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Klostergärten und viele Schlösser: Eine Stippvisite im Kreis Höxter

Von: Bernd F. Meier, dpa
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Am Berghang hoch über Brenkhausen versorgt Ortrun Humpert ihre Skuddenschafe. Zwischendurch erzählt die Schäferin von der Natur am Räuschenberg. „Schauen Sie mal genau hin: Hier in den Steinen am Hang haben wir die Kinderstube der Eidechsen”, sagt sie und deutet auf ein paar unscheinbare braune Flecken am Hang. Foto: dpa

Höxter. Am Berghang hoch über Brenkhausen versorgt Ortrun Humpert ihre Skuddenschafe. Zwischendurch erzählt die Schäferin von der Natur am Räuschenberg. „Schauen Sie mal genau hin: Hier in den Steinen am Hang haben wir die Kinderstube der Eidechsen”, sagt sie und deutet auf ein paar unscheinbare braune Flecken am Hang.

Und tatsächlich - blitzschnell huscht eine kleine Echse in ihr sicheres Versteck. Mit ihren 500 Schafen beweidet Humpert Wiesen und Brachland an den Berghängen in der Region Höxter. „Wir betreiben Landschaftspflege.

Ohne die Schafe würden sich Schlehe und Weißdorn innerhalb von wenigen Jahren auf dem Grün ansiedeln, und die Landschaft würde ihren Charakter verändern”, erklärt die Schäferin. Seltene Pflanzen wie Bienen-Ragwurz, Knabenkraut und Enzian würden von den trockenen Südhängen ebenso verschwinden wie die Schlingnattern, Schachbrettfalter und andere bedrohte Schmetterlinge.

Neben der Natur steht im Kreis Höxter in Nordrhein-Westfalen die Kultur im Mittelpunkt: Vom Kloster Corvey aus missionierten Benediktinermönche bereits ab dem Jahr 822 Norddeutschland und Skandinavien. Die imposante Abteikirche gilt heute als steinernes Zeugnis der großen Vergangenheit.

„Um das Kloster entstand in jenen Jahren bereits eine Stadt mit mehr als 7000 Bewohnern - ein westfälisches Pompeji”, so Corvey-Guide Wolfgang Unger. Mehr als 400 Jahre lang existierte die Ansiedlung, ergaben archäologische Grabungen. Wegen seiner herausragenden Bedeutung ist Corvey zur Aufnahme in das Unesco-Weltkulturerbe vorgeschlagen.

„Corvey ist ein Edelstein in der Kulturregion Höxter”, sagt Unger. Doch es gibt noch mehr zu entdecken. In dem von Touristen bisher kaum besuchten Hügelland im Osten Nordrhein-Westfalens gibt es 25 Klöster, 80 Schlösser und Burgen, Landschaftsparks und Naturschutzgebiete, denen sie hier den passenden Namen „Erlesene Natur” gegeben haben.

Ab diesem Frühjahr wird eine 185 Kilometer lange Kloster-Garten-Route Fahrradtouristen auf einen Rundkurs von Höxter über Beverungen, Borgentreich, Warburg, Willebadessen und Brakel durch das Kloster- und Kulturland leiten. Drei bis fünf Tage sollten die Reisenden für die komplette Tour einplanen.

Unterwegs wird in Klöstern oder kleinen Ferienpensionen übernachtet. Hotels sind in den abgelegenen Dörfern eine Seltenheit. „Die Strecke führt sowohl zu Klostergärten, die unterwegs zur Meditation einladen, als auch zu unseren Landschaftsparks”, sagt Gartenarchitektin und Projektleiterin Christiane Sasse.

Eines dieser grünen Schmuckstücke ist bei Brakel der Park von Schloss Rheder, der ab 1838 nach Ideen des Fürsten Hermann von Pückler-Muskau auf einem Areal von 70 Hektar entstand.

„Manche kommen nur für eine halbe Stunde, andere bleiben drei Wochen als Gäste bei uns im Kloster”, sagt Schwester Hanna, Priorin des Benediktinerinnenklosters in Beverungen-Herstelle. Ruhe und Besinnung finden - ein Angebot an Touristen, nicht nur in der Abtei vom Heiligen Kreuz in Herstelle, sondern auch in weiteren Klöstern der Region.

Wenige Kilometer weiter führt die Wanderung von Würgassen aus zum Weser-Skywalk: 80 Meter über der Weser schwebt die Aussichtsplattform an den Hannoverschen Klippen über dem Tal - ein bisschen Grand-Canyon-Feeling mitten in Deutschland.

Bei einem Zwischenstopp in Borgentreich lohnt der Besuch im Orgelmuseum und der benachbarten Pfarrkirche St. Johannes Baptist. „Wir haben hier die größte Barockorgel in Westfalen aus dem 17. Jahrhundert”, erläutert Museumsleiter und Organist Jörg Kraemer.

Während der Fahrt durch Bauerndörfer und fruchtbare Felder der Warburger Börde begegnet man bei einem Abstecher in Bökendorf Gisela Reineke: Die Naturführerin lädt am hübschen Schlösschen Bökerhof, in dem die Großeltern der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff lebten, zu Kräuterwanderungen ein.

„Keine Pflanze kann so viel Gutes bewirken wie die Brennnessel”, erläutert die Fachfrau den Touristen. „Machen Sie im Frühjahr mal eine Trinkkur mit Brennnessel-Apfelsaft. Das hilft beispielsweise gegen Gicht und Rheuma.”

In Bökerhof sind Natur und Kulturgeschichte eng miteinander verbunden: Von 1810 bis 1814 kam in dem Schlösschen der Romantikerkreis zusammen. Bekannte Namen waren darunter, wie die Gebrüder Grimm, Friedrich Wilhelm Weber und Heinrich Hoffmann von Fallersleben, der Dichter der deutschen Nationalhymne.

Den Kräften von Naturmoor und dem Wasser kohlensäurehaltiger Heil- und Mineralquellen vertrauen die Gäste in Bad Driburg, Deutschlands einzigem Privatheilbad. Gegründet wurde es bereits im Jahr 1782 von Caspar Heinrich von Sierstorpff.

Dessen Nachfahren leiten Quellen, Kliniken und einen Hotelkomplex noch heute. Brunnen- und Badehäuser sowie das Hotel sind eingebettet in gepflegtes Grün und den alten Baumbestand des 60 Hektar großen englischen Landschaftsparks, der als weiteres Schmuckstück des Natur- und Kulturlandes Höxter gilt.

„Unser Land ist für viele zu Unrecht noch ein weißer Fleck auf der Landkarte”, sagt Gräfin Annabelle von Oeynhausen-Sierstorpff. „Wer einmal die ruhige Natur zwischen Teutoburger Wald und Weser mit offenen Augen und Ohren erlebt hat, der kommt bestimmt wieder.”
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