Hoch hinaus in der Schweiz: Drei Skiorte mit langer Saison

Von: Daniela David, dpa
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Drei Skigebiete und 125 Kilometer Piste: In Les Diablerets haben Winterurlauber eine große Auswahl. Foto: Daniela David, dpa

Engelberg/Saas-Fee. Bis zu drei Kilometer über dem Meer: So hoch liegen viele Skigebiete in der Schweiz. In Grimentz im Wallis zum Beispiel oder in Avers, Pontresina und Sils in Graubünden dauert die Skisaison deshalb oft bis weit in den April hinein. Zu den Regionen mit langem Liftbetrieb gehören auch Les Diablerets im Genferseegebiet, Engelberg in der Zentralschweiz und das autofreie Saas-Fee im Wallis.

Wer in den Weihnachtsferien keinen Urlaub nehmen konnte, hat also bis nach Ostern dort eine Ski-Chance. Am Saisonende sind die Temperaturen meist höher als am Jahresanfang, und der Schnee wird am Nachmittag schwer. Dafür sind aber auch die Pisten oft leer. In Les Diablerets stehen Skiurlaubern 125 Pistenkilometer und 36 Liftanlagen zur Verfügung.

In den Ort zu kommen, kann mit einer abenteuerlichen Zugfahrt von Aigle durch das Tal der Ormonts im Genferseegebiet verbunden sein. Es geht direkt an Felswänden vorbei, über Schluchten und Bäche bis zu dem Bergdorf mit 1400 Einwohnern. Die Chalets im traditionellen Holzbaustil breiten sich weitläufig am Fuße des Diablerets-Massivs aus. „Wir sind ein ruhiger Ort ohne Fünf-Sterne-Hotels”, sagt Myriam Degallier vom Tourismusbüro. „Das Schickimicki-Publikum geht eher ins nahe Gstaad oder nach Villars.”

Mancher würde da von einem Geheimtipp sprechen. Drei kleinere Skigebiete in einer Höhenlage von 1200 bis 3000 Metern stehen in Les Diablerets zur Auswahl: Isenau, Meilleret und Glacier 3000. Vor allem Anfänger und Familien klettern in die roten, eiförmigen Gondeln der nostalgischen Bahn des Skigebiets Isenau. Die übersichtlichen, leichten Pisten liegen den ganzen Tag in der Sonne. Daher wird im Frühjahr der Schnee nachmittags oft sulzig. Wie Klebstoff hängt er an den Skiern. Dann heißt es: vormittags fahren und nachmittags sonnen.

Das auf 3000 Metern gelegene Gletschergebiet Glacier 3000 ist per Seilbahn erreichbar - sofern das Wetter es zulässt. Der Architekt Mario Botta hat in der luftigen Höhe ein Berglokal steil am Felsen gebaut. Die Pisten dort zählen zu den höchstgelegenen in der Schweiz. Sie sind überwiegend blau markiert, also eher einfach zu fahren. Die zehn Kilometer lange Abfahrt „Combe dAudon” sollten aber nur Könner wagen - sie gilt als Herausforderung an Technik und Kondition.

„Les Diablerets hat eine lange Tradition im Skisport”, erzählt Christian Reber, der eine Art historische Dorfzeitung herausgibt. Mehr als 5000 Schwarzweiß-Postkarten und Fotos vom Wintersport der frühen Jahre hat er zusammengetragen. Sie zeigen Schlittenfahrten, Abfahrtsrennen und Skispringen. Auf den Fotos um 1900 tragen die Damen noch Hut und Rock zum Skilaufen.

Reber selbst geht am liebsten ins Gebiet Meilleret: „Die Pisten sind da schön lang und breit”, sagt er. Direkt vom Dorf führt der Sessellift auf fast 2000 Meter Höhe. Von dort gleiten die Skifahrer durch den Nadelwald den Berg hinab. Bekannter als Les Diablerets ist Engelberg in der Zentralschweiz. Das Skigebiet Engelberg-Titlis erstreckt sich auf hier einer Höhe von 1050 bis 3020 Meter und bietet dabei 82 Pistenkilometer.

Eine runde Gondel der Rotair-Seilbahn schwebt über den Gletscher den Klein-Titlis hinauf und dreht sich dabei: „Ah” und „Oh” und viel Kameraklicken sind zu hören, neben den Wintersportlern drängen sich auch Touristen aus Asien. Inder und Chinesen wollen fürs Foto auf den Gipfel, manche barfuß in Sandalen, in leichten Turnschuhen oder ganz chic mit Handtasche. Einige sehen den ersten Schnee in ihrem Leben.

Die sportlichen Skiläufer von Engelberg lässt das kalt. Sie konzentrieren sich auf die steilen, anspruchsvollen Pisten. Direkt unterhalb des Titlis-Gipfels carven sie über Gletschereis. Bis weit in den Mai hinein können Ski-Enthusiasten hier fahren. Selbst die zwölf Kilometer lange Talabfahrt mit 2000 Höhenmeter Unterschied ist dank der künstlichen Beschneiung bis Ostern geöffnet.

Vom „Ice-Flyer”, wie der Sessellift über dem Steinberg-Gletscher genannt wird, sind unzählige Spuren im Tiefschnee zu sehen. Engelberg ist sehr beliebt bei Freeridern, denen die planierten Pisten längst zu langweilig sind. „An manchen Tagen kommen schon mehr Tiefschnee- als Pistenfahrer”, stellt Bergführer Oliver Lustenberger fest. Denn in Engelberg muss man nicht erst lange Skitouren bewältigen, um weite Felder für das Variantenfahren zu erreichen. Ein Spaß ohne Risiko ist das allerdings nicht - mancher Rider stürzt in eine Gletscherspalte.

Es gibt eine Brotzeit in der Skihütte bei der „Station Stand” auf 2450 Metern Höhe. Das rustikale Berglokal wurde erst 2008 eröffnet, doch erinnert es mit seinen Holzwänden und Kachelöfen mehr an urige Hütten im alten Stil. Eine coolere Variante der Pause ist ein Drink im Igludorf, nahe der Station am zugefrorenen Trübsee. Die Skifahrer stehen hier in einem zeltartigen Raum ganz aus Schnee an der Eisbar.

Im Schneehotel, das von außen wie ein großer Schneehaufen aussieht, lässt sich auch übernachten - mit einem Käsefondue zum Abendessen. Nachts mummeln sich die Gäste dann allein oder zu zweit, manch einer mit Mütze, in den Schlafsack. In den Iglu-artigen kleinen Schneezimmern erleben sie die Stille und die Dunkelheit des Eises. Kein Laut, kein Lichtstrahl dringt durch die dicke Schneemauer.

Ein drittes Skigebiet mit langer Saison ist Saas-Fee im Kanton Wallis - ein eher ruhiger Ort. Hier gibt es 22 Liftanlagen, 100 Pistenkilometer in Höhen zwischen 1483 und 3600 Meter und einen Freestylepark für Snowboard- und Skifahrer. Vor Freeriding abseits der Pisten wird wegen der Gefahr von Gletscherspalten gewarnt.

Am Morgen trägt Anja Roy ihre Ski zur Talstation des „Alpin Express”. Das Bergdorf Saas-Fee, in das es die Kölnerin verschlagen hat, liegt auf einem Hochplateau am Fuße des Feegletschers, und für die letzte Etappe auf den Berg nimmt Anja die „Metro”, eine unterirdische Standseilbahn. Sie wurde durch einen schrägen Stollen ins Bergmassiv gehauen. Endstation ist der Allalin auf 3500 Metern.

Mit einem Blick auf einen der höchsten Berge der Schweiz, den 4545 Meter hohen Dom, bestellen sich Snowboard-Fahrer gerade einen Kaffee im Drehrestaurant „Top”. Eine Stunde dauert ein 360-Grad-Umlauf. Die Panoramafenster geben hier eine freie Sicht auf 13 Viertausender.

„Diese außergewöhnliche Höhe ermöglicht das Skifahren bis weit ins Frühjahr und sogar in den Sommer hinein”, sagt Anja Roy. Doch manchmal sind - wie an diesem Tag - die hochgelegenen Abfahrten des Skigebietes gesperrt. Zu stark pfeift der Wind. Deshalb drängen die Besucher in die Gletschergrotte: Gänge aus Eis und Räume mit Eisskulpturen bilden einen großen Pavillon mitten im Gletscher.

