Mit GPS auf Deutschlandreise: Geocaching als Urlaubstrend

Von: Nadia-Maria Chaar
Letzte Aktualisierung:
Geocache
Schatz gefunden: Nun tragen sich die erfolgreichen Geocacher in das Logbuch ein. In größeren Caches liegen manchmal kleine Geschenke. Foto: dpa

Kassel/Papenburg. Schnitzeljagd war gestern - heute ist Geocaching angesagt. Die High-Tech-Schatzsuche mittels GPS-Empfänger hat sich sogar zum Urlaubstrend gemausert: Viele Touristenregionen schicken ihre Besucher inzwischen mit Satellitenunterstützung auf Erkundungstour.

Eine kleine Gruppe stapft durch Papenburg im Emsland. Ihr Ziel ist ein Cache, ein wetterfester Behälter mit einem Logbuch. Keine Stadtkarte, sondern ein GPS-Empfänger weist ihnen piepend den Weg. „N 053.05.170 E 007.23.150” steht schließlich im Display. Und „Sie haben ihr Ziel erreicht.”

Die Gruppe steht am Papenburger Zeitspeicher. Auf dem Gelände produzierte einst die Meyer Werft. Heute steht hier das Stadtmuseum. In einem unbeobachteten Moment heben die Schatzjäger den Cache aus dem Versteck. Es ist eine Filmdose, der zweitkleinste Cache der Kategorie Micro. Kleiner ist nur noch der Nano. Daneben gibt es noch die Größen Small, Regular und Large, die neben dem Logbuch auch Platz für Tauschgegenstände bieten. Oft handelt es sich um Tupperdosen.

„Geocaching ist eine moderne Mischung aus Schatzsuche und Schnitzeljagd”, erklärt Jörg Bertram, Geschäftsführer der Deutschen Wanderjugend mit Sitz in Kassel. Die Koordinaten der Verstecke werden mit Hinweisen zu den Schätzen auf Geocaching-Portalen im Internet hinterlegt. 120.000 Caches gibt es laut Bertram schon in Deutschland. Versteckt werden sie von Geocachern für Geocacher.

Längst nutzen auch touristische Anbieter die High-Tech-Schatzsuche vermehrt, um Freizeitangebote interessanter zu machen - so auch die Papenburg Tourismus GmbH. „Wir bieten Rund um Papenburg schon seit 2005 an”, erzählt Patrick Anneken von der Tourismusgesellschaft. Die Radtour ist ein Multicache, eine Serie, die aus vielen Caches besteht und auf 30 Kilometern Wegstrecke verteilt ist. „An zwölf Sehenswürdigkeiten haben wir Caches gelegt”, sagt Anneken.

„Rund 45.000 aktive Geocacher gibt es in Deutschland”, schätzt Wanderjugend-Geschäftsführer Bertram. Viele haben sich auf Geocaching-Portalen angemeldet. Doch das ist kein Muss. „Bei opencaching.de muss man nicht registriert sein”, erklärt Bertram. Auf dem Portal kann man Caches gezielt nach Stadt, Land oder Region suchen. Wer etwa seine Ferien auf Sylt plant, kann aus mehr als 80 Caches mit verheißungsvollen Namen wie „Kurz vor dem Kliff” oder „Sailors only” wählen.

Unter dem Menüpunkt „neueste Caches” sind Inspirationen für einen Kurztrip zu finden. Etwa der „Schatz der Tafelrunde”. Die Koordinaten „N 48° 50.633 E 008° 41.765” führen potentielle Schatzsucher etwa nach Pforzheim in Baden-Württemberg. „Spaß an der Sache, Zeit, etwas zum Schreiben und Wasser”, müssen für die Tour auf Ritterpfaden dabei sein, schreibt der Geocacher, der den Schatz versteckt hat.

Ein GPS-Empfänger gehört zur Standard-Ausrüstung. „Preiswerte Geräte gibt es ab 90 Euro”, sagt Bertram. Auch viele neue Mobiltelefone haben ein GPS integriert, und oft verleihen Städte oder Tourismusregionen Geräte. „Wer kein GPS-fähiges Gerät besitzt, kann sich das bei uns für drei Euro je vier Stunden ausleihen”, erklärt zum Beispiel Mandy Neumann von Thüringen Tourismus in Erfurt.

Die thüringische Landeshauptstadt schickt ihre Besucher unter anderem per Satellit durch die Altstadt. „Die Besucher müssen Quizfragen beantworten, um an die Koordinaten zu kommen”, sagt Neumann. Nur wer weiß, wer einst aus dem Fenster des Erfurter Hofs gewunken hat, bekommt die nächsten Wegpunkte und so alle Sehenswürdigkeiten vom Luther-Denkmal bis Krämer-Brücke zu sehen.

Wer einen Cache gehoben hat, trägt sich in das Logbuch ein. Oft liegen kleine Gaben in den Caches. Hier gilt die Regel: Man nimmt etwas heraus und legt etwas anderes dafür hinein, damit die Nächsten nicht in eine leere Dose gucken.

Doch nicht der Schatz, sondern der Weg ist das Ziel. Oft liegen die Verstecke abseits der Wege. „Es ist eine besondere Motivation nicht nur zum Aussichtspunkt A und B zu wandern, sondern auch ein wenig Abenteuer zu erleben”, erklärt Bertram.

Felsspalten, abgelegene Höhlen, Schluchten oder Geröllhalden sollten Geocacher aber meiden. Diese bieten zwar extra Nervenkitzel, können allerdings schnell zur Falle werden. „Vielen Geocachern ist nicht bewusst, dass sie sich und ihre Kinder in Lebensgefahr bringen”, warnt Andreas Kiefer vom Naturschutzbund Deutschland (NABU).

„Problematisch ist auch, dass Lebensräume von bedrohten Tier- und Pflanzenarten beeinträchtigt werden”, erläutert Kiefer. Naturschützer appellieren daher an das Umweltbewusstsein: Baum- und Tierhöhlen sowie Brutgebiete von Vögeln sind für Caches und Cacher tabu, damit keine Tiere bei der Brut oder im Winterschlaf gestört werden.

Der World Wide Fund For Nature (WWF) mit Sitz in Frankfurt setzt Geocaching ein, um für den Naturschutz zu sensibilisieren. Mit der Wanderjugend bietet er auf Rügen spezielle Feriencamps an. Jugendliche lernen dort, Caches mit Rücksicht auf die Umwelt zu heben und zu legen. Keine Wege verlassen, das Unterholz meiden und keinen Müll liegenlassen, sind wichtige Regeln.
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