Port of Spain - Schlammschlacht: So feiert man auf Trinidad Karneval

Schlammschlacht: So feiert man auf Trinidad Karneval

Von: Claudia Steiner, dpa
Letzte Aktualisierung:
trinidad
Viel Schlamm und Öl auf der Haut: Nach den Straßenumzügen müssen die Karnevalsfans auf Trinidad meist direkt unter die Dusche. Foto: dpa

Port of Spain. Es ist heiß, es ist laut - es ist Karneval: Auf Trinidad und Tobago in der Karibik dauert die „Greatest Show on Earth” etwa fünf Wochen lang. Noch bis Aschermittwoch - im Jahr 2009 also bis zum 25. Februar - verbringen die Einwohner ihre Zeit mit dem Nähen von Kostümen.

sie stimmen die aus Ölfässern gebauten Steelpans, proben mit ihren Bands und ziehen von einer Party zur anderen.

Während auf der kleineren Insel Tobago die Einwohner den Karneval nicht ganz so wichtig nehmen, brummt auf Trinidad das Leben. „Ich bin wie viele andere hier ein "Party-Tier"”, sagt zum Beispiel die Lehrerin Alison aus der Hauptstadt Port of Spain. „Ich liebe es zu tanzen, und ich laufe auch oft bei Umzügen mit.”

Der Samstag vor dem Rosenmontag steht jeweils im Zeichen des Steelpan-Wettbewerbs „Panorama”, bei dem verschiedene Bands antreten. Bis zu 100 Musiker stehen dann zusammen auf einer Bühne und spielen auf den Stahltrommeln, die wie bei einem Orchester nach Tonhöhen angeordnet sind. Die Inselbewohner sind stolz darauf, dass Steelpans auf Trinidad erfunden worden sind. Die Trommeln sind auch auf Wagen montiert, so dass die Bands bei den Umzügen mitfahren können.

Zuvor haben die Musiker wochenlang auf einem „Pan Yard”, einer Art Trainingsgelände in ihrem Stadtteil, geübt. Der „Panorama”-Wettbewerb ist dann wie ein großes Volksfest: Alle 30 Minuten spielt eine andere Band, die von einer Jury bewertet wird. Die Menschen bejubeln ihre Favoriten, sitzen auf den Tribünen oder im Gras - mit einem Glas Rum und einem Haifisch-Sandwich in der Hand.

Beim „International Soca and Groovy Soca Monarch” treten am Freitag vor Rosenmontag Soca-Künstler gegeneinander an. Soca ist die moderne Form der politischen und sozialkritischen Calypso-Musik, für die es in der Karnevalszeit natürlich ebenfalls einen Wettbewerb gibt.

Außerdem laufen jede Menge Open-Air-Partys, auf denen die Stars der Karibik spielen. Die Sänger holen gerne das eine oder andere knapp bekleidete Mädchen aus dem Publikum auf die Bühne zum „Wining”, einem Tanz, bei dem Männer und Frauen eng umschlungen und in eindeutigen Posen die Hüften kreisen lassen. Touristen sollten - wenn sie die Einheimischen nicht zum Schmunzeln bringen wollen - das „Wining” lieber lassen und stattdessen bei Partys und Umzügen tanzen.

Anders als beim Karneval in Brasilien, wo man einer Samba-Schule angehören muss, kann sich in Trinidad jeder bei einer Band anmelden. Den größten Bands gehören mehrere Tausend Feiernde an. Wenige Tage vor dem Umzug bekommen die Teilnehmer ihr Kostüm, das oft nur aus einem knappen Bikini und Federschmuck oder bei Männern aus einem Lendenschurz und einer Weste besteht.

Bei den beliebtesten Bands muss man mit ein paar hundert Euro Teilnahmekosten rechnen - Getränke und Essen während der Parade sind im Preis inbegriffen.

Bei den Umzügen wird zum „Road March”, dem Karnevalshit der Saison, nach Belieben gestampft, getanzt und gesprungen. Einer der Höhepunkte ist der „Jouvert” am Rosenmontag. Der Begriff kommt vom Französischen „jour ouvert” für Tagesanfang: Passend dazu setzt sich um 4 Uhr der Zug in Bewegung. Bei dieser Straßenparty schmieren sich die Menschen mit Farbe, Schlamm, Schokoladensoße oder Rohöl ein.

Triefend ziehen und tanzen die Menschen bis zum Morgen durch das Zentrum von Port of Spain. „Jouvert” ist ein Karneval auch für die ärmeren Menschen, die kein Geld haben, um sich Federschmuck- und Paillettenkostüme schneidern zu lassen. Zum „Jouvert” sollten Besucher allerdings besser Kleidung anziehen, die sie danach wegschmeißen können. Denn die Feiernden ziehen gerne Zuschauer in die Menge und beschmieren sie mit Schlamm und Farbe. „Es ist eine ziemliche Sauerei, aber es macht Spaß”, erzählt die irische Urlauberin Ilona.

Nach der Parade ziehen müde, mit Schlamm verkrustete Gestalten durch die Straßen nach Hause. Die Hotels richten Außenduschen ein, denn so mit Schokolade bekleckert und mit Öl verschmiert darf kein Gast auf sein Zimmer gehen. Doch Erholungsphasen gibt es beim Karneval auf Trinidad ohnehin kaum.

Schon wenige Stunden nach „Jouvert” setzt sich der Rosenmontagszug in Bewegung. Der Höhepunkt aber ist der Umzug am Dienstag: Tausende Kostümierte ziehen und tanzen dann bei der „Pretty Mas” - so genannt, weil die Kostüme so prachtvoll sind - durch die Straßen. An mehreren Punkten entlang der kilometerlangen Route sitzt eine Jury. Die Preisrichter bewerten nicht nur die Kostüme, sondern auch die Präsentation der Gruppe.

