Yellowknife - Naturspektakel für kältefeste Nachteulen: Nordlichter in Kanada

Naturspektakel für kältefeste Nachteulen: Nordlichter in Kanada

Von: Verena Wolff, dpa
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Ein Spektakel nicht nur für Hobbyfotografen - wann und wo über der kanadischen Wildnis die Nordlichter auftreten, lässt sich allerdings nicht exakt vorhersagen. Foto: dpa

Yellowknife. Miyu kommt den ganzen Abend nicht aus dem Staunen heraus. Es ist schon seit vielen Stunden dunkel im Norden Kanadas, und es ist eiskalt in dieser Winternacht - um minus 40 Grad zeigt das Thermometer an.

Doch die Kälte schreckt die zierliche Frau aus Tokio nicht. Was sie am Himmel sieht, ist Entschädigung für alles Frieren auf ihrer Reise. Denn langsam gehen gerade über den Northwest Territories die Nordlichter auf: grüne Schleier, zu denen sich bei guten Bedingungen rote Streifen gesellen. Ist die Luft geladen, sind die Voraussetzungen für diese Lichter optimal - dann tanzen sie.

Aurora Borealis heißen die Nordlichter, die während des gesamten Winterhalbjahres am Himmel zu sehen sind - am besten in tiefster Nacht. „Man kann nie sagen, wann sie kommen und wie stark sie leuchten”, sagt „Buffalo Mike”, einer der wenigen Einheimischen unter den asiatischen Himmelsguckern, die sich an diesem Abend im Aurora Village, einer Zeltstadt außerhalb von Yellowknife, versammelt haben.

Besonders für Japaner sind die Lichter, die durch das Auftreffen geladener Sonnenwind-Teilchen auf die Erdatmosphäre an den Polen entstehen, eine besondere Faszination. „Wir wachsen mit Geschichten über die Nordlichter auf”, sagt Miyu. Daher sei es der Traum fast jedes Japaners, diese Lichter einmal am Sternenhimmel zu erleben.

In den Northwest Territories - einem Teil Kanadas, der am Rande der Arktis liegt - sind die natürlichen Bedingungen besonders gut. Die Temperaturen aber können recht ungemütlich werden, dazu weht der Wind oft stark. Gefühlt fallen die Werte dann um weitere zehn Grad - das reicht, um mit der Nase an der Kamera festzukleben oder binnen weniger Minuten Erfrierungen an der nackter Haut zu bekommen.

Aber die Kanadier sind auf ihre Winter vorbereitet, die mindestens bis April dauern. „Gute Kleidung ist das Wichtigste”, sagt Carlos Gonzales, den auch im Winter nichts in seinem Haus hält. Warme Wäsche und Hosen, schwere Filzstiefel mit Kautschukfuß und Daunenmäntel mit fellbesetzten Kapuzen - das ist die Kleidung, die man auf den Straßen am häufigsten sieht. Und die Kälte ist trocken. „Dadurch wird man sofort wieder warm, wenn man in ein geheiztes Haus kommt.” Der Nachteil der Trockenheit: Die Haut muss oft eingecremt werden, und zwar mit Fettcremes, denn wasserhaltige frieren sofort fest.

Carlos größter Spaß ist es, Touristen auf ein Schneemobil zu setzen und mit ihnen über den zugefrorenen Great Slave Lake zu fahren. Dieser gut 27.000 Quadratkilometer große See ist mit einer Tiefe von bis zu 614 Metern der tiefste Nordamerikas. Im Winter ist er zu großen Teilen zugefroren. „Die Eisschicht kann bis zu zwei Meter dick werden”, sagt Carlos.

Damit trägt der See nicht nur die Fahrer, die mit den 125 PS starken Maschinen über die Schnee- und Eisfläche fliegen. Das Eis ist auch eine wichtige Lebensader für all jene, die in den Diamantenminen arbeiten.

Im Winter werden auf dem See Straßen planiert, die breit wie Autobahnen sind. Der Verkehr ist rege, vor allem Lkw-Konvois gibt es viele. „Sie bringen Vorräte für das ganze Jahr in die Minen”, sagt Carlos. Damit das Wasser unter der Eisschicht nicht zu viele Wellen schlägt und Risse an der eisigen Oberfläche verursacht, dürfen die Laster allerdings nur noch mit zehn Stundenkilometern über das Eis schleichen - damit brauchen sie für ihre Tour eine halbe Ewigkeit.

Yellowknife kam vor rund 50 Jahren zu Ruhm und Reichtum, als Abenteurer in den Minen nach Gold suchten. „Hier gab es wesentlich mehr Gold als am Klondike”, sagt Stadtsprecher Jon Bass. Die Vorräte waren zwar bald erschöpft - doch da gab es noch einen Geologen, der davon überzeugt war, dass es in der Region Diamanten geben muss. Er suchte viele Jahre lang, wurde schließlich fündig - und erzählte drei Jahre lang niemandem von seinem milliardenschweren Fund. Inzwischen sind drei Diamantenminen in Betrieb und fördern die Edelsteine.

Wer in den Northwest Territories unterwegs ist, trifft oft stundenlang keinen Menschen. In den flachen Kiefernwäldern entlang der Straßen allerdings lauern Gefahren - zumindest für Touristen aus der Stadt. Wildbüffel, Elche, Karibus, Luchse, Schneefüchse, Wölfe, Bären sind für die Einheimischen dagegen Teil des täglichen Lebens. Elch-Burger, Karibu-Hackbraten, Bison-Suppe und getrocknetes Fleisch der arktischen Fische gehören zum Speiseplan, denn viele Menschen hier jagen und verarbeiten Fleisch und Felle.

„Buffalo Mike” hat sich in Sachen Lebensart auch einiges von den Indianern abgeschaut: Er trägt eine Lederkappe mit Fell und Handschuhe, die so groß sind wie Einkaufstüten. Diese Handschuhe sind während der Nordlicht-Beobachtung der Clou der Nacht: Alle Japaner wollen sich mit Mike und seinem Outfit fotografieren lassen.

Noch interessanter finden sie aber, was er zu erzählen hat. Seine Handschuhe seien aus dem Fell eines Wolfes, den er selbst geschossen habe, und eine Näherin habe daraus weiche Handschuhe gemacht. „Sie halten viele Jahre, und ich hatte noch nie kalte Hände darin.”
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