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Subtropisches Paradies im brasilianisch-argentinischen Grenzland

Von: Michaela Koller, ddp
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Die breitesten Wasserfälle der Welt: Sie sind zu finden im argentinischen Iguazu-Nationalpark, ein von der Unesco geschütztes Regenwaldgebiet. Foto: ddp

Foz do Iguacu. Im argentinischen Iguazú-Nationalpark, an der Grenze zu Brasilien, bieten Guaraní-Indianer bei trockenem Wetter ihre Waren feil: Rumba-Rasseln, Bogen samt Köcher und Pfeilen, mit naturfarbenen und braunen Fasern umwickelt.

„Die Indianer verwenden die Triebe der Philodendren zum Flechten und Verzieren”, erklärt Reiseleiter Guinter Genehr. Der Brasilianer zeigt den Gästen das Naturschutzgebiet mit den breitesten Wasserfällen der Welt, das zu den klassischen Höhepunkten einer Rundreise durch sein Heimatland gehört. Zugleich ist das von der Unesco geschützte Regenwaldgebiet das Herz des tropisch-paradiesischen Zweistromlandes Argentiniens, zwischen den Flüssen Paraná und Uruguay gelegen.

Nach der Landung auf dem internationalen Flughafen der brasilianischen Stadt Foz do Iguacu und einer kurzen Busfahrt über die argentinisch-brasilianische Grenze steigen die Gäste nun in eine kleine Ökobahn, die sie mitten durch den Nationalpark im Dreiländereck Brasilien, Argentinien und Paraguay führt. Gleich an der nächsten Ecke hinter dem Verkaufsstand der Indianer taucht die Zentral-Station auf. Der letzte Teil der Anreise dauert nur Minuten.

In der durch Regen abgekühlten Luft bläst ein frischer Fahrtwind durch die offenen kleinen Waggons. Ein Zwischenstopp an der „Wasserfall-Station” ermöglicht einen ersten Blick auf die Vielfalt der Fauna mit allein 800 verschiedenen Schmetterlingsarten. Ein goldener Falter mit schwarzer Zeichnung am Flügelsaum und weißen Flecken an der Spitze setzt sich zutraulich saugend auf die Hand.

Prächtige Kappenblauraben nähern sich derart vorwitzig, dass zwei junge Mädchen quiekend flüchten. Richtig dreist sind aber die Nasenbären mit ihren buschigen Ringelschwänzen: Eine Aufseherin mit Gaúcho-Herrenhut vertreibt sie sanft mit der Gerte, sobald sie auf die Esstische springen.

Noch unmittelbarer ist der Kontakt mit der Natur hinter der Endstation der Ökobahn. Eine kilometerlange Brücke führt von dem kleinen Bahnhof über ruhige und klare Flussabschnitte fast direkt oberhalb eines laut tosenden und weiß schäumenden Abgrunds am Rio Iguacu, dem Teufelsrachen. An diesem gewaltigsten der breitesten Wasserfälle der Welt zieht sich ein Regenbogen durch den Sprühnebel, der die inzwischen sehr warme sonnige Luft durchsetzt und erfrischt.

Weiter flussabwärts beobachten Besucher von geteerten Wegen, Hubschraubern oder beim Floating von Schlauchbooten aus, wie sich an noch vielen anderen Stellen das Wasser des Flusses in die Tiefe stürzt. Ein breites Panorama hingegen genießen die Spaziergänger am anderen Ufer, auf der brasilianischen Seite des Naturwunders mit seinen insgesamt 20 größeren und 255 kleineren Wasserfällen.

Ein zweiter Strom fließt durch das Dreiländereck: der Paraná. Brasilien und Paraguay teilen sich den Fluss, der mit einem Wunderwerk der Technik aufwarten kann. Wegen der stetig großen Wassermassen steht dort das leistungsstärkste Wasserkraftwerk der Welt: Itaipú, „singender Fels” auf Guaraní. Es ist von der brasilianischen Stadt Foz do Iguacu sowie über eine Brücke von der paraguayischen Ciudad del Este, dem Schnäppchen-Zentrum für Kunsthandwerk und Elektronik, erreichbar.

Im Jahr 2008 erzeugte es 94,68 Millionen Megawattstunden Strom, die 19 Prozent des gesamten brasilianischen und rund 80 Prozent des paraguayischen Stromverbrauchs ausmachten. Vor einem der weißen Fallrohre an der Staumauer wirkt ein Mensch winzig.

„Rechts von dieser Linie ist Paraguay, links liegt Brasilien”, sagt Vinícius Juliano Foliatti, der dort Besichtigungsgruppen führt. Die Linie, von der er spricht, teilt selbst den zentralen Kontrollraum der 20-Turbinen-Anlage, der rund um die Uhr mit Vertretern beider Grenznationen besetzt ist.

So reibungslos, wie der Schichtwechsel mit paraguayischen und brasilianischen Fachleuten verläuft, ist der Bau des Kraftwerks einst nicht erfolgt: Um dem Stausee zu weichen, mussten 40.000 Guaraní-Indianer ihre angestammte Heimat verlassen und große Flächen subtropischen Regenwaldes abgeholzt werden.

Von der wechselvollen Siedlungsgeschichte der Guaraní seit der Entdeckung der Neuen Welt zeugt eine weitere Attraktion des Dreiländerecks, die gut erhaltenen Schutzgebiete der Jesuiten aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Sie sind stumme Zeugen der damaligen Lebensweise der Guaraní-Indianer, die dort vor dem Zugriff der Sklavenjäger bewahrt blieben.

Noch stehen in Argentinien und Paraguay im Radius von 300 Kilometern um Foz do Iguacu die Ruinen von 21 Jesuitenreduktionen mit Krankenstationen, Schulen, Kirchen, Wohnhäusern und ersten kleinen Industriebetrieben - etwa die der Reduktion Santissima Trinidad in Paraguay, die von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt wurde.

Weite Teile der Heimat der Guaraní-Indianer hätten eines solchen Schutzes bedurft: Vor der Abholzung des Urwaldes ernährte das Volk sich durch Sammeln und Jagd. Nun sind die Indianer oftmals aufs Betteln zurückgeworfen - oder sie verkaufen bestenfalls Kunsthandwerk, wie vor der Zentral-Station des Iguazú-Nationalparks.

Weitere Informationen:

Klima: Zwischen September und Mai subtropisch-warmes Klima, Mückenschutz empfehlenswert. Temperaturen in der kälteren Jahreszeit, wo es nachts zu Tiefsttemperaturen von durchschnittlich fünf Grad kommt, angenehm, aber zu kühl für Rafting oder Kanu-Safaris.

Anreise: Ab Frankfurt nach Foz do Iguacu mit der brasilianischen TAM Linhas Aéreas, umsteigen in Sao Paulo und ungefähr 90 Minuten Anschlussflug. Oder zum Cataratas del Iguazú International Airport auf der argentinischen Seite, mit TAM und Delta Airlines.

Übernachten: Zum Beispiel im Hotel das Cataratas (brasilianische Seite) oder Sheraton Hotel (argentinische Seite) oder im Ort, beispielsweise Mercure Internacional, Rafain Centro.
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