Quakenbrück - Mit dem Fahrrad durch das Osnabrücker Land

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Mit dem Fahrrad durch das Osnabrücker Land

Von: Andreas Heimann, dpa
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Mit dem Fahrrad durch das Osnabrücker Land
Klein, aber oho: Die Hase entspringt im Teutoburger Wald und fließt gemächlich durch die Landschaft nördlich von Osnabrück. Foto: dpa

Quakenbrück. Gemächlich schlängelt sich die Hase durch die Landschaft nördlich von Osnabrück. Der kleine Fluss entspringt im Teutoburger Wald und mündet in Meppen in die Ems. Dazwischen sucht er sich seinen Weg durch Weiden und Rapsfelder, vorbei an vielen großen Bauernhöfen und einigen kleinen Städten wie Bramsche, Löningen und Herzlake.

Radfahrer können im Hasetal nicht viel falsch machen. Ihr Motto lautet: „Immer der Hase nach” - bei der „Hase-Ems-Tour” zum Beispiel, die entsprechend ausgeschildert ist und von Osnabrück aus bis Herzlake, aber auch bis Meppen oder Rheine gefahren werden kann.

Die Hase ist zum ersten Mal noch auf Osnabrücker Stadtgebiet zu sehen. Da taucht der kleine Fluss plötzlich hinter einer Biegung auf, als es unter grünem Blätterdach in Richtung Westen geht. Die Hase ist kein Freund von Aufgeregtheit. Das gleiche gilt für das gesamte Hasetal: Die eher flache Landschaft, in der Pusteblumen und Löwenzahn auf den Weiden stehen und Rapsfelder in sonnigem Gelb leuchten, ist wie gemacht zur Entdeckung der Langsamkeit. Radfahren ist hier genau das Richtige, um möglichst viel davon mitzubekommen, den Raps sogar zu riechen oder Kaninchen über die Weide hoppeln zu sehen.

Steigungen sind selten - zwischen Osnabrück und dem Etappenziel Bramsche geht es praktisch nur auf der Brücke über den Zweigkanal mehrere Meter bergauf. In Bramsche lohnt sich schon wegen des Tuchmachermuseums ein Zwischenstopp. Die Kleinstadt war einst berühmt für ihre Stoffe: „Die Tuchmachergilde gab es schon seit dem 16. Jahrhundert”, erzählt Museumsleiterin Kerstin Schumann. Um 1824 arbeiteten in Bramsche 150 Tuchmachermeister. Stoff für die Uniformen der preußischen Armee wurde hier ebenso hergestellt wie Decken für die Hamburger Feuerwehr. „Heute gibt es nur noch ganz wenige Betriebe. Aber wir wollten nicht, dass das Erbe der Tuchmacher verloren geht.”

Und so ist das alte Mühlengebäude, das die Tuchmacher Mitte des 19. Jahrhunderts für ihre Zwecke übernommen haben, heute ein Museum, das ihre Geschichte erzählt. An eine ganz andere Geschichte erinnert das Schlachtfeld von Kalkriese, wo Arminius mit seinen germanischen Truppen vor genau 2000 Jahren Varus und seine drei römischen Legionen besiegt haben soll. Es liegt gleich um die Ecke. Zum Jubiläum gibt es im Tuchmachermuseum in Bramsche die Sonderausstellung „Gesponnen und verwoben: Textiles bei Römern und Germanen”.

Die Dauerausstellung zeigt dagegen, wie Stoff früher hergestellt wurde - mit Hilfe des Mischwolfs zum Auflockern der Schafwolle zum Beispiel und mit dem Spinnkrempel, der für das Vorgarn verantwortlich ist, aus dem die große Spinnmaschine mit 280 Spindeln das Garn macht. Ursula Bart führt durch die Räume und lässt alle Maschinen einmal laufen, damit die Besucher einen besseren Eindruck davon bekommen, wie sie funktionieren.

Danach geht es weiter Richtung Bersenbrück - aber nicht lange: Schon in Rieste bietet sich die Möglichkeit für eine Pause in einem hübschen kleinen Bauerncafé. Es ist in einem Fachwerkhaus untergebracht, das bereits 1627 gebaut wurde und in dem ursprünglich Heuerleute lebten, wie einst die landwirtschaftlichen Hilfskräfte genannt wurden. Heute bedient hier Gerda Rohde. Die 71-Jährige hat das Café in ihrem Haus vor 15 Jahren eingerichtet. Alte Bauernmöbel stehen dort, auf dem Tisch liegen Spitzendeckchen. Serviert wird Nuss-, Pflaumen- und Apfelkuchen oder Erdbeertorte - alles selbst gebacken, die ideale Stärkung vor der Weiterfahrt in Richtung Bersenbrück.

Zu der Landschaft, durch die die Hase fließt, gehört auch das Artland, das für seine oft jahrhundertealten Bauernhöfe mit eindrucksvollen Fachwerkfassaden bekannt ist, vor denen hohe Kastanienbäume stehen und die von großzügigen Gärten umgeben sind. Die Böden hier sind gut, die Bauern waren einst reich und zeigten das auch wie in Gehrde oder Bad Bergen. Einige Höfe haben sich auf Touristen eingestellt und bieten Ferienwohnungen an.

Wer nicht die ganze Zeit auf dem Rad sitzen möchte, kann zwischendurch Draisine fahren. Im Hasetal gibt es mehrere Strecken, zum Beispiel zwischen Quakenbrück und Nortrup. Die Radler steigen dann um, strampeln aber weiter. Denn die Draisine, die hier auf alten Bahngleisen im Einsatz ist, wird mit Muskelkraft per Pedale bewegt. Vier Radler müssen ihr Bestes geben, die anderen sitzen im offenen Abteil und können in aller Ruhe die Landschaft genießen.

„Der Streckenrekord liegt bei 25 Minuten für zehn Kilometer”, erzählt Draisinen-Zugchef Jürgen Behrens. Aber man muss nicht den Ehrgeiz haben, das zu übertreffen. Die Strecke führt durch Feld und Wald, die Sonne scheint durchs Blätterdach. Die Hase ist hier nicht zu sehen, dafür aber sind Segelflieger in der Luft und Bauern mit dem Trecker beim Grasmähen. Das Strampeln ist gar nicht so schlimm.

Nach dem Wechsel aus der Draisine zurück auf den Fahrradsattel ist es nicht mehr weit bis Quakenbrück. Die Hase hat sich hier in mehrere Arme geteilt, die durch die Stadt fließen und sich erst später wieder vereinen. Quakenbrück, mit seinen „Artland Dragons” eine echte Größe in der Basketball-Bundesliga, ist eher überschaubar, hat aber einen riesigen Marktplatz und in der Mitte darauf einen Brunnen mit einem überdimensionalen Stierkopf.

Fachwerkhäuser gibt es in Quakenbrück etliche, das Stadtmuseum zum Beispiel ist in einem untergebracht. Rathaus und katholische Kirche stehen in der Nachbarschaft. Katholisch zu sein ist hier nicht selbstverständlich, denn das Hasetal zeigt auch in dieser Hinsicht Vielfalt: Anders als etliche Kleinstädte der Nachbarschaft ist Quakenbrück mehrheitlich evangelisch. Den meisten Radfahrern dürfte das aber egal sein - sehenswert sind die kleinen Städte hier alle.

Hasetal Touristik, Langenstraße 33, 49624 Löningen (Tel.: 05432/59 95 99
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