München - Parkplatz Autobahn: Bei einem Stau droht die meiste Gefahr von hinten

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Parkplatz Autobahn: Bei einem Stau droht die meiste Gefahr von hinten

Von: Norbert Michulsky, dapd
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München. Häufig sind es Baustellen, manchmal „Elefantenrennen” von Brummis. Selbst plötzlich auftretende Wetterphänomene können Auslöser sein. „Staus entstehen abrupt und haben die unterschiedlichsten Ursachen”, sagt Philip Puls von TÜV Süd in München.

Er appelliert deshalb an alle Autofahrer: „Immer auf den Stau gefasst sein und die anderen Verkehrsteilnehmer im Blick haben, selbst wenn es gerade gut läuft.” Zu viel Tempo, zu wenig Abstand, geringe Aufmerksamkeit - der Dreiklang fahrerischen Fehlverhaltens kann tragisch enden.

Einem Stauende sollte man sich vorsichtig nähern, empfiehlt Puls, degressiv - also erst stärker und dann leichter - abbremsen und das Fahrzeug ausrollen lassen. „Spätestens jetzt ist es an der Zeit, den nachfolgenden Verkehr mit höchster Aufmerksamkeit zu beobachten, denn die größte Gefahr im Stau droht von hinten”, sagt Puls.

Er rät, sich mit dem eigenen Fahrzeug ganz leicht in Richtung seitlicher Begrenzung zu orientieren - auf dem Mittel- und rechten Streifen nach rechts, auf dem linken Streifen nach links. Dazu sollten ein bis zwei Fahrzeuglängen Abstand zum Vordermann eingehalten werden. „Nur so hat man die Chance zu reagieren, wenn der Fahrer hinter einem das Stauende übersehen hat”.

Den Einsatz der Warnblinkanlage sieht Puls differenziert. Einerseits sei der Einsatz sinnvoll, wenn man sich dem Stauende nähere und dieses an einer unübersichtlichen Stelle sei. Andererseits könne zu frühzeitiges Einschalten - etwa bei einer Verlangsamung des Verkehrsflusses - dazu führen, dass der rückwärtige Verkehr unnötig stark abbremse.

Steht man erst einmal im Stau, empfiehlt der TÜV-Süd-Experte, unbedingt den Motor abzuschalten, selbst bei kurzen Wartezeiten. Rollt der Verkehr wieder an, sollte der Abstand zum Vordermann bei ein bis zwei Fahrzeuglängen liegen. Ganz wichtig im Stau ist: „In der Mitte der zwei Fahrstreifen muss unbedingt eine Rettungsgasse frei sein.

Hier nicht entsprechend zu handeln, heißt Menschenleben zu riskieren”, betont Puls. Dazu gilt die Regel: Bei drei Fahrspuren und mehr muss die Rettungsgasse zwischen dem linken äußeren und dem zweiten Fahrstreifen von links gebildet werden. Eine bereits gesicherte Unfallstelle sollte man zügig passieren, denn Gaffen verursacht erfahrungsgemäß wieder Stau.

Von links nach rechts und wieder zurück: So kommt niemand schneller voran. Zahlreiche Studien belegen: Selbst wer dauernd die Spur wechselt, fährt mit denselben Nachbarn aus dem Stau heraus, mit denen er hineingeraten ist. Kein Problem ist es dagegen, bei zähfließendem Verkehr Autos auf der linken Spur zu passieren.

Bei Stau und Schlangenbildungen auf allen Fahrstreifen darf auch rechts schneller als links gefahren werden. „Bilden sich auf der Autobahn Kolonnen und liegt die Geschwindigkeit bei etwa 60 Kilometer pro Stunde, darf ich auf der rechten Spur mit entsprechender Vorsicht auch schneller, allerdings nicht viel schneller als links fahren”, skizziert der auf Verkehrsrecht spezialisierte Rechtsanwalt Michael Winter die Grenzen des Erlaubten.

Absolut tabu ist hingegen, die Standspur als Ausweg aus dem Gedrängel zu wählen. Entgegen den Gepflogenheiten vieler Autofahrer ist es nicht legitim, bei Stau die letzten Kilometer vor einer Ausfahrt über die Standspur zurückzulegen. „Die Standspur ist tabu und darf nur auf polizeiliche Anweisung als Fahrstreifen benutzt werden oder - wie beispielsweise auf der A 8 vor Holzkirchen - in Ausnahmefällen mit entsprechender Beschilderung”, erläutert Maximilian Maurer vom ADAC.

Handelt es sich nicht um eine mehrstündige Sperrung wegen eines Unfalls, bringt das Umfahren von Staustellen über Nebenstrecken wohl nichts. „Meist sind Nebenstrecken und Ortsdurchfahrten mindestens so verstopft wie die Autobahnen”, sagt Puls.
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