Lieber viele Kunden als viele Sterne

Von: Christina Horsten, dpa
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Düsseldorf/Berlin. Fünf Sterne sind Luxus. Ganz offiziell, denn so heißt laut dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) die Kategorie der „Unterkünfte für höchste Ansprüche”. Aber in Zeiten der Wirtschaftskrise werden mancherorts höchste Ansprüche heruntergeschraubt - und damit auch die Sterne.

So hat die Intercontinental Hotels Group ihre Fünf-Sterne- Häuser in Köln und Berlin in den vergangenen zwei Jahren nicht erneut

klassifizieren lassen. Die beiden Luxus-Hotels sind damit offiziell stern-los - und das, nach eigenen Angaben, um Geschäftskunden zu halten.

„Wir haben von unseren Geschäftskunden oft zu hören bekommen, dass sie uns nicht mehr buchen können, wenn wir offiziell ein Luxus-Hotel sind”, sagt Willy Weiland, Generaldirektor des Intercontinental- Hotels in Berlin und zuständiger Direktor der Kette für Deutschland. „Bevor wir uns da in die Nesseln setzen, lassen wir das lieber sein.” Die Hotel-Kette hat ihre Häuser in Frankfurt und Hamburg schon bei der Eröffnung nicht klassifizieren lassen. Die Häuser der Gruppe in Düsseldorf und Berchtesgaden behalten dagegen die fünf goldenen Sterne.

Die vom Dehoga durchgeführte Sterne-Klassifizierung ist freiwillig. Nach Medienberichten haben noch weitere Luxus-Hotels ihre Sterne-Klassifizierung zurückgegeben, aber Dehoga-Sprecherin Stefanie Heckel wiegelt ab: „Das sind Einzelfälle, einen Trend dazu gibt es nicht.”

Auslöser für die Rückgabe der Sterne sei der sogenannte „Pharma- Kodex” gewesen, sagt Generaldirektor Weiland. In dem Kodex verpflichten sich die rund 70 Mitgliedsunternehmen der „Freiwilligen Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie” (FSA), Hotels, in denen sie Tagungen und Schulungen für Ärzte veranstalten, streng nach fachlichen Kriterien auszuwählen - und nicht etwa nach dem Freizeitwert. Die ausgewählten Hotels dürfen laut dem Kodex keine „Luxusmerkmale, wie zum Beispiel überdurchschnittliche Wellness- Angebote aufweisen.”

Rund 150 000 Fortbildungsveranstaltungen für Ärzte organisieren Pharma-Unternehmen pro Jahr - 80 Prozent davon finden in Hotels statt. „Fünf-Sterne-Hotels können da heikel sein, weil sie eben gleich Luxus suggerieren”, sagt Christian Meeser, Referent für Arzneimittel- und Wettbewerbsrecht beim Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH).

Verboten seien Fünf-Sterne-Hotels durch den Kodex aber keineswegs, stellt FSA-Geschäftsführer Michael Grusa klar: „Viele Hotels meinen, wenn sie einen Stern weniger hätten, dann wären sie kodex-konform, aber das geht nur nach fachlichen Gesichtspunkten. Die Sterne an sich spielen keine Rolle.” Auf Bitten vieler Hotels hat die FSA in der vergangenen Woche zu dem Thema ein Seminar für Hotelmitarbeiter veranstaltet - mit Abschlusstest und Zertifikat. Auf diese Weise könnten die Hotels nachweisen, dass sie sich mit dem Pharma-Kodex auskennen.

Intercontinental-Generaldirektor Willy Weiland geht auf Nummer sicher: Er will seine Pharma-Kunden ohne Sterne halten. Am Standard seiner Hotels würden aber keine Abstriche gemacht. So bleibe die Rezeption 24 Stunden lang besetzt und frisch gebügelte Wäsche gibt es innerhalb von einer Stunde. Durch die Geschäftszahlen sieht sich Weiland in seiner Strategie bestätigt: Trotz Krise habe sein Haus in Berlin im vergangenen Jahr - anders als die Hotelbranche insgesamt - keine Umsatzrückgänge hinnehmen müssen.
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