Rom - Pilgerreisen und „spirituelle Angebote” boomen

Pilgerreisen und „spirituelle Angebote” boomen

Von: Bettina Gabbe, epd
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Rom. Die Wirtschaftskrise trifft auch den Tourismus. Auf einer noch bis zum Sonntag dauernden Messe für „spirituelle Reisen” in Rom indes geben sich die Veranstalter zuversichtlich. „Wer nach Lourdes fährt, tut das auch in schlechten Zeiten”, sagt Antonio Visconi von Italiens Spartenführer „Opera Romana Pellegrinaggi”.

Vor allem unter jungen Leuten verzeichnet das italienische Pilgerreisewerk stetig wachsenden Zuspruch. „Viele, die ursprünglich nur nach Lourdes fahren, um die Großmutter zu begleiten, kommen dort auf den Geschmack”, erzählt Don Danilo D Alessandro, der mit Lederjacke und offenem Hemdkragen auf den ersten Blick nicht wie ein Priester wirkt.

Traditionelle Pilgerreiseziele wie Rom, Lourdes und Santiago de Compostela erfreuen sich nach Angaben von Veranstaltern wachsenden Zustroms. Auch Israel verzeichnete im vergangenen Jahr einen Besucherboom. Die Mehrheit komme aus religiösen Gründen, sagt Noga Sher-Greco vom israelischen Tourismusministerium. Knapp drei Millionen Reisende wurden gezählt, 20 Prozent mehr als im Vorjahr.

Deutsche Reisende seien eher auf der Suche nach dem neuen Israel, meint die Tourismusexpertin. Sie interessierten sich vor allem für das Leben im Kibbuz, die Strände von Eilat und das Holocaust-Museum in Jerusalem. Die jüngste Gewalt im Gazastreifen indes führte zu einem spürbaren Rückgang an Buchungen. Dabei lägen die Urlaubsgebiete weit ab von Gaza, sagt Sher-Greco.

Vom Boom der Pilgerreisen profitiert auch die Türkei. Religiöse Rundreisen führen von den großen Moscheen in Istanbul bis nach Ephesus, wo das Haus steht, in dem die Gottesmutter Maria bis zu ihrem Tod gelebt haben soll. Das angebliche Johannesgrab wird dort seit dem 2. Jahrhundert verehrt. Zudem fand 431 in Ephesus das dritte ökumenische Konzil statt. Religiöser Tourismus konzentriert sich in der Türkei damit auf Orte des frühen Christentums wie Tarsus, den Geburtsort des Apostels Paulus.

Neben klassischen Pilgerstädten setzt die Fremdenverkehrsindustrie auch in lateinamerikanischen Ländern wie Argentinien zunehmend auf das religiöse Interesse von Urlaubern. So wirbt die westliche Provinz Neuquén im Norden von Patagonien zwar nicht mit antiken Kirchen, aber mit christlichen Feiern. Zum Fest des Heiligen Sebastian pilgert Ende Januar die Bevölkerung der umliegenden Städte vielfach zu Fuß, auf dem Pferd oder auf Fahrrädern bis zu über hundert Kilometer in das Dorf Las Ovejas.

Religiöser Tourismus spült nicht nur Hotel- und Restaurantbesitzern Geld in die Kasse. Auf der vom römischen Pilgerreisewerk veranstalteten Messe demonstrieren das eindrücklich Stände mit Souvenirs aller Art: von Madonnenbildern von Sandro Botticelli und katholischen Rosenkränzen aus Plastik oder Glas bis zu russisch-orthodoxen Rosenkränzen aus Holz. Der Vatikan ist mit seiner Münz- und Briefmarkenabteilung vertreten.

Laut Chef-Numismatiker Pier Paolo Francini bestreitet diese den drittgrößten Posten im Staatshaushalt. „Wir geben bis zu 13 Briefmarkenserien und Münzen im Originalwert von einer Million Euro pro Jahr heraus”, erklärt er den hohen Umsatz. Damit erwirtschaftet der Vatikan bis zu 14 Prozent seiner Einnahmen. Sammler treiben die Preise der vatikanischen Sonderserien sofort nach ihrer Ausgabe in die Höhe. Doch daran verdiene der Vatikan nicht mit, betont der Leiter des Philateliebüros.
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