Iglu-Nacht und „Harakiri”-Piste: Wintersport in Mayrhofen

Von: Verena Wolff, dpa
Letzte Aktualisierung:
mayrhofen
Winterpanorama wie im Bilderbuch: Mayrhofen ist einer der wichtigsten Skiorte im Tiroler Zillertal. Foto: dpa

Mayrhofen. Die Sicht ist bestens auf dem Ahorn-Plateau. In 2000 Metern Höhe geht langsam die Sonne unter. Der blaue Himmel wird immer dunkler, und die Berge der Zillertaler Alpen scheinen klarere Umrisse zu bekommen, je später der Abend wird.

Die Pisten oberhalb des Dorfes Mayrhofen sind inzwischen leer. Die Skilifte haben den Dienst für den Tag bereits eingestellt, die Pistenraupen präparieren mit lauten Brummen die zerpflügten Hänge. Nur ein paar Wintersportler sind noch oben auf dem Plateau geblieben - sie erwartet eine spezielle Nacht mit einem Iglu als Schlafstätte.

Die Gäste sind aufgeregt und gespannt, was sie bei ihrer ersten Nacht in einem Iglu wohl erwartet. Kalt wird es sein, sicherlich - das glauben die meisten der gut drei Dutzend Touristen. Aber erstmal wird eingeheizt: mit Caipirinha und heißen Rhythmen, einem Abendessen im „Dining Iglu” und mit einem Gang in die Iglu-Sauna, die am Rand des Igludorfes „White Lounge” liegt. „Das ist einfach der Hammer”, sagt Paul Becker, der für ein langes Wochenende aus Innsbruck nach Mayrhofen gereist ist und zum ersten Mal das „Abenteuer Iglu” erlebt.

Eine finnische Sauna und dazu ein Ruheraum mit Fußbodenheizung: Das verzückt Beckers Freundin sogar noch mehr als den 25-jährigen Snowboarder. Vor dem Ausruhen machen die beiden, was auch allen anderen Sauna-Besuchern schon Riesenspaß bereitet hat: Sie wälzen sich vor dem Eingang im Pulverschnee. Nach dem ausgiebigen Aufwärmen steht noch ein kurzer Gang in die Bergstation der Bahn an - dort gibt es eine Dusche, Toiletten und Waschbecken. Und dann wartet das Iglu.

Drinnen ist es so heimelig, wie es bei vier Grad plus sein kann. Warme Schlafsäcke liegen auf eisigen Podesten, darunter dicke Schaffelle. Kerzen sorgen für Licht in den Unterkünften aus Schnee und Eis, in denen Erwachsene aufrecht stehen können - und die sogar Türen aus Holz haben. Skikluft aus, Schlafanzug an und so viel Wärme wie möglich in den Schlafsack mitnehmen - die Nacht kann beginnen.

Die Eindrücke am Morgen sind gespalten - die einen haben in der kalten Bergluft und der absoluten Ruhe so gut geschlafen wie noch nie. Anderen war es zu kalt, zu hart, zu ruhig - einfach zu anders als im heimischen Bett. Einigkeit herrscht über eines: Als erste durch den in der Nacht frisch gefallenen, knietiefen Schnee hinunter ins Tal zu gleiten - dieses Erlebnis könnte schöner nicht sein.

Wer nach der kühlen Nacht fit ist für Herausforderungen, dem steht in den Zillertaler und Tuxer Alpen so einiges zur Verfügung: Das gesamte Zillertal umfasst 649 Pistenkilometer mit 170 Liftanlagen. Allein oberhalb von Mayrhofen, das mit dem Finkenberger-, Rastkogel- und Eggalm-Skigebiet verbunden ist, gibt es 159 Pistenkilometer und 53 Anlagen.

Der „Superskipass” gilt für das ganze Zillertal. Einige Runden fordern auch die heraus, denen das Tal bisher etwas öde erschien - da ist etwa die „Höhenmeterfresser-Runde”, bei der auf einer Tour bis zu 13 Kilometer Höhenunterschied zurückgelegt werden.

Und dann gibt es im Skigebiet am Penken noch die „Harakiri”-Piste, die nach Angaben der Bergbahnen die steilste in ganz Österreich ist. Mit bis zu 78 Prozent Gefälle ist sie steiler als die Anlaufspur einer Sprungschanze - da atmen selbst hervorragende Wintersportler tief durch, wenn sie am Beginn des Steilhangs stehen und überlegen, ob sie nicht ihre Kanten nochmal hätten schleifen lassen sollen. Damit die Abfahrt nicht zum Harakiri wird, und weil das Gefälle so groß ist, wird die Piste mit Kunstschnee bearbeitet - und zwar im Schichtverfahren, damit der Schnee nicht wegrutscht.

Wer sich nicht sicher ist, ob die „Harakiri”-Abfahrt richtig für ihn ist, kann auch üben: „Devils Run” heißt die Piste Nummer 17, und der Steilhang am Schluss heißt bei den Einheimischen „Harakiri-Test”. Und noch ein Areal für Unerschrockene haben die Mayrhofner zu bieten: Der „Vans Penken Park”, einer der größten Snowparks Europas, lockt auf Lines und Obstacles und in einer Halfpipe die Freerider an.

Das Skigebiet mit einem Pistenstart in 1800 Metern Höhe gilt als schneesicher. Allerdings stehen auch mehr als 100 Schneekanonen bereit, die für eine hundertprozentige Beschneiung sorgen können. Von Mayrhofen aus sind außerdem Ausflüge zum Hintertuxer Gletscher möglich, dem einzigen Ganzjahresskigebiet Österreichs.

In 3000 Metern über dem Meer ist dort sogar im Sommer das Skifahren möglich. Zwar nicht immer auf den gesamten 60 Pistenkilometern, sagt Doris Dengg vom örtlichen Tourismusverband. Aber: „A bisserl was geht immer”.

Informationen: Ferienregion Mayrhofen/Hippach, Dursterstraße 225, A-6290 Mayrhofen, Telefon von Deutschland: 0043/5285/6760.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert