Baiersbronn - Neuer Etappen-Wanderweg durch den Lieblingswald der Deutschen

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Neuer Etappen-Wanderweg durch den Lieblingswald der Deutschen

Von: Sebastian Schöbel, ddp
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Schwarzwald / Wandern
Wanderer rasten am Ellbachsee (Gemeinde Baiersbronn) im Schwazwald (Foto undatiert). Die Roemer fuerchteten ihn, die Germanen machten ihn zu ihrem Zuhause: den Schwarzwald. Erst holzte der Mensch ihn für die Industrialisierung ab, dann forstete er den Wald wieder auf, um sich in ihm vom Stress des modernen Alltags zu erholen. Ein neuer Etappen-Wanderweg rund um Baiersbronn macht dieses Mit- und Gegeneinander von Mensch und Natur im Schwarzwald nun noch erlebbarer als je zuvor. Foto: ddp

Baiersbronn. Die Römer fürchteten ihn, die Germanen machten ihn zu ihrem Zuhause: den Schwarzwald. Erst holzte der Mensch ihn für die Industrialisierung ab, dann forstete er den Wald wieder auf, um sich in ihm vom Stress des modernen Alltags zu erholen. Ein neuer Etappen-Wanderweg rund um Baiersbronn macht dieses Mit- und Gegeneinander von Mensch und Natur im Schwarzwald nun noch erlebbarer als je zuvor.

Auf dem 84 Kilometer langen „Seensteig” lernen Besucher eine vielfältige, urwüchsige Landschaft kennen, in der auch der Mensch nach langer Suche seinen Platz gefunden hat.

Zum Aufwärmen geht es von Baiersbronn zunächst rund einhundert Höhenmeter hinauf zum Sankenbachsee, wo die Enten schon auf fütterfreudige Touristen warten. Wen die vorwitzigen Tiere und die gelegentliche Schlange aus dem benachbarten Moor nicht stören, kann sich hier einen Grillplatz am Seeufer mieten.

Heute aber geht die Wanderung schnell weiter, zum Sankenbach-Wasserfall, an dem man das Flusswasser aufstauen und mit einem Zug am Schleusentor eigenhändig in hohem Bogen ins Tal schicken kann. „Die Kinder lieben es, ganz früh am Morgen hier als erste raufzuklettern, dann lohnt es sich richtig”, erzählt Wanderführer Frank Gaiser, der seinen schwäbischen Dialekt nicht nur im tiefen Wald, sondern auch im Baiersbronner Mundart-Theater „Neue Studiobühne” zum Besten gibt.

Rund 300 Höhenmeter später knurrt schon der Magen,und so bietet sich ein Abstecher zur wohlverdienten Mittagspause in der Kniebishütte an. Mit schwäbischen Maultaschen gestärkt geht es danach steil hinab zum Ellbachsee, einem Relikt der letzten Eiszeit, das sich der Wald inzwischen größtenteils zurückerobert hat. Der angenehme Duft von Mädesüß, auch als Fieberkraut bekannt, liegt im ganzen Tal.

An dieser Stelle ist ein kräftiger Schluck Obstbrand aus heimischer Herstellung gefragt, als Mutmacher für den steilen „Abenteuerpfad”. Hier kommt man in Berührung mit den Folgen des Orkans „Lothar”, der 1999 weite Teile des Schwarzwaldes völlig verwüstete. Früher stopfte man Löcher, wie „Lothar” sie in die Hänge schlug, mit schnell wachsenden Fichten. Doch inzwischen haben die Schwarzwälder gelernt, den Selbstheilungskräften der Natur zu vertrauen: Zwischen Bäumen, die der Orkan wie Streichhölzer abknickte, wächst inzwischen ein üppiger Jungwald heran, der lediglich den Heißhunger der Rehe zu fürchten hat.

Hin und wieder nimmt der Auftritt des Menschen in der Natur des Schwarzwaldes regelrecht absurde Züge an. Nirgendwo wird das so deutlich wie am 1055 Meter hohen Schliffkopf, dem Revier von Naturschutzwart Jörg Klüber. Der Schliffkopf-Ranger berichtet, wie der Gipfel im Zweiten Weltkrieg als Stellung für Flugabwehrgeschütze diente. „Nach dem Krieg”, berichtet Klüber amüsiert, „besetzte ein Stuttgarter den Bunker hier oben, als Wochenendhäuschen.” Heute finden auf dem Gipfel ökumenische Gottesdienste im Freien statt, während Hasen das bunte Treiben der zweibeinigen Besucher zwischen gelb leuchtenden Hahnenfüßen und hellblauen Vergissmeinnicht verfolgen.

Die Langohren haben in den Bannwäldern entlang des Schliffkopf ein ideales Zuhause gefunden: Zwischen knochenweißen Stümpfen und toten Wurzeln wachsen wilde Beeren und junge Bäume und der Wald kehrt Stück für Stück zu seiner ursprünglichen Form zurück. Nur wenige Meter vom Weg entfernt nisten sogar Auerhähne, auf deren Ansiedlung Klüber ganz besonders stolz ist. Vor allem wegen der sensiblen Tiere will der Naturschützer nicht, dass „Gestaltungseuphoriker”, wie Klüber sie nennt, in den Bannwald eindringen, um Baumpilze und Wurzeln einzusammeln.

Weiter nördlich am Mummelsee, einer berühmten Touristen-Falle, kann man den Besuch im Kuckucksuhr-Laden getrost zugunsten eines letzten Aufstiegs auf die Hornisgrinde streichen. „Der Atlantikwind schafft es von der französischen Küste ungehindert bis dort oben”, schwärmt Wanderführer Gaiser. Während man an klaren Tagen vom ehemaligen NATO-Horchposten auf dem Gipfel das Straßburger Münster und die Vogesen erkennen kann, nutzen über einem die Vögel den Luftstrom, um sich mit gewagten Flugmanövern bis weit ins Elsass tragen zu lassen.

Den perfekten Abschluss des Wanderurlaubs bildet die Etappe von Schönmünzach nach Baiersbronn. Hier wird der Weg zum Lehrpfad, führt vorbei an Spuren der menschlichen Nutzung des Schwarzwaldes: In Salbeöfen wurden natürliche Heilmittel hergestellt, an Schwallstuben stauten einst Flößer die Bäche, um Holz ins Tal zu schwemmen. Am Ende der letzten Kilometer wartet zur Belohnung der Blick auf das wunderschöne Tonbachtal, das im Licht der untergehenden Sonne einen beinahe mystischen Glanz bekommt.
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