Die besten Kostüme aber wurden schon vorher bei einem Wettbewerb prämiert. Die „Kings” und „Queens” - die „Könige und Königinnen”, die den Gruppen voranschreiten - sind dabei die aufwendigsten: Wochenlang arbeiten die Künstler an den drei bis vier Meter hohen Kostümen, die oft so schwer sind, dass sie auf einem Wagen gezogen werden müssen. Viele Kostüme erzählen eine kleine Geschichte: „Mein Kostüm heißt ,Kakao in der Sonne”, sagt der Designer Danso und erzählt damit auch ein bisschen die Geschichte von den einstigen Kakaoplantagen auf der Insel. Der Designer, der bereits seit seinem 14. Lebensjahr Kostüme entwirft, stammt zwar aus Trinidad, lebt aber in Toronto in Kanada und hat ganze acht Wochen lang an seinem Prachtstück gearbeitet.

Natürlich feiern auch die Kinder in Port of Spain den Karneval mit. Beim „Kiddies Carnival” und „Red Cross Carneval” ziehen Schulen und Gruppen durch die Straßen.

Doch die sind nicht als Cowboy oder Indianer verkleidet, sondern tragen teils ähnlich aufwendige Kostüme wie die Erwachsenen. Mary etwa hat ein goldenes Glitzerkostüm und viele Armreifen angezogen. „Ich liebe den Karneval, ich verkleide mich einfach gerne”, sagt die Elfjährige. Andere Gruppen sind in ein riesiges Fischkostüm gestiegen, das sie zu fünft tragen. Dahinter tanzt eine Gruppe von Bienen mit Riesen-Flügeln.

Daneben gibt es auf Trinidad noch einen ganz anderen Karneval, wie die „Nacht der Blauen Teufel” in Paramin. Das Bergdorf liegt etwa 30 Autominuten von Port of Spain entfernt. Nach Sonnenuntergang kommen am Karnevalsmontag blaue „Teufel” aus ihren Häusern.

Männer und Jungen haben sich entsprechend angemalt. Dann ziehen sie ins Dorf, spucken Feuer, schlagen auf Trommeln aus Keksdosen und pfeifen ohrenbetäubend laut auf Trillerpfeifen. Zu dem Spektakel versammelt sich die ganze Gemeinde. Auf dem kleinen Dorfplatz mit den zwei Geschäften und der Bar werden Bier und gekochte Hühnerfüße verkauft.

Wer keine Farbe der Teufel abbekommen möchte, zahlt einen Dollar, dann ziehen sie lärmend weiter. „Manche Menschen verwandeln sich wirklich in kleine Teufel”, erzählt der Fremdenführer Andrew. „Sie machen ganz verrückte Dinge und beißen zum Beispiel toten Hühnern den Kopf ab. Manche Leute haben deshalb wirklich Angst vor ihnen.”

Am Aschermittwoch ist - wie in Europa - alles vorbei. Dann fliegen die müden Soca-Sänger, Calypso-Musiker und Bikinimädchen aus den Paraden auf die nur 20 Flugminuten entferne Nachbarinsel Tobago. Dort erholen sie sich an einem der Karibikstrände wie dem Pigeon Point.

Oder sie fahren mit einem Glasboot auf das Meer hinaus und schwimmen im „Nylon-Pool”, einem flachen Becken im Ozean. Die Karnevals-Pause währt aber nicht lange: Schon im Sommer beginnen die Vorbereitungen für die nächste „Greatest Show on Earth”. Dann überlegen sich die Trinidader wieder, bei welcher Band sie mitlaufen, welches Kostüm sie tragen wollen und auf welche Partys sie im Karneval gehen werden.

Trinidad und Tobago

Trinidad und Tobago haben zusammen etwa 1,3 Millionen Einwohner und sind die südlichsten Inseln in der Karibik. Trinidad, die größere der beiden mit der Hauptstadt Port of Spain, liegt nur knapp zehn Kilometer von der Küste Venezuelas entfernt.

Die Condor fliegt an jedem Sonntag von Frankfurt/Main nach Tobago. British Airways steuert beide Inseln regelmäßig von London-Gatwick aus an. Für die Einreise brauchen Deutsche einen noch mindestens sechs Monate gültigen Reisepass.

Der Karneval fällt in die Trockenzeit mit Tagestemperaturen von 25 bis 30 Grad. In den Monaten Juni bis September regnet es dagegen viel.

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes ist die Zahl der Gewaltverbrechen in Trinidad und Tobago gestiegen. In Port of Spain rät das Ministerium vom Besuch der Stadtteile Laventille und Morvant ab, auch im Stadtteil Belmont sei Vorsicht geboten. Belanglos erscheinende Streits sollten nicht unterschätzt werden, da es wegen der leichten Verfügbarkeit von Waffen zu schweren Verletzungen kommen kann.

Auch auf Tobago habe die Gewaltbereitschaft zugenommen. Zu besonderer Vorsicht wird alleinreisenden Frauen geraten. Einsame Strände sollten von Urlaubern stets gemieden werden. Auch beim Benutzen von Taxis und Kleinbussen sei mitunter Vorsicht angebracht.

Man spricht Englisch auf Trinidad und Tobago. Viele Einwohner sprechen auch Französisch oder Spanisch.

Für einen Euro gibt es etwa 8,70 Trinidad & Tobago-Dollar (Stand: Januar 2009).

Im Winter die Zeit in Mitteleuropa minus fünf Stunden, während der europäischen Sommerzeit minus sechs Stunden.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert