Tepl - Im Reich der Lederrücken: Das Kloster Tepl in Westböhmen

Im Reich der Lederrücken: Das Kloster Tepl in Westböhmen

Von: Christina Rietz, dpa
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Im Reich der Lederrücken: Das Kloster Tepl in Westböhmen
Zum Themendienst-Bericht von Christina Rietz vom 24. Juni: Die Klosterkirche Sankt Mariä Verkündigung hätte mit ihren zehn Nebenaltären, dem Chorgestühl aus polierter Eiche und ihren zwei Orgeln so manches Hochamt verdient. (Die Veröffentlichung ist für dpa-Themendienst-Bezieher honorarfrei. Das Bild darf nur in Zusammenhang mit dem genannten Text, bei Nennung der Bildquelle und nur bis zum 23. Juni 2012 verwendet werden.) Foto: CzechTourism.com/dpa/tmn

Tepl. Das Kloster Tepl liegt noch weit abseits der üblichen Routen von Kulturtouristen. Lange von der Armee besetzt, wird das 800 Jahre alte Kloster erst langsam renoviert. Besucher finden klösterliche Ruhe, blattgüldenen Glanz und eine bemerkenswerte Mineraliensammlung.

Um das Kloster von Tepl zu finden, sollte sich der Reisende vorher gut das Bild der Kirche einprägen. In Westböhmen gibt es wenige Hinweisschilder, die zwei Kirchtürme weisen den Weg.

Dabei ist das Premonstrátský Klá¨ter Teplá, wie es auf Tschechisch zungenbrecherisch heißt, ein wirkliches Denkmal für 800 Jahre europäische Geschichte. Im Zuge eines Kuraufenthalts im 44 Kilometer entfernten Karlsbad oder im 14 Kilometer entfernten Marienbad kann man einen Tagesausflug in Geschichte prima verkraften.

Der halbstündige Fußweg vom Dorf Tepl zum Kloster gleicht einer kleinen Pilgerreise. Kaum ein Geräusch ist hier zu hören, ein alter Radweg schlängelt sich durch Felder auf die alles überragende Klosterkirche zu. Im 800 Jahre alten Klosterhof ist es jedoch mit der Pracht vorbei. Von 1950 bis 1978 war das imposante Gebäude von der tschechoslowakischen Armee besetzt, danach stand es leer und verfiel. Heute gehen die Renovierungsarbeiten langsam voran - immerhin wohnen wieder ein paar Prämonstratenser-Patres hier.

Besser nicht zu lange im Hof verweilen, meint die resolute Führerin, besser reinkommen, ein paar Gebäudeteile seien schon renoviert. Drinnen ist es überraschend kühl. Von den gelb getünchten Wänden der meterhohen Gänge bröckelt die Farbe. Deckenfresken ziehen vorbei, fünf Meter hohe Bilderrahmen lehnen leer am Gemäuer.

Es geht durch das Karree des Kreuzganges Richtung Klosterkirche. Ende des 12. Jahrhunderts lief der damals noch nicht seliggesprochene Hroznata durch diese Gänge. Hroznata war nach dem Tod seiner Frau und seines Sohnes dem Prämonstratenser-Orden beigetreten und hatte das Kloster Tepl gegründet. Als er 1217 von Raubrittern nach Eger entführt wurde, trat er dort lieber in den Hungerstreik, statt sein Testament zu Lasten des Klosters zu ändern, wie die Ritter es verlangten. So starb er den Märtyrertod.

Nun liegt er in der Klosterkirche Sankt Mariä Verkündigung begraben. Messen und Konzerte werden nur im Sommer abgehalten, was schade ist: Diese romanische Klosterkirche mit ihren zehn Nebenaltären, dem Chorgestühl aus polierter Eiche und den zwei Orgeln zu beiden Seiten des Langhauses hätte so manches Hochamt verdient. Auch wenn das Kloster häufig geplündert wurde - allein mehrere Male von den Schweden im Dreißigjährigen Krieg -, Sankt Mariä Verkündigung glänzt in blattgüldener Pracht.

Schon Johann Wolfgang von Goethe ist während seiner Kuraufenthalte in Marienbad während der 1820er-Jahre gern nach Tepl gekommen. Das Kurbad selbst wurde 1818 vom Orden gegründet. Der Arzt des Klosters, Doktor Johannes Nehr, war von der Heilkraft der Quellen auf den Ländereien des Klosters überzeugt. Goethe überließ dem Kloster aus Dankbarkeit einen Teil seiner Mineraliensammlung, die er in Böhmen beständig erweitert hat. Heute liegt sie in einer Glasvitrine, daneben eine Gipsbüste des berühmten Besuchers.

Man passiert sie auf dem Weg zur Bibliothek des Klosters. 30 000 Lederrücken stehen hier im Lesesaal mit seinen zwei Galerien. Insgesamt besitzt die Bibliothek 100 000 Bände. Die Klosterbibliothek wurde in den Jahren 1902 bis 1907 gebaut und hütet in glänzenden Fichtenregalen unter dem Deckengemälde naturwissenschaftliche und theologische Schriften. Diese, sowie alte Wiegedrucke und mittelalterliche Kodizes können von Studenten und Forschern benutzt werden - man will hier kein Museum sein.
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