Natur-Urlaub - Arbeit und Muskelkater inklusive

Von: Elke Silberer, dpa
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Sibylle Wolfram schält im Nationalpark Eifel Rinde von einer Fichte. Im Rahmen freiwilliger ökologischer Arbeitseinsätze verbringen Menschen ihren Urlaub mit Arbeiten in der Natur. Foto: Oliver Berg, dpa

Gemünd. Andere Menschen in seinem Alter verbringen ihren Urlaub faul am Strand, lassen sich im Wellness-Hotel verwöhnen, gehen vielleicht noch gemütlich wandern. Rainer von Hoegen steht im Wald an einem Hang, auf dem gefällte Fichtenstämme wie Mikadostäbe liegen.

Der 56-Jährige schält von einem Stamm die Rinde ab. Ein mühsames Geschäft, ein bisschen wie Tapete abkratzen. Der Schweiß rinnt. „Abends ist man fix und fertig”, sagt der IT-Mann aus dem rheinischen Wülfrath und grinst zufrieden. Mit seiner Frau Jutta macht er eine Woche Urlaub in der Eifel - als Arbeitseinsatz im Nationalpark bis diesen Samstag.

Der Verein „Bergwald-Projekt” (Würzburg) kümmert sich um Schutz, Erhalt und Pflege vor allem von Bergwäldern. Dazu organisiert er europaweit freiwillige ökologische Arbeitseinsätze. Die Teilnehmer müssen schon eine Portion Idealismus mitbringen. Sie nehmen Urlaub, reisen auf eigene Kosten an, arbeiten täglich sieben Stunden lang in der Natur, übernachten in einfachen Quartieren. Eine Reise zurück zu den Basics ohne Schnickschnack.

Iris Marx (55) recht frisch geschnittenes Gras auf einer Pfeifengraswiese zusammen. „Das ist eine sinnvolle Arbeit”, sagt die Allgäuerin. Auch ihr rinnt der Schweiß übers Gesicht. Von Urlaub „opfern” kann für sie keine Rede sein.

Die 19 Männer und Frauen kommen aus allen Teilen Deutschlands. Der Altersdurchschnitt der bunt zusammengewürfelten Truppe liegt bei 42 Jahren. Um 6.00 Uhr morgens geht der Wecker. Frühstück. Sieben Stunden lang schweißtreibende Arbeit im Wald, Muskelkater inklusive. Danach Duschen, lecker essen, quatschen, und dann rechtschaffen müde ins Bett.

„Hier ist viel zu tun. Wir haben alle das Gefühl gebraucht zu werden und dass wir keine Touristentruppe sind”, sagt von Hoegen. Gerd Ahnert hat erklärt, worum es geht. In dem jungen von Fichten dominierten Nationalpark werden die Weichen für die Entwicklung zum Buchenwald gestellt. Stellenweise werden Fichten gefällt und nicht wie in anderen Wäldern ordentlich weggeräumt.

„Wir wollen einige Fichten liegenlassen”, sagt der stellvertretende Leiter des Nationalparks. Totholz ist Lebensraum für viele Spezialisten wie für den Werftkäfer. Die Rinde der gefällten Bäume ist aber gleichzeitig Brutraum für den Borkenkäfer.

Für den Nationalpark mit dem Leitgedanken „Natur Natur sein lassen” akzeptabel, für die Waldnachbarn ein Horror. Deshalb kommt die Rinde ab. „Das ist reine Handarbeit. Die können wir uns als Nationalpark nicht leisten”, sagt Ahnert. Ohne die Helfer wäre das Totholzprojekt tabu, die Stämme müssten weggeräumt werden.

Ortswechsel zu einer Pfeifengraswiese. Diese Wiesenart ist selten geworden. Die Bauern können mit dem Gras nichts mehr anfangen. Das Mähen auf dem huckeligen Gelände ist so beschwerlich, dass die Bauern selbst bei Bezahlung abwinken. Die Wiesen verschwinden und mit ihnen der bedrohte Mädesüß-Perlmuttfalter. Mit seiner Motorsense durchschneidet Ranger Marco das Gras und die Stille.

Tobias Härtl wartet auf seinen Studienplatz. Der 27-Jährige spendiert die eine Woche auch nur, weil es bei der Bahn einen Sparpreis gab. Er greift in einen Haufen mit frisch geschnittenem Gras. „190 Euro allein für die Fahrt, das wäre dann doch des Guten zu viel”, sagt er.

In den Alpen kennt er sich aus, in die Eifel will er mal reinschnuppern. Sein erstes Fazit: „Wenig Fels, viel Wald”; und Wasser - naja, das sucht er noch. Vielleicht will er am Abend noch zum Rursee.

Am Abend kocht die Anna (Helms/27), eine erfahrende Bergwald-Frau: „Vollwert und vegetarisch. Man kann auch satt werden, ohne dass es jeden Tag Schnitzel gibt.” Eine Ausnahme macht sie am Freitag dann doch: Gerd Ahnert spendiert einen Wildschweinbraten.

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