Schatzinsel für Vogelfreunde: Tiri Tiri Matangi in Neuseeland

Von: Verena Wolff, dpa
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Auckland. Die Regeln sind sehr streng: keine Haustiere, keine Insekten oder Käfer in den Taschen, kein Dreck an Kleidung und Schuhen, keine Samen oder Setzlinge irgendwo im Gepäck.

„Bitte sorgen Sie dafür, dass Ihr Mittagessen in einer Dose aus Plastik oder Metall verstaut ist, und nehmen Sie all ihren Müll wieder mit zurück”, heißt es auf dem Katamaran, nachdem alle Gäste im Hafen von Auckland an Bord sind. Von hier aus geht es nach Tiri Tiri Mantangi, eine Insel im Hauraki-Golf, etwa 4 Kilometer vor der Whangaparaoa-Halbinsel und rund 30 Kilometer entfernt von Neuseelands größter Stadt Auckland.

Dieser kleine Fleck im Ozean misst 220 Hektar. „Pest-free”, also ohne Krankheiten, lebt man dort. Und so soll es auch bleiben - darum die strengen Bestimmungen. Denn Tiri Tiri Matangi ist ein Projekt, auf das die Neuseeländer stolz sind: ein offenes Naturschutzgebiet.

Elf bedrohte Vogelarten haben sich wieder angesiedelt, seit Freiwillige Tausende Bäume pflanzten und die nahezu brachliegende Insel in ein geschütztes Paradies für Naturliebhaber verwandelten. Sogar der Kiwi hat dort wieder eine Heimat gefunden. „In den vergangenen zwei Jahrzehnten sind fast eine halbe Million Bäume gepflanzt worden”, erzählt Robin Child, einer der Freiwilligen, die Touristen über die Insel führen und ihnen Flora und Fauna erklären.

Auch vor dem Projektbeginn hatte die Insel tierische Bewohner: Sie war Farmland, Kühe grasten dort, soviel der Boden hergab. „120 Jahre haben dafür gesorgt, dass 94 Prozent der ursprünglichen Flora abgemäht und entfernt waren”, sagt Robin. Zwischen 1984 und 1994 legten Freiwillige dann in Zusammenarbeit mit der neuseeländischen Regierung den Grundstein dafür, dass die Insel als Naturschutzgebiet heute Besucher anzieht. Erlaubt sind jedoch nur 150 pro Tag. Sie alle kommen per Boot und können auf der Insel übernachten - ohne Strom oder fließendes Wasser. Außer dem Leuchtturmwärter und seiner Familie gibt es keine dauerhaften Bewohner auf dem kleinen Eiland.

Robin, ein drahtiger Mann mit einem weißen Bart, kennt die Insel noch aus den Zeiten, in denen sie nur aus Weideland bestand. „Man kann das fast nicht glauben, was sich hier getan hat”, sagt er. Genau achtet er darauf, dass sich Wanderer nicht vom vorgegebenen Weg entfernen - denn auch das ist eine der Devisen auf Tiri Tiri Matangi: „Schauen, aber nicht anfassen”. Die Entdeckungstour, die Robin durchs dichte Gehölz leitet, ist auf 90 Minuten angesetzt, dauert aber tatsächlich viel länger, weil entweder er oder einer der mitgereisten Vogelliebhaber immer wieder stehenbleibt und Ausschau hält.

In Neuseeland haben aufgrund der langen Isolation der Inseln Vögel überlebt, die es anderswo nicht durch die Jahrtausende geschafft haben. „Aber wir müssen auch weiterhin schauen, dass wir ihnen ein angemessenes Umfeld bieten”, betont Robin. Auf Tiri Tiri Matangi sind daher alle Schädlinge ausgerottet worden - vor allem die Ratten, die sich über die Eier der Vögel hermachten. „Es war durchaus umstritten, dass wir die Ratten mit Ködern gefangen haben”, erinnert sich Robin.

Die Vögel auf der Insel narren gern die Besucher: „Ich habe gerade einen Takahe gehört”, ruft Jim Miller aus Auckland verzückt in die Runde. Die anderen zwölf Besucher sind begeistert, doch Robin Child muss sich das Lachen verkneifen: „Nein”, sagt er, „das war der Tui, der dort oben auf dem Baum sitzt. Er imitiert die anderen Vögel.”
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