Berlin - Kleinkinder im Flugzeug: Die größte Sicherheit bietet der eigene Sitz

Kleinkinder im Flugzeug: Die größte Sicherheit bietet der eigene Sitz

Von: Wolfgang Duveneck, dpa
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Kindersitz/Flugzeug/Mutter/Kind
Für viele Eltern eine Kostenfrage: Der Auto-Kindersitz ist die sicherste Lösung auch im Flugzeug, nimmt aber einen zusätzlichen Sitzplatz in Anspruch. Foto: dpa

Berlin. Seit 2008 müssen Kleinkinder bis zum Alter von zwei Jahren im Flugzeug auf dem Schoß eines Erwachsenen angeschnallt sein. Dafür gibt es an Bord sogenannte Schlaufengurte, offiziell Loop-Belts genannt.

Doch Experten sind sich einig: Bei Notlandungen können die Gurte für das Kind lebensgefährlich sein. Einziger Ausweg sind aus Sicht von Wissenschaftlern Kindersitze. Aktuelle Studien bestätigen das - aber neue Vorschriften lassen auf sich warten.

„Aspekte der Sicherheit, die im Auto selbstverständlich erscheinen, lösen sich im Flugzeug offenbar in Luft auf”, beklagt Nicola Quade von der Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder in Bonn. Sie fordert, dass jedes Kind einen eigenen Sitzplatz mit einem passenden, sicheren Rückhaltesystem erhält. „Die Airlines sollten sich ihrer Verantwortung für den Schutz und die Sicherheit ihrer kleinen Passagiere stellen”, mahnt die Arbeitsgemeinschaft.

Inzwischen hat die Lufthansa-Technik für Kinder bis zu zwei Jahren einen Mechanismus entwickelt, bei dem die Kleinen in einem rückwarts gerichteten Sitz mit einem Fünf-Punkt-System gesichert werden. Der Sitz ist in die Rückenlehne des Flugzeugsitzes integriert. Für Kinder von zwei bis zwölf Jahre können die Erwachsenensitze ergonomisch auf ihre Besonderheiten angepasst werden. „Wird ein solcher Sitz nicht von Kindern benutzt, kann er ganz normal als Erwachsenensitz dienen”, erläutert Harald Merensky von der Lufthansa.

Die Kinderschützer kritisieren allerdings, dass dieses System bislang nicht genutzt wird. Unterstützt wird diese Position von der Europäischen Agentur für Flugsicherheit EASA in Köln: „Untersuchungen zeigen, dass ein mit erwachsenen Passagieren vergleichbares Sicherheitsniveau für Kinder nur mit Kindersitzen erreicht werden kann”, sagt deren Sprecher Daniel Höltgen.

Die deutschen Fluggesellschaften verweisen auf die gültigen EU-Vorschriften. Danach bekommen die Kinder entweder Schlaufengurte, oder sie sitzen in einem zugelassenen Kindersitz, den die Eltern mit an Bord bringen müssen. Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin zum Beispiel bietet seit 2005 diese Möglichkeit an. „Um den Eltern Hilfestellung für die Verwendung ihrer Kindersitze im Flugzeug zu geben, stehen wir derzeit in Kontakt mit Kindersitzherstellern und erarbeiten eine Positivliste von Kinderrückhaltesystemen, die für die Nutzung im Flugzeug geeignet sind”, sagt Sprecherin Nadine Bernhardt.

Für viele Eltern ist das Ganze aber auch eine Kostenfrage: Während für Kleinkinder auf dem Schoß von Erwachsenen meist nur eine geringe Gebühr erhoben wird, ist der eigene Platz für sie teurer. So wird bei Air Berlin der Preis für Kinder von zwei bis zwölf Jahren berechnet - zwei Drittel des Erwachsenenpreises. Bei Condor gilt für Kleinkinder mit eigenem Sitzplatz die gleiche Ermäßigung wie für Kinder von zwei bis elf: Sie erhalten in Begleitung eines voll zahlenden Passagiers 25 Prozent Ermäßigung auf den Flugpreis. Wer bei Tuifly einen zugelassenen Kindersitz mit an Bord nimmt, erhält laut Firmensprecher Herbert Euler für den zusätzlichen Sitzplatz 50 Prozent Ermäßigung auf den tagesaktuellen Nettotarif. Alle Gesellschaften empfehlen den Eltern, sich rechtzeitig bei der Buchung nach Details zu erkundigen.

Auch der Bundesverband Deutscher Fluggesellschaften (BDF) sieht Kindersitze als derzeit sicherste Lösung an, hält aber die Bedenken gegenüber den Schlaufengurten für übertrieben: „Die Crashtests, die seinerzeit veröffentlicht wurden, entsprechen nicht der wirklichen Flugsituation”, urteilt BDF-Sprecherin Sabine Teller in Berlin. „Auf jeden Fall ist der Gurt bei Turbulenzen sicherer, als wenn eine Mutter das Kind auf dem Schoß nur festhält.”

Für den TÜV Rheinland, der 2008 mit Dummy-Crashtests für Aufsehen sorgte, hat sich nach den Worten seines Experten Martin Sperber an den Erkenntnissen über die Schlaufengurte nichts geändert: „Das Kind wird genau in der Knautschzone des Erwachsenen angeschnallt - im Notfall kann das tödliche Folgen haben.”

Offen ist, ob die Fluggesellschaften eines Tages fest installierte Kindersitze nach dem System der Lufthansa-Entwicklung verwenden werden. „Die wirtschaftliche Analyse zeigt, dass sich die Kosten für eine Einführung von Kindersitzen insgesamt in Grenzen halten”, sagt EASA-Sprecher Höltgen.
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