

Der vier Kilometer lange Höhenweg führt bis nach Niendorf, manchmal recht nah dran an der Kante, denn bei jedem Sturm bricht etwas vom Rand der Steilküste ab. Oft genug werden große Bäume mit in die Tiefe gerissen, die dann wie Mikadostäbe am wilden Strand liegen. Hier oben auf dem Kliff gibt es immer eine frische Brise, die Ostsee zeigt sich in ihrer ganzen Weite und ganz hinten sieht man die großen Fährschiffe am Horizont verschwinden.

Am Strand von Travemünde kommen inzwischen die Strandkörbe aus ihrem Winterquartier. Beim traditionellen Anbaden Mitte Mai wird die Sommersaison offiziell eröffnet. Mit Parade und Ansprache der Stadtpräsidentin, nostalgischen Badekarren und mutigen Menschen in ebenso traditioneller Badekleidung, die sich in die noch recht kühle Ostsee wagen. Dann geht es los mit dem Strandvergnügen, das hoffentlich bis mindestens September dauern wird.

Während die Kinder auf dem Abenteuerspielplatz toben, machen es sich die Erwachsenen in den Strandkörben bequem und genießen die Sonne. Wem es auf dem Strand vor der Promenade zu eng wird, den zieht es auf die andere Seite der Trave. Kurz vor Norder- und Südermole pendelt eine kleine Personenfähre hinüber zum Priwall, der Halbinsel in der Travemündung.

Sanddorn und Strandhafer

Im Norden liegt die Ostsee, im Westen die Trave und im Süden die Pötenitzer Wiek. Ein Paradies für Wasservögel, im Frühjahr und Herbst schauen sogar Kraniche vorbei. Der Priwall ist ein recht lauschiges Plätzchen. Es gibt noch viel Natur, zwischen den geschützten Dünen wachsen Sanddorn und Strandhafer. Die Küste lockt zu schönen Wanderungen oder Radtouren bis hinüber zum Nachbarn Mecklenburg-Vorpommern, wo sich ursprüngliche und unverbaute Strandperlen entdecken lassen. Auch am breiten Strand des Priwalls stören keine höheren Bauten die Optik, nichts lugt über die Dünen hervor. Es gibt kein Hotel, nur Ferienhäuser und einen Campingplatz. Ein echtes Kontrastprogramm zum gut entwickelten Seebad Travemünde, das viele Fans hat.

Bei schönem Wetter ist hier ordentlich was los, doch das fällt kaum auf, weil so viel Platz ist. Nicht nur zum Sonnenbaden, auch zum Drachensteigen, Ballspielen und Sandburgenbauen. Am Abend setzt sich dann eine Karawane in Richtung der kleinen Fähre in Bewegung, um wieder zum Ortszentrum von Travemünde überzusetzen. Selbst in der Hauptsaison bilden sich dort keine langen Schlangen. Unermüdlich schippert die kleine Fähre hin und her, nur manchmal muss sie etwas warten, um einer ihrer großen Schwestern den Vortritt zu lassen.
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