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Im Reich der Gletscherstille: Lange Wintersportsaison in Kärnten

Von: Daniela David, dpa
Letzte Aktualisierung:
Wintersportsaison in Kärnten
Immer schön das Tempo halten - manche Skitouren wie hier der Aufstieg zur Hagener Hütte im Nationalpark Hohe Tauern sind auch für Anfänger geeignet. Foto: dpa

Heiligenblut. Ein freier Blick auf Österreichs höchsten Berg, den Großglockner, vereint die Skigebiete Mölltaler Gletscher und Heiligenblut in Kärnten. Ihre Pisten reichen bis auf 3000 Meter über dem Meeresspiegel. Wintersport in dieser Höhe verspricht einen Ausblick auch auf viele andere Gipfel - und zwar bis nach Ostern. Der Skibetrieb auf dem Gletscher läuft sogar bis in den Mai hinein.

Abseits der Piste wedelt Fritz Strobl den Hang hinab. „Freeriding” ist für den ehemaligen Skirennläufer heute ein Freizeitvergnügen. „Am Mölltaler Gletscher wurde der Grundstein meiner sportlichen Karriere gelegt”, erzählt der Olympiasieger im Abfahrtslauf von 2002 und wird dabei fast etwas sentimental. „Das war vor 25 Jahren, da gab es noch keine Lifte hier. Die kamen erst später.”

Heute fährt Fritz Strobl wie jeder Skiurlauber mit der Stollenbahn zur Mittelstation, dann mit der Gondel zum Eissee und weiter mit dem Sessellift bis auf 3122 Meter zum Gipfel des Schareck. Dort sind sie alle zu sehen: Großglockner, Sonnblick, die Drei Zinnen in den Dolomiten und die Julischen Alpen. Ein Meer aus Dreitausendern umgibt den Gletscher - da zückt selbst ein Olympiasieger den Fotoapparat.

Dann prescht Strobl den Berg hinab, vorbei an den Schneekanonen, die an windstillen Tagen selbst tagsüber die Pisten berieseln. Neben seinem Helm trägt der 36-Jährige heute auch eine Sonnenbrille, denn die Skihänge sind nach Süden ausgerichtet. Die Abfahrt führt direkt zur „Duisburger Hütte”. In der Gaststube mit Kachelofen serviert der Wirt Franz Strasser Zirbenschnaps. „Das Schönste für mich ist Skifahren am frühen Morgen, wenn noch kein Mensch da ist”, lautet sein Geheimtipp.

Wer Einsamkeit fern der Pisten sucht, bricht zu einer Skitour auf. „Die Zahl der Tourengeher steigt enorm”, beobachtet Andreas Kleinwächter vom Nationalpark Hohe Tauern. Wo kein Mensch mehr wohnt, im hinteren Tauerntal, starten einige Skifahrer eine Tour zur „Hagener Hütte” auf 2445 Meter. Sie gilt als Route für Anfänger und ist leicht im Aufstieg. Nach einem Schnellkurs in Lawinenkunde hängt der Bergführer jedem ein Lawinennotfallgerät um den Körper.

Alois Krenn ist Experte für die „Lahn”, wie die Österreicher eine Lawine nennen. „Heute besteht keine Gefahr, aber am Berg muss man stets vorbereitet sein”, sagt der 42-Jährige. Er trägt die Verantwortung und eine Rettungsausrüstung im Rucksack. Immer mit dabei: eine klappbare Schaufel, ein Notbiwak, Verbands- und Werkzeug.

Mit Tourenskiern geht es den Berg hinauf, anfangs begleitet von einem leicht mulmigen Gefühl - „nur bei einer Kameradenrettung hat der Verschüttete eine reale Chance”, hatte der Bergführer gesagt. Doch dann konzentriert sich der Tourenanfänger auf die Ratschläge: „Nicht zu schnell gehen, gleichmäßig das Tempo halten. Die Ski am Boden belassen, sonst kostet der Aufstieg zu viel Kraft.”

So bewegen sich die Tourengeher wie Ameisen hintereinander den Berg hinauf. Fast könnte bei der Anstrengung vergessen werden, den Tag zu genießen: die Aussicht auf die Felsformationen jenseits der Baumgrenze und die Ruhe zum Beispiel. Und auch für die Abfahrt durch die unberührte Schneedecke müssen von den Pisten verwöhnte Skifahrer dann später ihre ganzen Kräfte mobilisieren.

Auch die Langläufer im Seebachtal bei Mallnitz staunen über die stille Natur des Nationalparks. Sie gleiten auf der Loipe am Seebach entlang, auf dessen Oberfläche sich Berge und Bäume spiegeln. Mit frostigem Reif auf den Ästen wirken die Erlen wie ein Zauberwald am Ufer eines zugefrorenen Sees.

Wer ganz nah an den Großglockner heran möchte, fährt nach Heiligenblut. Das Alpendorf mit der markanten Kirche liegt an seinem Fuß, und der Anblick des Gipfels verbietet geradezu ein lautes „Après-Ski-Remmidemmi”. Großzügig sind die Liftanlagen bemessen, das weitläufige Skigebiet ist an manchen Stellen fast menschenleer. Ganz für sich kann der Skiläufer auf der Fallbichl-Abfahrt über die im Winter gesperrte Großglockner-Hochalpenstraße gleiten. Auf den Abfahrten tummeln sich viele Stammgäste. Manche Hänge werden nicht künstlich beschneit. Skifahren auf griffigem Naturschnee ist dort möglich - fast schon eine Seltenheit im Zeitalter der Schneekanonen.

ANREISE: Der nächstgelegene Flughafen ist Klagenfurt, den Tuifly und Lufthansa von verschiedenen deutschen Flughäfen ansteuern. Von Klagenfurt aus gibt es Taxi-Transfers nach Flattach, Mallnitz und Heiligenblut. Autofahrer nehmen von Salzburg aus die Tauernautobahn A 10 bis Spittal an der Drau und von dort die Landesstraße B 106.

SKIGEBIETE UND SAISONZEITEN: Das Skigebiet Mölltaler Gletscher mit neun Liftanlagen und 53 Pistenkilometern liegt in 2200 bis 3122 Meter Höhe. Die Saison dauert im Jahr 2009 bis zum 10. Mai. Das Mallnitzer Loipengebiet ist bis Ostern geöffnet, in diesem Jahr also bis zum 12./13. April. Das Skigebiet Heiligenblut (55 Pistenkilometer) liegt in 1301 bis 2902 Metern Höhe. Geöffnet ist es bis zum 19. April 2009.

Kärnten Werbung, Casinoplatz 1, A-9220 Velden (Tel. von Deutschland: 0043/4274/521 00); Nationalparkregion Hohe Tauern Kärnten, Döllach 1, A-9843 Großkirchheim (Tel.: 0043/4825/200 49).
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