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Kein Stress im Linksverkehr: Westcornwall ohne Auto entdecken

Von: Petra Reinken, dpa
Letzte Aktualisierung:
Westcornwall
Entdeckung der Langsamkeit: Auf der Insel St. Marys herrscht eine gelassene Atmosphäre. Foto: dpa

Penzance. Hinter Lands End kommt für viele Kilometer nur noch das raue Meer. Selbst bei bestem Wetter drückt der Atlantik seine Wellen ungezähmt bis an die Steilküste, die die äußerste Westspitze Cornwalls umgibt.

Die Orte hier sind klein, die schmalen Straßen führen durch hügeliges, spärlich besiedeltes Land. Ohne Auto bekommen Urlauber hier nicht viel zu sehen, könnte man meinen. Doch das ist weit gefehlt: Ein engmaschiges Busliniennetz und zahlreiche Bahnstationen ermöglichen es, das äußerste Ende Englands nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erkunden.

Wer sich den Stress im Linksverkehr schenken will, kann getrost auf seine bequemen Schuhe sowie Bus und Bahn vertrauen. Ein guter Ausgangspunkt für Tagestouren ist Penzance. Viele Attraktionen des mystischen Cornwalls sind von hier aus in weniger als einer Stunde per Bus erreichbar.

Das gilt auch für Lands End, den westlichsten Punkt Englands. Suchen sie Ursprünglichkeit und Ruhe, müssen Besucher nur das kommerzielle Erlebniszentrum, das wie falsch geparkt auf den Klippenrand gebaut ist, links liegen lassen. Folgen sie dem Küstenpfad nach rechts, ist ein Blick über das Meer schöner als der andere. Heide und Gräser, Moose und Bodendecker bilden links und rechts des Pfades dichte, weiche Teppiche über die Klippen, während sich tief unten die Wellen brechen. Nach rund 30 Minuten Fußmarsch lockt ein Sonnenbad am feinen Sandstrand von Sennen Cove. Von dort fährt ein Bus zurück nach Penzance.

Für Seeleute hat sich diese Idylle ein ums andere Mal als trügerisch erwiesen, denn der Ozean kann auch anders. Im Pub „Alexandra Inn” nahe der Uferpromenade von Penzance zeugen zahlreiche Fotografien von den Schiffsunglücken vergangener Jahrzehnte. Und zwischen Penzance und Mousehole erinnert eine Gedenkstätte am Penlee Lifeboathouse an ein Unglück von 1981, als das Schiff „Union Star” in schwerer See an den Klippen zerschellte und nicht nur die Mannschaft, sondern auch freiwillige Helfer ums Leben kamen.

Wer von Penzance aus einen Schiffsausflug auf die Scilly-Inseln wagt, rechnet besser mit schaukeliger See. Auf der Insel St. Marys wartet die Belohnung: eine außergewöhnlich gelassene Atmosphäre. Dagegen wirkt das cornwallsche Festland geradezu geschäftig. Bleiben sie länger, können Besucher Vögel beobachten, auf die Nachbarinseln fahren oder sich ganz der ungewohnten Langsamkeit hingeben.

Nur etwa eine halbe Busstunde von Penzance entfernt liegt der Ort St. Ives. Dort scheint es zwar an Sommertagen mehr Touristen als Einheimische zu geben. Trotzdem lohnt der Ausflug: Friedlich heben und senken sich kleine Boote im Hafen, Möwen kreischen, Menschen tummeln sich an den drei Stränden in unmittelbarer Nähe des Ortskerns. Obwohl das Wasser rund um Cornwall alles andere als warm ist, baden viele. Im Ort selbst laden zahlreiche kleine Galerien und Schmuckgeschäfte zum Bummeln ein.

Selbst einer der zahlreichen Gärten, für die Cornwall berühmt ist, lässt sich von Penzance aus problemlos zu Fuß erreichen. Zu zwei weiteren in der Nähe von Lamorna fährt der Bus. „Trengwainton Garden” liegt im Norden der Stadt nahe Heamoor. Nach einem rund 45-minütigen Spaziergang dorthin werden Blumenliebhaber durch eine Fülle exotischer Pflanzen von vier Kontinenten, prachtvolle Fuchsien und ideenreiche Nutzgärten belohnt. Außerdem serviert das Café des Gartens besonders leckeren „Cream Tea” - Tee mit zwei luftigen Scones, der Sahnevariante „clotted cream” und Erdbeerkonfitüre.

Kultur in der Natur bietet das Minack Theatre bei Porthcurno - ein an die Klippen gebautes Freilufttheater, für das man sich früh um Karten kümmern sollte. Der Bus von Penzance braucht rund 30 Minuten dorthin.

Von Penzance zu Fuß erreichbar ist dagegen die ehemalige Klosterfestung St. Michaels Mount. Wer mit der Bahn kommt, hat die Insel bereits bei der Anreise erspäht. Bei Ebbe können Besucher hinlaufen, bei Flut fahren kleine Boote. Auch hier verwaltet der National Trust einen hübschen kleinen Garten mit subtropischen Pflanzen, dessen Besonderheit die steile Hanglage hoch zum Festungsgemäuer ist.

Neben Penzance bieten sich weitere Orte als Startpunkt für Ausflüge an. Von St. Austell an der Zugverbindung London - Penzance aus sind zum Beispiel die geheimnisvollen Gärten von Heligan oder das spektakuläre „Eden Project” zu erreichen.

Umweltfreundlich Reisen in Westcornwall

Die Anreise von Deutschland aus erfolgt per Bus (Eurolines) oder Zug (Eurostar) nach London. Vom Bahnhof Paddington bietet die Bahngesellschaft First Great Western Direktverbindungen in viele Orte Cornwalls an (Endstation Penzance).

Frühbuchertickets sind aus Deutschland buchbar und ab 15 Pfund (17 Euro) zu bekommen. Das Busliniennetz in Cornwall ist gut ausgebaut. Die Bahngesellschaft First Great Western hält in zahlreichen Orten.
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