Rund um die Mittelstation Felskinn ist es weniger windig. Dort tummeln sich die Ski-, Snowboard- und Telemarkfahrer vor allem auf roten, also mittelschweren Pisten. Anfänger sind auf den steileren Hängen kaum zu erkennen. Ob Längfluh oder Spielboden: Stets haben die Wintersportler die nahe gelegenen Gletscher im Visier. Doch auch in Saas-Fee schrumpfen die Eismassen. Gut einen Meter im Jahr ziehen sich die Gletscher nach oben zurück.

In der Sonne sind die Außenterrassen der Berglokale schnell gefüllt. Von Helm, Schal und Skijacke entzwiebelt, ruhen die Gäste in Liegestühlen oder sogar Strandkörben. Doch Anja nimmt auch gerne die Gondel auf den Plattjen und fährt mit den Skiern zum „Berghaus”, dem ältesten Gasthaus im Skigebiet. Es wurde vom Schweizer Künstler Heinz Julen neu ausgestattet.

Bei der Talabfahrt vom Plattjen wird die Baumgrenze passiert. Dann zieht sich diese leichtere Piste durch den verschneiten Wald bis zum Dorf, wo ein Hundeschlitten vorbeijagt. Dominik Bütikofer hat mit seinen Huskys „Tina”, „Duke” und „Chey” zwei Touristen an Bord. Saas-Fee ist froh, ein Ort ohne Autos zu sein. Entsprechend ruhig ist es. Die Elektrofahrzeuge für den Gepäcktransport müssen sich sogar mit einem Glöckchen bemerkbar machen. Die Gletscher im Blick, flanieren die Gäste ungehindert durch das dicht bebaute Dorf, und aus manchem alten Gemäuer duftet es noch nach Schafstall.

Anreise: Alle drei Skiorte sind gut mit der Bahn erreichbar. Nach SAAS-FEE: Zunächst nach Genf oder Zürich, dann weiter mit dem Zug nach Visp im Wallis und mit dem Postauto nach Saas-Fee. Autofahrer reisen über Bern durch den Lötschbergtunnel über Visp nach Saas-Fee. Da der Ort autofrei ist, wird das Wagen in einem gebührenpflichtigen Parkhaus abgestellt. Elektrotaxis transportieren das Gepäck bis zur Unterkunft.

Nach ENGELBERG im Kanton Obwalden geht es in der Regel über Zürich: Mit dem Auto dauert die Fahrt 1,5 Stunden, mit der Bahn 2,5 Stunden. Von Luzern aus ist Engelberg in 30 Minuten erreicht, mit der Bahn in etwa einer Stunde. Nach LES DIABLERETS: Hier ist Genf die nächstgelegene Großstadt. Mit dem Zug sind es zwei Stunden und 15 Minuten Fahrt, mit dem Auto über Lausanne und Aigle etwa 1,5 Stunden.

Saisonzeiten: In Saas-Fee dauert die Saison 2009/10 bis zum 3.Mai. Tiefer gelegene Pisten schließen am 10. April. In Engelberg ist die Saison im Gebiet Trübsee-Jochpass-Jochstock voraussichtlich am 26. April beendet, auf den Titlis-Gletscherpisten am 24. Mai. Das Gebiet Glacier3000 in Les Diablerets ist je nach Schneeverhältnissen bis zum 2. Mai geöffnet, die Gebiete Isenau und Meilleret bis zum 11. April.

Besondere Veranstaltungen: Das „Allalin-Volksskirennen” in Saas-Fee findet im Jahr 2010 vom 16. bis 18. April statt. In Engelberg veranstalten die Bergbahnen am 27. März 2010 die nach ihren Angaben „längste Fackelabfahrt der Welt”: Nachts können Ski- und Snowboardfahrer dabei mit einer brennenden Fackel in der Hand eine zwölf Kilometer lange Abfahrt bis nach Engelberg befahren.

Informationen: Schweiz Tourismus, Postfach 16 07 54, 60070 Frankfurt (Kostenloses Tel.: 00800/10 02 00 30, E-Mail: info@myswitzerland.com); Engelberg-Titlis Tourismus, Klosterstraße 3, CH-6390 Engelberg,(Tel. von Deutschland: 0041/41/639 77 77); Saas-Fee/Saastal Tourismus, CH-3906 Saas-Fee (Tel. von Deutschland: 0041/27/958 18 58); Diablerets Tourisme, Maison du Tourisme, CH-1865 Les Diablerets (Tel. von Deutschland: 0041/24/492 33 58).
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