Immer der Fledermaus nach - Unterwegs auf dem Sauerland-Radring

Von: Bernd F. Meier, dpa
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Der „Sauerland-Radring” führt über 84 Kilometer als Rundstrecke durch die Region in Nordrhein-Westfalen, die auch den Beinamen „Land der 1000 Berge” trägt. Foto: Sauerland Tourismus

Schmallenberg. Wanderer kennen das Sauerland seit langem, Skifahrer auch. Aber die Region hat auch Radfahrern einiges zu bieten. Der Sauerland-Radring folgt alten Bahnstrecken. Markiert ist die ungewöhnliche Strecke mit einer Fledermaus.

Schummriges Licht strahlt von der Decke, feucht schimmern die Bruchsteine der Seitenwände. Hin und wieder platschen Wassertropfen in kleine Pfützen am Rand der Asphaltpiste. Kein Laut dringt durch die dämmrige Röhre: 689 Meter lang ist der Kückelheimer Tunnel, der Höhepunkt des „Sauerland-Radringes”.

Über 84 Kilometer führt die Fahrradpiste als Rundstrecke durchs Sauerland, das auch den Beinamen „Land der 1000 Berge” trägt. Fahrradfahren und Berge - wie passt das nur zusammen? „Der Sauerland-Radring verläuft in Flusstälern und nutzt zu weiten Teilen die Trassen von stillgelegten Eisenbahnstrecken”, erläutert Daniel Wegerich, Fahrradexperte beim regionalen Tourismusverband Sauerland-Tourismus in Schmallenberg.

Durch zwei Landkreise - Olpe und Hochsauerlandkreis - und die vier Gemeinden Schmallenberg, Eslohe, Finnentrop und Lennestadt schlängelt sich der Rundkurs. Nach zweijähriger Vorbereitung wurde die komplette Piste im Mai 2007 mit der Freigabe des ehemaligen Eisenbahntunnels bei Kückelheim eröffnet.

Einzelne Fahrradstrecken gab es schon lange zuvor. Doch erst durch den Sauerland-Radring wurden die Wege sinnvoll miteinander verbunden. Und es entstand der Rundkurs, der heute durchgehend glatt asphaltiert und etwa drei Meter breit ist. Alle Wegezeichen des Sauerland-Radringes sind mit einem weißen Fahrradfahrer vor der roten Silhouette einer Fledermaus markiert.

Die Anregung dazu bot der Kückelheimer Tunnel, in dem weit mehr als 150 Fledermäuse ihr Quartier haben. Vogelkundler sind begeistert von der Bartfledermaus, dem Großem Mausohr, der Wasserfledermaus und dem Braunen Langohr, die bereits im Kückelheimer Tunnel gesichtet wurden.

Bei einer stets gleich bleibenden Temperatur von etwa acht Grad überwintern die kleinen Batman-Flieger in dem 1911 errichteten Bauwerk, das von November bis Anfang April für die Durchfahrt gesperrt ist. Winter-Radler werden in diesen Monaten auf einer Schleife umgeleitet.

Zwischen Mai und Ende Oktober sind die allermeisten Radtouristen auf der sanft hügeligen Rundstrecke unterwegs. Als landschaftlich besonders schöne Abschnitte gelten das 23 Kilometer lange Teilstück zwischen Schmallenberg und Eslohe sowie die 13 Kilometer lange Route zwischen Eslohe und Fretter mit dem Fledermaustunnel.

In den Orten entlang des Sauerland-Radringes gibt es jede Menge zu entdecken - den historischen Stadtkern von Schmallenberg aus dem Jahr 1825 ebenso wie einige Museen. Direkt am Sauerland-Radring ragt in Fleckenberg die ehemalige Besteckfabrik Hesse über dem Lennefluss empor. Im Innern des roten Backsteinbaus öffnet sich eine Welt der Fabrikation aus längst vergangenen Zeiten.

Alles wirkt so, als wären die Arbeiter nur kurz in die Mittagspause gegangen und würden bald zu ihren Hämmern und Pressen unter den breiten Transmissionsriemen zurückkehren.

Doch kein Arbeiter wird jemals wiederkommen: Das Besteckwerk schloss 1982 nach 44jähriger Produktion für immer seine Tore. Damals schien die Fabrik schon dem Verfall nahe, der Heimatverein Fleckenberg bewahrte den Bau samt dem Maschinenpark für die Zukunft. Im Jahr 2000 wurde die Fabrik als Technisches Museum Besuchern zum ersten Mal zugänglich gemacht.

Heute ist die Besteckfabrik eine der wenigen Industrieanlagen in ganz Westfalen mit nahezu vollständig erhaltener originaler Ausstattung. Auch im Maschinen- und Heimatmuseum Eslohe in den Werkhallen der ehemaligen Firma Koenig steht die Technik im Mittelpunkt: Es entführt mit alten Gerätschaften aus Haus und Hof und Dorfhandwerken wie Sattler und Schuster ins Sauerland vergangener Tage.

Den Schwerpunkt der Sammlung bilden historische Dampfmaschinen und Lokomotiven, die der Unternehmer Eberhard Koenig Zeit seines Lebens aus ganz Deutschland nach Eslohe geschafft hatte.

Gemütliche Gaststätten, Cafés und Rastplätze in den kleinen Dörfern entlang der Strecke laden immer wieder zu Stopps ein. Vom Kinderspielplatz „Wilde 13” in Gleidorf können sich die jüngsten Radler nur schwer trennen.

Auf dem mit finanzieller Hilfe der Stadt Schmallenberg von Eltern geschaffenen Spielgelände locken der ausgedehnte Sandkastenbereich, eine 50 Meter lange Seilbahnrutsche sowie der Kletter- und Balanceparcours.

Schmallenberg und Eslohe eignen sich als Ausgangsorte für die Tour auf dem Sauerland-Radring. Die Route kann sowohl im Uhrzeigersinn als auch entgegen diesem befahren werden. Wer mit der Bahn anreist, startet an den Bahnhöfen Finnentrop oder Lennestadt-Altenhundem. Dort und in vielen anderen Orten gibt es Stationen für Leihräder. E-Bikes können in Bad Fredeburg, Eslohe, Finnentrop, Lennestadt und Schmallenberg ausgeliehen werden.

Bei diesen Zweirädern sorgt ein Elektromotor für zusätzlichen Schub, so dass die sanften Anstiege selbst von ungeübten Radlern leicht gemeistert werden können. „Wer auf dem Radring unterwegs ist, sollte sich ausreichend Zeit nehmen, um auch die ungewöhnlichen Museen entlang der Route zu entdecken”, rät Anna Galon, Sprecherin von Sauerland-Tourismus.

Zu diesen ungewöhnlichen Stätten zählt das Gerichtsmuseum in Bad Fredeburg. Auf dem Dachboden des Amtsgerichtes verbirgt sich die Sammlung von mehr als 2000 Exponaten aus der Justizgeschichte. Der historische Gerichtssaal mit dem „Arme-Sünder-Bänkchen” und eine originale Gefängniszelle machen anschaulich, wie in vergangenen Jahrhunderten Recht gesprochen wurde.

Auch die „Sauerland-Pyramiden” oberhalb von Lennestadt-Meggen gehören zu den ungewöhnlichen Zielen. Im Herbst 2010 sollen die weiß strahlenden Bauwerke eröffnet werden, deren Form ägyptischen und südamerikanischen Pyramiden nachempfunden ist.

Bauherr Wolfgang Schmidt will in der Zukunft mit hochkarätigen Wechselausstellungen wie beispielsweise einer Schau über das Schaffen von Leonardo da Vinci in seinem Galileo-Park Einheimische wie Radtouristen begeistern.
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