Schweinfurt - Quer durchs Maindreieck: Unterwegs auf dem Werntalradweg

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Quer durchs Maindreieck: Unterwegs auf dem Werntalradweg

Von: Jens Golombek, dpa
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Werntalradweg
Abseits des Trubels im Maintal: Der Werntalradweg bietet reizvolle, ruhige Strecken durch eine opulente Landschaft.

Schweinfurt. Die Bezeichnung Fluss mutet übertrieben an: Die Wern mäandert über weite Strecken eher als schmaler Bach durch sanft hügelige Acker- und Wiesenflächen. Sie entspringt wenige Kilometer nördlich von Schweinfurt, plätschert westlich an der Peripherie der unterfränkischen Industriestadt vorbei und kriegt gerade noch die Kurve, um nicht bereits hier vorzeitig in den Main zu münden.

Erst nach 63 gewundenen Kilometern durchs obere Maindreieck vereinigt sich die Wern unterhalb von Gemünden mit ihrem großen Bruder. Radler, die eine ruhigere Alternativstrecke zum Mainradweg bevorzugen, sind mit der Route entlang der Wern bestens bedient.

„Wo ist denn die Wern?” Das fragt sich zunächst manch ratloser Radtourist, der von Würzburg oder Gemünden kommend den Einstieg ins Werntal sucht. Bei Wernfeld gibt ein Wegweiser lediglich die Richtung Schweinfurt an. Die Mündung des Flüsschens verschwindet unter den Brücken von Eisenbahntrasse und Bundesstraße. Kaum hat man in einem Tunnel die lärmenden Verkehrsadern des engen Maintals unterquert, umgibt einen angenehme Ruhe. Von Weiden gesäumt, fließt die Wern gemächlich dahin.

Immer wieder querend, folgt die Radroute dem Wasserlauf meist auf Flurbereinigungswegen, mal direkt am Wasser, dann wieder in Sichtweite entlang eines Höhenzugs. Die Streckenführung spielt dem Radler dabei mehrere Male einen Streich: Schon von weitem sieht der frustriert aufstöhnende Freizeitsportler, wie sich die vermeintliche Route schnurgerade über langgestreckte Hügelkämme zieht - um dann erst kurz vor dem Anstieg in einen fast unsichtbaren Nebenweg in die Ebene abzuzweigen. So hat man sie gern, die Wern.

Vier Kilometer nach der Mündung rückt der erste Höhepunkt der Strecke ins Blickfeld: Auf dem Setzberg wachen die Ruinen der fast 1000 Jahre alten Homburg über den Eingang des Tals. Der Aufstieg zum Hochplateau ist zwar mühsam, aber lohnenswert - nicht nur wegen des Panoramablicks. Mit ihren zerklüfteten Mauern und einem fast noch intakten Rundturm wirkt die zweitgrößte deutsche Burgruine wie die Kulisse eines wildromantischen Schauerromans. Nach einem Brand 1680 verfiel das einst stolze Gemäuer. Jetzt pfeift der Wind durch leere Fensterhöhlen. Ein Ort mit Atmosphäre, den Radler an Wochentagen mitunter ganz für sich allein erkunden.

Rund 15 Kilometer weiter südlich wären die Freiherren von Thüngen über allzu neugierige Besucher weniger erfreut. Das Adelsgeschlecht bewohnt seit dem 16. Jahrhundert das Burgschloss in dem gleichnamigen Dorf, Führungen werden nicht angeboten. Da aber der Wernradweg am Rand der Ortschaft vorbeiführt, sollte man einen kleinen Umweg in Kauf nehmen, um wenigstens einen Blick auf das verschachtelte Ensemble der unterschiedlichen Baustile zu werfen. Der imposanteste Gebäudetrakt, ein neogotischer Anbau aus dem 19. Jahrhundert, ist vom Innenhof aus zu besichtigen.

„Es hat für einen Ort auch seine Vorteile, wenn man etwas abseits der touristischen Hauptverkehrsrouten liegt”, meint Roland Metz, Ex-Bürgermeister des zehn Kilometer weiter östlich gelegenen Arnstein. Der Ort, der 1333 die Stadtrechte erhielt, wurde halbkreisförmig um einen Burgberg angelegt und ist durchzogen von steilen Gassen und Treppen. „Wir haben hier noch viel alte Bausubstanz, die andernorts schon längst abgerissen worden wäre.”

Wie zum Beispiel die Arnstädter Synagoge in der Goldgasse. Derzeit bemüht sich ein Förderverein um die originalgetreue Wiederherstellung des Gebäudes. In der Nachkriegszeit wurde die Synagoge als Wohnhaus genutzt und der Gebetsraum durch das Einziehen mehrerer Zwischendecken verschandelt. Roland Metz tastet sich vorsichtig auf einer engen Stiege durch den Bauschutt und zeigt nach oben: „Das ist der Arnsteiner Himmel.” Über dem Besucher wölbt sich das Firmament einer blauen Decke mit goldenen Sternen. Deutlich ist eine den Raum umfassende Zierleiste mit Ornamenten zu erkennen. Man darf gespannt sein, wie dieses baugeschichtliche Kleinod nach seiner Restaurierung aussehen wird.

Vor Arnsteins Toren fließt die Wern vorbei an der spätgotischen Wallfahrtskirche Maria Sondheim. Die Landschaft wird nun flacher, das Tal weitet sich. Der Main ist nicht mehr fern. Bevor der kleine Fluss in einer weiten Kurve nach Norden abbiegt und in Richtung Quelle auf einem begradigten Stück im Schweinfurter Umland zum Rinnsal wird, führt er den Radfahrer noch zu einem grandiosen Bauwerk.

Im Städtchen Werneck ließ der Würzburger Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn vom berühmten Baumeister Balthasar Neumann in den Jahren 1733 bis 1745 eine Sommerresidenz errichten. Knapp 60 Jahre später machte die Säkularisierung dem kirchlichen Prunk ein Ende. 1853 wurde das Schloss zu einer Heil- und Pflegeanstalt für psychisch Kranke umgebaut. Diese Funktion hat Werneck bis heute und ist damit eine der ältesten Kliniken Deutschlands - mit einem düsteren Kapitel: 1940 wurden auf Befehl des mainfränkischen Gauleiters Otto Hellmuth 777 Patienten des Krankenhauses in andere Anstalten verlegt und dort ermordet.

Von Wernecks barocker Innenausstattung blieb nach den Umbauten des 19. Jahrhunderts nur wenig erhalten. Für Besucher zugänglich sind die Schlosskirche im linken Seitenflügel des Gebäudes und der schöne, im Stil eines englischen Landschaftsparks umgestaltete Schlossgarten mit Sichtachsen, Seen und altem Baumbestand. Hier heißt es Abschied nehmen von der Wern.

Wer die Tour de Barock fortsetzen will, muss nur fünf Kilometer weiter ins Maintal hinunterradeln. Dort liegen flussaufwärts Bamberg, die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen und Schloss Banz. Oder man folgt in entgegengesetzter Richtung den Spuren Balthasar Neumanns zur Würzburger Residenz und fährt dann weiter zum Ausgangspunkt Gemünden. Vielleicht übersieht man die Wernmündung diesmal nicht mehr so leicht.

Informationen:

Touristik Service Zentrum Schweinfurter Land, Schrammstraße 1, 97421 Schweinfurt (Tel.: 09721/55685); Marktgemeinde Werneck, Balthasar-Neumann-Platz 8, 97440 Werneck (Tel.: 09722/220); Gemeinde Arnstein, Marktstraße 37, 97450 Arnstein (Tel.: 09363/801 16).

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