Hagnau - Hagnau gilt als Schlemmerparadies

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Hagnau gilt als Schlemmerparadies

Von: Frank Heidmann, dpa
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Fischerin Bodensee Schlemmerparadies Hagnau
Heike Winder fischt noch selbst - ihren Fang verkauft die Fischerin aus Hagnau dann frisch geräuchert. Foto: dpa

Hagnau. Wenn Heike Winder am Mittag das Schild aufstellt, ist es mit der Ruhe vorbei. „Frisch geräucherter Fisch” steht darauf, und frisch heißt hier wirklich frisch - am frühen Morgen haben die Bodensee-Felchen noch im Netz gezappelt.

„Da warten viele darauf, sagt die junge Fischerin, die in dem kleinen Keller ihres Hauses in Hagnau fettig-glänzende leckere Fische direkt aus dem Rauch verkauft. „Ich nehme nur Meersalz und reines Buchenholz”, antwortet die Mutter von zwei Töchtern auf die Frage nach dem Rezept. Heike Winder ist die personifizierte „Fischerin vom Bodensee”, wie sie im Volkslied besungen wird.

„Und fährt Sie auf den See hinaus, dann legt sie ihre Netze aus, schon ist ein junges Fischlein drin, im Netz der Fischerin”, heißt es dort. Viel verändert hat sich bei den Fischern am See in den mehr als 60 Jahren seit Entstehung des Liedes nicht. „Ich kenne allerdings sechs Frauen, die Fischerin am Bodensee sind, davon zwei in Hagnau”, weist Heike Winder jeden Alleinvertretungsanspruch auf den imageträchtigen Titel zurück. Es ist ihr auch egal, denn sie hat schließlich genug zu tun. Die drei Ferienwohnungen im Haus müssen in Schuss gehalten werden, und im Ort warten die Restaurants auf frische Seesaiblinge, Seeforellen und Felchen.

Dass die gebratenen Fischfilets in Hagnau in der Regel in einer Weinsoße - meist Müller-Thurgau - serviert werden, hat viel mit einem aufmüpfigen Pfarrer zu tun, dem der kleine Ort auf der Sonnenseite des Bodensee mit seinen knapp 1400 Einwohner viel zu verdanken hat. Denn Hagnau ist vor allem ein Winzerort, dessen Weine dank moderner Kellermethoden und qualitätsbewussten Anbaus in den vergangenen Jahren an Renommee gewonnen haben.

Der Pfarrer hieß Heinrich Hansjakob, der als politisch aktiver Bürgerrechtler 1869 nach Hagnau mehr oder weniger strafversetzt worden war. Die Winzer litten damals Not, ganze 15 Pfennig bekamen sie für einen Liter Wein. Hansjakob ermunterte sie, zusammenzustehen und einen Winzerverein zu gründen. Am 20. Oktober 1881 entstand so die erste badische Winzergenossenschaft. Sie bildet so etwas wie den Kern des Ortes - nicht nur für die 110 Winzer, die dort Mitglieder sind.

Das moderne Winzerhaus an der Strandbadstraße und die große Kellerei gegenüber ziehen die Feriengäste nach einem Badetag im Bodensee geradezu an. Denn Veranstaltungen wie „Käse und Wein”, „Kulinarisches rund um Apfel und Wein” oder „Fisch und Wein” gelten als Höhepunkte im Veranstaltungskalender von Hagnau. „Bei Fisch und Wein gibt es richtig lange Wartelisten”, sagt Anita Schmidt von der Genossenschaft.

Wer hinauf in die Weinberge und Obstplantagen steigt und den Aussichtspunkt „Wilhelmshöhe” erklimmt, kann an guten Tagen hinüber nach Bregenz, Friedrichshafen oder Konstanz schauen. Wenn er nett fragt, darf der Wanderer oder Radfahrer sicher bei Ludwig und Hedi Meichle einen Elstar vom Baum pflücken.

Die Meichles sind Winzer und Obstbauern und haben einen Laden. „Es ist wichtig, verschiedene Standbeine zu haben”, sagt Ludwig Meichle. So halten es fast alle in dem kleinen Ort, dessen Fischer, Winzer, Obstbauern und Zimmervermieter gut von ihren Produkten und den Gästen leben können. Hagnau strahlt deshalb eine unaufgeregte Bürgerlichkeit aus. Einheimische und Touristen wissen frischen Fisch, knackiges Obst und ein Glas Müller-Thurgau zu schätzen. Dabei kann es passieren, dass Heike Winder an der Restaurant-Terrasse vorbeispaziert, auf den Fisch-Teller guckt und sich freut: „Der ist von mir.”
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