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Herbsturlaub im Rheingau: Wo der Riesling zu Hause ist

Von: Bernd F. Meier, dpa
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Wer in Rüdesheim zu tief ins Glas geschaut hat, kann sein Haupt im Weinfass zur Ruhe betten. Die riesigen Holzfässer wurden zu ungewöhnlichen Nachtlagern umgestaltet. Foto: dpa

Oestrich-Winkel. Bei jedem Schritt knirscht der Kies. Kerzen schimmern auf bauchigen Holzfässern, und in der Luft hängt ein leichter Weingeruch.

Kühl ist es hier unten, fünf Meter unter der Erde, im Weinkeller von Schloss Johannisberg im Rheingau.

Zur 900 Jahre alten Schatzkammer steigen die Besucher auf den ausgetretenen Stufen einer steinernen Treppe noch tiefer hinab. Ein schmiedeeisernes Tor versperrt schließlich den weiteren Weg. „Hier lagern unsere kostbaren Raritäten: 18.000 Flaschen aller guten Jahrgänge von 1845 bis heute, Riesling-Spätlesen und Beerenauslesen”, erzählt Stefan Eiser von der Johannisberger Gutsverwaltung.

Für hohe Staatsgäste und kleine Besuchergruppen öffnet sich die Kellerhalle des Weingutes, in dem 200.000 Liter Rebensaft lagern. Bereits seit 1720 baut Schloss Johannisberg, ein ehemaliges Kloster aus dem Jahre 1100, auf einer Fläche von heute 35 Hektar Riesling-Weine an. „Wir sind daher das weltweit erste Rieslingweingut”, sagt Eiser. Auf dem Johannisberg wurden im 18. Jahrhundert zum ersten Mal Spätlese-Weine gekeltert.

Schon die Römer sollen in der vom milden Klima begünstigten Region unterhalb der Taunushöhen Wein angebaut haben. Der Überlieferung nach gab Karl der Große um das Jahr 800 den Anstoß für den Weinanbau.

Er soll von seiner Pfalz bei Ingelheim aus in Wintertagen über den Rhein geschaut und entdeckt haben, dass der Schnee am Johannisberg früher schmolz als anderswo. Also ordnete er an, hier Reben anzubauen.

Heute dehnen sich die Weinberge auf mehr als 3000 Hektar Fläche von Lorchhausen bis ins Maintal hinein aus. Entlang des Rheins ist das Rebenland ein 30 Kilometer langer schmaler Streifen. Der Fluss ändert im Rheingau seinen Lauf und strömt hier auf einem kurzen Stück von Osten nach Westen.

Außerdem erreicht der Rhein bei Oestrich-Winkel die stattliche Breite von fast 900 Metern. Dadurch wirkt er wie ein großer Spiegel, der die Wärme verstärkt und auf die Weinberge lenkt. „Dieses Mikroklima begünstigt auf natürliche Weise den Weinanbau”, erläutert Stefan Eiser den Besuchern auf Schloss Johannisberg.

Rheingau und Riesling - Weinkenner lassen diese beiden Worte stets gemeinsam voller Genuss auf der Zunge zergehen. Denn die mehr als 900 Winzer lassen in dem Gebiet zu annähernd 80 Prozent hochwertigen Riesling heranreifen.

Die Geschichte des Weinbaus wird im Rheingauer Weinmuseum hinter den meterdicken Mauern der Brömserburg in Rüdesheim dargestellt. Weiterer Schwerpunkt der Sammlung sind kostbare Trinkgefässe aus antiker Zeit und dem Mittelalter.

Nur ein paar Schritte weiter ist das beliebteste Touristenziel des Rheingaus: Durch die Drosselgasse drängeln sich jährlich etwa drei Millionen Besucher. Der selbst in Japan und Australien bekannte Pflasterpfad kommt nur auf eine Länge von 144 Metern und 3 Meter Breite.

Romantische Gasthäuser und rebenberankte Weinstuben ziehen die Gäste aus aller Welt an. Wer dort in froher Runde zu tief ins Glas geschaut hat, kann sein Haupt gleich nebenan im passenden Ambiente zur Ruhe betten - im Weinfass.

Sechs dieser ungewöhnlichen Schlafzimmer bietet das „Hotel Lindenwirt” in der Nachbarschaft an. Holzfässer mit einem Fassungsvermögen von 6000 Litern wurden zu ungewöhnlichen Nachtlagern umgestaltet.

„Die Drosselgasse ist aber nur ein Mosaikstein unserer uralten Kulturlandschaft”, betont Rheingau-Gästebetreuer Manfred Rose. Wer den Touristen-Massen entfliehen möchte, übernachtet besser in einem der abgelegenen Winzerhöfe.

Einige Betriebe bieten ihren Gästen nach Absprache auch Weinproben oder Seminare an. Als Wanderpfade und Fahrradpisten führen die ausgeschilderten Rheingauer Riesling Routen auf einer Gesamtlänge von 182 Kilometern durch die Weinberge. Von Rüdesheim geht es hinauf zum Niederwalddenkmal, dessen zwölf Meter große Bronzestatue der Germania an den deutsch-französischen Krieg der Jahre 1870/1871 und ans Deutsche Kaiserreich erinnern soll.

Das Denkmal wurde zwischen 1877 und 1883 errichtet. Heute fahren die meisten Besucher in nur zehn Minuten mit einer Kabinenseilbahn zur Germania hinauf. Das Motto der bequemen Bergtour lautet „Über den Reben schweben”. Vom Niederwalddenkmal aus laden Wanderwege zu Halbtagestouren durch uralte Buchenwälder ein.

Aussichtskanzeln bieten unterwegs eine tolle Fernsicht über das Rheintal bis zu den Wäldern des Hunsrücks. Vom Jagdschloss Niederwald schweben die Ausflügler mit dem Sessellift von den Höhen hinab ins romantische Assmannshausen am Rhein. Dort reifen an steilen Berghängen die Trauben für elegante Spätburgunder, die von Weinfreunden wegen ihrer hohen Qualität zu Deutschlands besten Rotweinen gezählt werden.

Von Schloss Johannisberg führt ein Wanderweg durch die Weinberge über Schloss Vollrads bis zum ehemaligen Zisterzienserkloster Eberbach aus 12. Jahrhundert. Dessen frühmittelalterliche Kammern und Säle dienten als Kulissen für den Spielfilm „Der Name der Rose”.

Zwar bietet der Rheingau Übernachtungsmöglichkeiten für jeden Geschmack und Geldbeutel, doch besonders an den Wochenenden im September und Oktober kann es eng werden. Dann zieht die herbstliche Farbenpracht des Weinlaubs viele Ausflügler an. Deshalb der Tipp: Rechtzeitig eine Unterkunft buchen.

Informationen: Rheingau-Taunus Kultur und Tourismus GmbH (RTK) An der Basilika 11a, 65375 Oestrich-Winkel (Tel.: 06723/99550, E-Mail: tourist@rheingau-taunus-info.de).
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