Mexiko-Stadt ist laut, anstrengend, charmant und interessant

Von: Oliver Kauer-Berk, dapd
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Mexiko-Stadt. Ein wenig die Hände reiben und hineinpusten tut gut. Noch ist es kühl. „Wir haben die vier Jahreszeiten an jedem Tag”, sagt die Fruchtpresserin an der Straßenecke und teilt die vollen Gläser mit Orangensaft aus. Nebenan stopfen Anzugträger und Bauarbeiter dampfende Tamales in sich rein, in Maisblättern eingepackten Teig mit Hühnchen. Lugt der Himmel über Mexiko-Stadt in der Frühe azurblau hervor, bietet es sich an, unterwegs zu frühstücken. Der Jetlag hilft ankommenden Urlaubern beim Aufstehen, und ihre schönsten Seiten zeigt die 20-Millionen-Metropole beim Morgenspaziergang - denen, die geblieben sind.

Denn vielen jagt die Stadt allein durch ihre Größe, vier Millionen Pkws und Berichte über schlechte Luft Angst ein. Doch wer nach Mexiko will, sollte sich mit dieser Stadt arrangieren. Der Stopp ist aufgrund der internationalen Flugpläne eine feste Konstante - und ohne Vorurteile absolut lohnenswert.

Geht es am Zócalo, dem großen Platz im historischen Zentrum, morgens noch schläfrig zu, wird es in den Straßen westwärts Richtung Alameda-Park, Palacio de Bellas Artes und Torre Latino nach und nach geschäftiger. Ist es schon nach 9.00 Uhr, kann man zur 139 Meter hohen Aussichtsplattform des Torre auffahren. Das erste Hochhaus Lateinamerikas bietet einen grandiosen Rundblick. Die Augen folgen den Flugzeugen zum internationalen Flughafen mitten in der Stadt. Ein An- oder Abflug im Lichtermeer bleibt unvergesslich.

Auszeit im Heuschreckenwald

Gut, dass Mexikaner zu jeder Zeit essen - gegenüber gibt es Tacos. Die Maisfladen können mit Schwein, Rind oder Huhn befüllt werden. Vegetarier behelfen sich mit gekochten Maiskolben mit Chilisoße. Auf den Straßen von Mexiko-Stadt gibt es alles. Zwischen Krimskrams-Ständen hat ein Kopier-Service eröffnet: Ein Blatt für zwei Pesos. Auch die Apotheken haben den Wettbewerb um die Kunden und die lauteste Latinomusik schon eröffnet. Ein Laden bleibt nie allein, und wer wahrgenommen werden will, muss nur am lautesten schreien.

Es sind die kleinen Sehenswürdigkeiten, die mit den Reiz von Mexiko-Stadt ausmachen. Sie werden beim Herumstreifen gefunden: hier ein grünes Plätzchen mit Brunnen, dort ein interessantes Denkmal. Zwischendurch steigt man ins Taxi - 120.000 gibt es, seit Mai 2009 sind alle rot-golden lackiert. Oder man nutzt das gut ausgebaute Metrosystem. Auf der Avenida Insurgentes fährt der oberirdische Metrobus auf einer freigehaltenen Spur in Nord-Süd-Richtung. Manche nennen ihn zur Rushhour „Matarbus”, den „Killerbus”. Zu anderen Zeiten kommt man damit bequem und schnell in die südlichen Stadtteile San Ángel und Coyoacán mit dörflichem Flair, Kopfsteinpflaster und bunten Märkten.

Das größte Erholungsgebiet im Stadtzentrum ist der Bosque de Chapultepec. Im „Heuschrecken-Wald” gibt es Seen, einen Zoo und das Nationalmuseum für Anthropologie. Dort geht es um das Mexiko vor der spanischen Kolonisation. Der im Durchmesser 3,6 Meter große aztekische „Sonnenstein” ist hier ausgestellt. Auch Teotihuacán wird erklärt. Die Ruinenstadt liegt 50 Kilometer nordöstlich. Ein idealer Tagesausflug. Die 65 Meter hohe Sonnenpyramide Teotihuacáns ist der Grundfläche nach die drittgrößte Pyramide der Welt. Die dem Volumen nach größte liegt anderthalb Autostunden westlich von Mexiko-Stadt - zum Großteil unter der Erde. Der spanische Eroberer Hernán Cortés ließ die Pyramide von Cholua zuschütten und auf den riesigen Hügel eine Kirche setzen, die bis heute das Panorama des Vulkans Popocatépetl (5.452 Meter) ergänzt.

Mayastätten und Strände

Stadt, Kultur - fehlt für perfekte Ferien das passende Meer. Der Mexiko-Urlauber fliegt entweder weiter nach Yucatán zu den Mayastätten und in die Karibik. Oder er erkundet per Bus oder im Mietwagen das zentrale Hochland und wählt zwischen Atlantik und Pazifik. Der Golf von Mexiko im Osten liegt der Hauptstadt am nächsten, wird aber von internationalen Touristen meist verschmäht. Reiseführer schimpfen über die Ölindustrie und schwache touristische Infrastruktur.

Wer indes günstig entspannen möchte, findet etwa im Fischerort Tecolutlá reichlich Mittelklasse-Hotels und nahebei die Nischenpyramide von El Tajín. Der Pazifik bietet mehr Optionen: Klassisch ist die vierstündige Fahrt über die Autopista von Mexiko-Stadt nach Acapulco. Viele schauen hier die Felsenspringer an, machen aber lieber Station in ruhigeren Strandorten wie Puerto Escondido oder Puerto Ángel weiter südlich oder Zihuatanejo nördlich.
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